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Listerien: Wurstfabrik Wilke geschlossen, Rückruf aller Produkte

Stand:

Behörden haben die Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co. KG geschlossen. Bei Untersuchungen sind monatelang mehrfach Listerien in der Produktion und in den Produkten der Firma festgestellt worden. Drei Menschen starben möglicherweise durch den Verzehr der Produkte.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Alle von der Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren produzierten Produkte werden zurückgerufen. Die hessische Fabrik wurde geschlossen.
  • Betroffene fertig verpackte Fleisch- und Wurstwaren sind an der Betriebsnummer DE EV 203 EG zu erkennen. Bei loser Ware wie Wurst an der Frischetheke erfahren Sie als Verbraucher diese Nummer nicht. Hier können Sie nur das Verkaufspersonal fragen.
  • Das zuständige hessische Ministerium hat inzwischen eine Telefon-Hotline für Verbraucher geschaltet.
Verkäufer nimmt ein Stück Fleisch aus Verkaufstheke
Symbolbild
On

Über Monate hatte die Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co. KG Probleme mit Listerien in ihrer Produktion im hessischen Twistetal-Berndorf. Nachdem zwei ältere Personen direkt oder indirekt durch Listerien gestorben sind, haben Behörden den Betrieb am 2. Oktober geschlossen.

Einem Bericht des Robert-Koch Instituts RKI zufolge werden die gefundenen Erreger einem Stamm zugeordnet, der seit 2014 in insgesamt 37 Krankheitsfällen nachgewiesen wurde. Das RKI geht davon aus, dass die Infektion aus derselben Quelle stammt. Die Listerien seien mit denen aus einem Lebensmittelbetrieb in Hessen sehr nahe verwandt, heißt es in dem Bericht. Namentlich genannt wird die Firma Wilke darin nicht.

Fleisch, Wurst und sogar vegetarische und vegane Produkte mit der Betriebsnummer DE EV 203 EG werden zurückgerufen. Der Code steht auf verpackten Waren in einem Oval.

Problem dabei: Wilke hat viele Produkte an Großkunden wie Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen und zur Weiterverarbeitung geliefert. Supermärkte haben Wilke-Wurst an Frischetheken verkauft. In all diesen Fällen sehen Sie als Verbraucher die Betriebsnummer nicht und können höchstens beim Küchen- oder Verkaufspersonal nachfragen.

Liste zurückgerufener Marken und Produkte

Nach der Bekanntgabe des Rückruf der Wilke-Produkte am 2. Oktober auf einer Pressekonferenz des Landratsamtes Waldeck-Frankenberg kommen wichtige Infos für Verbraucher seitdem nur scheibchenweise ans Licht. So dauerte es mehrere Tage, bis weitere Marken bekannt wurden, unter denen oder für die Wilke produziert hat. Sie sind nun auf lebensmittelwarnung.de zu finden – ebenso wie eine Liste der Produkte, die Erzeugnisse von Wilke enthalten.

Hinweis: Da die Listen sehr umfangreich sind, können Sie gezielt nach bestimmten Produkten suchen. Öffnen Sie dazu die PDF-Dateien und drücken Sie dann auf Ihrer Tastatur gleichzeitig [Strg] und [F]. Dann können Sie beliebige Suchworte eintippen und bekommen sie – sofern vorhanden – im Dokument hervorgehoben angezeigt.

Hotline des hessischen Verbraucherschutzministeriums

Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat eine Verbraucherhotline der Task-Force Lebensmittelsicherheit eingerichtet. Die Hotline zur Rückrufaktion der Firma Wilke ist seit 9.10. unter der Rufnummer

06151 – 12 6082

geschaltet und bis auf weiteres von montags bis donnerstags zwischen 8 und 16.30 Uhr sowie freitags zwischen 8 und 15 Uhr erreichbar.

Listerien können Listeriose auslösen

Listerien können zu Listeriose führen und sind vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensbedrohlich. Bei ansonsten gesunden Menschen verläuft die Infektion meist mild. Behandelt wird eine Listeriose mit Antibiotika.

Gefährdet sind vor allem Kranke und Hochbetagte, Kleinkinder, Säuglinge, Menschen mit geschwächtem Immunsystem sowie Schwangere. Da die Bakterien nach einer Infektion der Mutter die Plazentaschranke überwinden können und das Ungeborene noch keine Abwehrmechanismen besitzt, kann eine Totgeburt die Folge sein. Mehr dazu lesen Sie in einem gesonderten Artikel.

Kritik der Verbraucherzentralen

Bis wichtige Informationen für Verbraucher auf dem offiziellen Rückrufportal des Bundes und der Länder öffentlich wurden, verging eine Woche. Aus Sicht der Verbraucherzentralen ist das ein unverantwortlicher gefährlicher und unhaltbarer Zustand. Auch wenn die Marken- und Produktlisten von Wilke mittlerweile veröffentlicht wurden, fehlen weiterhin vollständige Angaben zu den Verkaufsstellen. Das ist für Verbraucher aber besonders wichtig, da die Produkte auch als lose Ware an Frischetheken abgegeben wurden oder von Caterern und Kantinen eingesetzt wurden.

Verbraucher können auch selten nachvollziehen, aus welchen Betrieben verarbeitete Zutaten in Produkten stammen. Denn für Lebensmittel, die sowohl Erzeugnisse pflanzlichen Ursprungs als auch verarbeitete Erzeugnisse tierischen Ursprungs enthalten, ist kein Identitätskennzeichen vorgeschrieben. So müssen Produkte wie ein Wurstsalat, der Brühwurst der Firma Wilke enthält, das Identitätskennzeichen DE EV 203 EG nicht tragen. Hier tappen Verbraucher im Dunkeln.

Die Waren der Firma wurden auch über Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung (z.B. Kantinen, Mensen, Küchen von Altenheimen und Krankenhäusern) in Verkehr gebracht. Auch hier hilft nur Nachfragen, ob dort Produkte der Wilke Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co. KG verwendet wurden.

Wilke hat außerdem einen eigenen Online-Shop und Werksverkauf betrieben.

Forderungen der Verbraucherzentralen

Der Wurstskandal zeigt einmal mehr: Die Strukturen der Lebensmittelüberwachung reichen nicht aus, um Missstände in Lebensmittelbetrieben zeitnah zu beheben und die Sicherheit von Verbrauchern zu gewährleisten. Die Verbraucherzentralen und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordern zügig politische Konsequenzen.

Insbesondere fordern die Verbraucherzentralen:

  1. Die Verantwortung für die Überwachung muss künftig auf Länderebene liegen. Im Krisenfall muss der Bund die Koordinierung und Verantwortung übernehmen. Die kommunale Lebensmittelüberwachung ist bei komplexen Lieferketten nicht mehr zeitgemäß.
  2. Die Behörden müssen Rückrufe sofort selbst durchführen können.
  3. Betriebe sollten im digitalen Zeitalter jederzeit belegen können, dass sie ihre Lieferkette nachvollziehen können. Lieferketten sollten zudem in einem zentralen, digitalen System auf jeder Stufe abgebildet werden. Die amtliche Überwachung muss jederzeit Zugriff auf dieses System haben.
  4. Rückrufe und Information der Verbraucher müssen schneller und umfassender erfolgen.