Algorithmen brauchen Transparenz und Kontrolle

Pressemitteilung vom

Landesmedienanstalt und Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz veröffentlichen Positionspapier

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"Wir werden individualisiert: Der Algorithmus-Bürger zwischen Filterblase, Fake News und Demokratiegestaltung" war das Thema einer gemeinsamen Veranstaltung der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK) und der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, die heute im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Digital Lunch" der rheinland-pfälzischen Landesvertretung in Berlin stattfand. Namhafte Experten auf dem Gebiet der Digitalisierung beleuchteten sowohl die Chancen als auch die Risiken der algorithmischen Entscheidungsfindung. In Vorträgen und einer Podiumsdiskussion bewerteten die Experten aus Wissenschaft und Unternehmen die Auswirkungen von Algorithmen auf die Medien und den Konsumalltag von Verbraucherinnen und Verbrauchern. In einem gemeinsamen Positionspapier veröffentlichten die beiden Veranstalter ihre Standpunkte zum Thema.

"Meinungs- und Redefreiheit als Grundpfeiler unserer Demokratie gelten auch im Internet. Suchmaschinen und soziale Netzwerke sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Informationen suchen die Menschen gezielt im Internet. Das Internet ist dabei kein rechtsfreier Raum: Auch hier sind Hassrede, Beleidigung, Volksverhetzung verboten. Bestehendes Recht auch im Internet durchzusetzen und zugleich die Meinungsfreiheit zu erhalten, dafür müssen wir gemeinsam mit den Unternehmen sorgen" betonte Heike Raab, Staatssekretärin für Medien und Digitales.

Macht der Algorithmen

"Algorithmen beeinflussen schon heute unser tägliches Leben", so Ulrike von der Lühe, Vorstand der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Algorithmen können auch diskriminieren. Sie entscheiden auf der Grundlage persönlicher Daten über die Bedingungen, zu denen Verbraucherinnen und Verbraucher Zugang zu Produkten und Dienstleistungen erhalten. Hinzu kommt, dass unser Konsumverhalten gesteuert wird, ohne dass wir es nachvollziehen können. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass die Funktionsweise der Algorithmen transparent gemacht wird und die Entscheidungssysteme von einer neutralen Stelle kontrolliert werden.

Demokratie im digitalen Zeitalter

Doch Algorithmen beeinflussen nicht nur das Konsumverhalten maßgeblich. Sie werten unter anderem auch aus, welche Nachrichten-Quellen wir bevorzugen, und bestimmen, wann wir welche Nachrichten zu sehen bekommen. Sie wirken somit direkt auf die Demokratiegestaltung. "Wer sich im Internet bewegt, muss wissen, dass er eine Vielzahl von Daten im Netz hinterlässt", so Renate Pepper, Direktorin der Landeszentrale für Medien und Kommunikation. "Anhand dieser Daten werden den Nutzern dann wiederum Nachrichten oder Webseiten vorgeschlagen. Die Gefahr dabei ist, dass Algorithmen die Vielfalt reduzieren und nur noch gezeigt wird, was die eigene Meinung bestätigt. Diese sogenannten Filterblasen können eine echte Gefahr für die freie Meinungsbildung darstellen und die Verbreitung von Fake News erleichtern."

Das Positionspapier ist im Internet unter der Adresse www.verbraucherzentrale-rlp.de/algorithmen sowie bei der LMK unter abrufbar.

Ebenfalls aktuell erschienen ist die bürger- und verbraucherorientierte Broschüre "Dein Algorithmus – meine Meinung: Algorithmen und ihre Bedeutung für Meinungsbildung und Demokratie" von Frau Professor Dr. Katharina Zweig, die von der Bayrische Landeszentrale für neue Medien (BLM) herausgegeben und von der LMK überreicht wird, hier herunterladen.

Als Experten nahmen an der Veranstaltung teil:

Dr. Sandro Gaycken, Direktor Digital Society Institute, European School of Management and Technology, Berlin

Jan Kottmann, Leiter Medienpolitik, Google Germany, Berlin

Prof. Dr. Katharina Zweig, Fachbereich Computer Sciences, Graphentheorie und komplexe Netzwerkanalyse, TU Kaiserslautern.

VZ-RLP

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