Auch wir wollen unseren Beitrag leisten, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Aus diesem Grund sind unsere Beratungsstellen für den Publikumsverkehr geschlossen, persönliche Beratungen finden nicht statt. Bitte nutzen Sie unser umfangreiches digitales Angebot! Weitere Infos hier.

Konto-Vergleich bei Check24 nach Klage von Verbraucherschützern offline

Stand:

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat Klage gegen das Vergleichsportal Check24 eingereicht. Er sieht Mängel beim Girokonto-Vergleich, der nur wenige Kreditinstitute und Kontomodelle umfasst und teilweise veraltet war. Das Angebot ist nun vom Netz genommen worden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine EU-Richtlinie sieht vor, dass Verbraucher umfassende Vergleiche von Girokonten erhalten sollen. Solche Vergleiche müssen unabhängig und transparent sein – eine Zertifizierung soll das in Deutschland sicherstellen.
  • Der vzbv hat gegen das einzige entsprechende Angebot in Deutschland Klage eingereicht. Unter anderem deckt Check24 nach Ansicht des vzbv nicht ausreichend Anbieter und Kontomodelle ab.
  • Eine irreführende Verwendung des Zertifikats in der Nähe anderer Angebote von Check24 hat außerdem die Verbraucherzentrale NRW erfolgreich abgemahnt.
Mann blickt auf PC-Monitor mit der Website check24
Die Grafik des "zertifizierten Girokonto-Vergleichs" auf der kommerziellen Vergleichsseite haben Verbraucherschützer als irreführend abgemahnt. (Foto vom 01.09.2020)
On

Nach nur fünf Monaten nimmt das Unternehmen Check24 seine Kontovergleichswebseite vom Netz. Hintergrund sind eine Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) und eine Abmahnung der Verbraucherzentrale NRW. Nach deren Auffassung genügte die Seite nicht den gesetzlichen Anforderungen an eine solche Vergleichswebseite. Das Angebot von Check24 sei nicht geeignet gewesen, für Verbraucher einen Überblick über geeignete Kontoangebote am Markt zu finden. Die Webseite sei zwar vom TÜV Saarland zertifiziert, aber dennoch mangelhaft und unzureichend. "Sie erfüllte unserer Meinung nach schlicht nicht die europarechtlichen Anforderungen", so Klaus Müller, Vorstand des vzbv.

Aufgrund einer EU-Richtlinie müssen Verbraucher auf unabhängigen Vergleichsseiten im Internet die Vorteile und Rahmenbedingungen verschiedener Girokonten kostenlos vergleichen können. Gegen die Umsetzung bei Check24 hatte der vzbv Klage eingereicht (Landgericht München I, Az.: 33 O 15655/20). In verschiedenen Punkten sehen die Verbraucherschützer Verstöße gegen die EU-Richtlinie und die einschlägigen Vorschriften des Zahlungskontengesetzes:

  • Check24 bietet keine wesentliche Marktabdeckung. Zum Stand Ende September 2020 umfasste der Girokonto-Vergleich lediglich 556 und damit nicht einmal ein Drittel der in Deutschland existierenden Kreditinstitute (Stand 31.12.2019: 1717).
  • Hinzu kommt, dass in mehr als 90 Prozent der Fälle nur ein einziges Kontomodell einer Bank genannt wurde.
  • Schließlich fand der vzbv auch deutlich veraltete Informationen im Girokonto-Vergleich. Beispielsweise war zum Stichprobenzeitpunkt Ende September ein Konto auf der Website gelistet, welches seit mindestens fast drei Monaten nicht mehr existierte.

Zudem hat die Marktbeobachtung des vzbv festgestellt, dass die Suchfilter nicht korrekt funktionieren. So wurden in vier von fünf überprüften Postleitzahlbereichen in Hamburg, Leipzig, München und Berlin Kontoangebote zentraler Sparkassen und Volksbanken nicht angezeigt.

Dem vzbv geht es darum, dass Verbraucher eine Vergleichswebsite zur Verfügung gestellt bekommen, wie sie sich der europäische Gesetzgeber mit der Zahlungskontenrichtlinie vorgestellt hat. Die Lösung von Check24 erfüllte das aus Sicht des vzbv bis zuletzt nicht.

Abmahnung wegen unzulässiger Werbung mit Zertifikat

Entsprechende Vergleichsseiten nach der EU-Richtlinie müssen in Deutschland zertifiziert werden, damit die Vergleiche mit größtmöglicher Unabhängigkeit und Transparenz stattfinden. Check24 hat für seinen gesetzlichen Girokonto-Vergleich ein Zertifikat vom TÜV Saarland. Es hat dieses Zertifikat aber auch an anderen Stellen verwendet. Dagegen ist die Verbraucherzentrale NRW erfolgreich vorgegangen.

Der Hintergrund: Das Vergleichsportal hatte einen Hinweis auf das Zertifikat auch in einer anderen Rubrik platziert: dort, wo Nutzer bei kooperierenden Banken direkt eine Kontoführung beantragen können. Dafür erhält Check24 Provisionen von den Finanzinstituten. Wer diese Seite des Vergleichsportals in der Desktop-Ansicht nutzte, sah eine deutlich hervorgehobene und farblich in schwarz-rot-gold gestaltete Grafik mit dem Text "ZERTIFIZIERTER GIROKONTOVERGLEICH". So durften Verbraucher annehmen, dass es sich bei der Vergleichsseite bereits um die zertifizierte handelte. Verstärkt wurde der Eindruck dadurch, dass neben dem Schriftzug die mit einem blauen Häkchen versehene Auskunft "Einziger zertifizierter Girokontovergleich" zu sehen war.

Deshalb hat die Verbraucherzentrale NRW Check24 abgemahnt: Der Anbieter sollte sein Angebot ohne Zertifizierung nicht mit der Zertifizierung bewerben. Diese unzulässige Werbung wurde entsprechend aus dem Netz genommen. Der zertifizierte Vergleich von Check24 war aber weiterhin für Verbraucher nur schwer auffindbar.

Wir raten generell dazu, genau hinzuschauen: Wie unabhängig ist ein Portal? Erhält der Anbieter eine Provision, wenn Sie einen Vertrag darüber abschließen? Wie wird der Produktvergleich dadurch beeinflusst? Wie viele Anbieter enthält der Vergleich? Beim zertifizierten Girokontovergleich von Check24 waren mehr als 500 Kreditinstitute enthalten, beim nicht zertifizierten noch einmal deutlich weniger – und zwar lediglich 20.

Wie geht es nun weiter?

Mit der Abschaltung des Angebots von Check24 ist nun kein zertifizierter Girokonten-Vergleich nach den Vorstellungen der EU mehr in Deutschland online. Die meisten anderen EU-Mitgliedsstaaten haben die Richtlinie dagegen längst umgesetzt und dabei wohl überwiegend auf öffentlich-rechtliche Träger gesetzt.

Der vzbv fordert eine zügige Neuvergabe an einen unabhängigen Träger. Klaus Müller: "Es geht hier um den Überblick der Verbraucher auf einem sehr differenzierten Markt. Es ist ärgerlich, wenn Verbraucher draufzahlen, weil sich günstige und passende Angebote nur schwer finden lassen. Unabhängige Träger wie die Bafin oder die Stiftung Warentest wären besser geeignet, Verbrauchern hier ein gutes brauchbares Angebot zu machen."