In ihrem Beratungsalltag hatte die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in den letzten Jahren immer wieder den Eindruck, dass sich die außergerichtliche Regulierungspraxis von Versicherern in Schadensfällen und bei Rechtsschutzversicherungen hinsichtlich der Deckungszusagen verschlechtert hat. Auch unangenehme Anfragen wurden erst nach mehrfacher Anmahnung Monate später beantwortet. Ob auch Anwälte diese Erfahrungen bestätigen können, wollte die Verbraucherzentrale jetzt in einer stichprobenartigen Umfrage von Kanzleien wissen, die sich auf den Sektoren Verbraucherschutz und Versicherungen spezialisiert haben. Außerdem hat sie danach gefragt, wie es diesbezüglich bei gerichtlichen Verfahren aussieht.
"Das Ergebnis ist erschreckend, deckt sich aber voll mit unseren Eindrücken und Erfahrungen in den letzten Jahren", so Michael Wortberg, Versicherungsreferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. 83% der teilnehmenden Anwälte haben mitgeteilt, dass sich die außergerichtliche Bearbeitungszeit und Regulierungspraxis in Schadensfällen bei Versicherungen verschlechtert habe. Rund drei Viertel kommt zu dem Ergebnis, dass dies auch für die Deckungszusage und die Abrechnungspraxis der Rechtsschutzversicherer gelte. Nur bei den gerichtlichen Auseinandersetzungen sieht es ein wenig besser aus: 75% der Teilnehmer sind der Meinung, dass die Bearbeitungszeiten der Versicherer bei gerichtlichen Auseinandersetzungen gleich geblieben sind und 83% geben an, dass dies auch für die Regulierungspraxis danach gelte.
"Die Umfrage wurde zwar bei Anwälten in der ganzen Bundesrepublik durchgeführt, ist aber nicht repräsentativ", so Wortberg. Signifikant sei aber, dass nicht ein einziger Teilnehmer den Eindruck hatte, dass sich die Bearbeitungspraxis in den letzten Jahren auch nur auf einem der abgefragten Sektoren verbessert habe.
Die Verbraucherzentrale vermutet, dass z.B. die Fusion vieler Gesellschaften in den letzten Jahren und der damit verbundene Personalabbau ihre Spuren hinterlassen haben. Die häufig propagierte Kundennähe scheint öfter auf der Strecke zu bleiben. Versicherer, von denen die Verbraucherzentrale jahrelang den Eindruck hatte, dass ein höherer Beitrag sich auch in einem besseren Kundenservice niederschlägt, scheinen nun unangenehme Fragen nur sehr verzögert zu bearbeiten.
Vor diesem Hintergrund wendet sich die Verbraucherzentrale Rhein-land-Pfalz e.V. jetzt auch an den Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV). Sie bittet um Stellungnahme dazu, wie sich derart negative Einschätzungen von bundesweit tätigen Anwaltskanz-leien mit dem ausdrücklich propagierten Ziel des GdV von größerer Kundennähe in Einklang bringen lassen. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein.
VZ-RLP
Die Umfrage ist Teil der Jubiläumsaktivitäten, die die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V. anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens unternimmt.
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