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1&1 verspricht mit LTE-Geschwindigkeit zu viel – Klage eingereicht

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bei 1&1-Tarifen gehen die nach unserer Ansicht zu erwartende und die tatsächliche Bandbreite besonders weit auseinander.
  • Auf eine Abmahnung wegen irreführender Werbeaussagen wollte das Unternehmen nicht eingehen. Darum haben die Experten des Marktwächters Digitale Welt Klage eingereicht.
  • Die Anschluss-Geschwindigkeit prüfen, Angebote vergleichen, den Kündigungstermin herausfinden: Wir geben praktische Tipps für den Umgang mit Ihrem Mobilfunktarif.
Ein Mann sitzt vor einem Laptop und tippt auf sein Smartphone.
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Wo LTE drauf steht, muss auch eine der LTE-Technologie entsprechende Geschwindigkeit drin sein. Dieser Meinung sind die Experten des Marktwächters Digitale Welt. Deshalb haben die Verbraucherschützer eine Klage gegen den Telekommunikationsanbieter 1&1 Telecom GmbH eingereicht. Dieser wirbt im Internet für Mobilfunkverträge mit "LTE-Geschwindigkeit". Wer vor Vertragsabschluss allerdings nicht das Kleingedruckte beachtet, bei dem kann diese Werbeaussage falsche Erwartungen wecken.

Mit Formulierungen wie "LTE Highspeed-Datenvolumen" und "unterwegs mit LTE-Geschwindigkeit surfen" versucht das Telekommunikationsunternehmen 1&1 neue Kunden zu gewinnen. In den Produktinformationsblättern wird im Kleingedruckten aber bloß eine Übertragungsgeschwindigkeit von gerade einmal bis zu 21,6 Mbit/s festgelegt – dafür braucht es kein LTE, das erreichen auch ältere Übertragungstechnologien. Mit LTE wiederum sind aktuell eigentlich Downloadraten von 300 Mbit/s möglich.

Tipps zum Mobilfunkanschluss

Seit 1. Juni 2017 ist Schluss mit kaum vergleichbaren Verträgen für Internetanschlüsse. Anbieter sind nun verpflichtet, ihre Angebote per Produktinformationsblatt transparent und vergleichbar zu gestalten. Wir haben Tipps rund ums Thema zusammengestellt:

Gericht soll nun klären, ob die Werbung in die Irre führt

"Wirbt ein Unternehmen mit einer fortschrittlichen Technologie wie LTE, bietet deren Vorteile aber tatsächlich gar nicht an, muss nach unserer Auffassung gerichtlich geprüft werden, ob hier Verbraucher irregeführt werden", so Tom Janneck, Teamleiter beim Marktwächter Digitale Welt in der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. "Das ist vergleichbar mit einem Auto, das laut Werbeaussagen 250 km/h schnell fahren könnte, tatsächlich aber vom Hersteller bei 100 Km/h abgeriegelt ist."

Auf eine Abmahnung wegen irreführender Werbeaussagen wollte 1&1 nicht eingehen. Darum haben die Verbraucherschützer Klage eingereicht.

Unter "LTE" verstehen die meisten besonders schnelles Internet

Gemeinsam mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstituts forsa hat das Marktwächter-Team im Rahmen einer repräsentativen Umfrage Verbraucher zu LTE befragt (1.004 Personen, 27. Oktober bis 3. November 2017). Aus den Ergebnissen geht hervor, dass Verbraucher durch die 1&1-Werbung mehr vom Endprodukt erwarten als ihnen letztlich geboten wird.

Mit dem Schlagwort LTE verknüpfen 60 Prozent der befragten Personen, die den Begriff LTE kennen, schnelles beziehungsweise schnelleres Internet. Die große Mehrheit (84 Prozent) der LTE-Kenner verbindet damit ganz konkret den Vorteil einer höheren Download-Geschwindigkeit im Vergleich zu vorherigen Technologien.

Geringe Bandbreite ist ein weit verbreitetes Problem

Die Bundesnetzagentur hat am 17.01.2018 ihren zweiten Jahresbericht zur Breitbandmessung veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen über alle Bandbreiteklassen und Anbieter hinweg, dass Kunden nach wie vor oft nicht die maximale Geschwindigkeit erreichen, die ihnen die Anbieter in Aussicht gestellt haben.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert seit Jahren mehr Handlungsmöglichkeiten für Verbraucher, wenn Anbieter nicht entsprechend liefern. Sie sollten zum Beispiel die Möglichkeit haben, ihren Tarif zu mindern oder ein Sonderkündigungsrecht wahrzunehmen.