Basiskonto offenbart Schwachstellen

Pressemitteilung vom

Umfrage der Verbraucherzentrale zeigt mangelnde Auskunftsbereitschaft und komplizierte Preisgestaltung

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Wenig Transparenz und hohe Kosten: Das Basiskonto, vorrangig für weniger zahlungskräftige Verbraucher gedacht, erfüllt in der Praxis häufig nicht seinen gesetzlichen Auftrag. Zu dieser Auffassung kommt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz nach einer Umfrage Anfang des Jahres bei 52 Banken und Sparkassen im Land. Weniger als die Hälfte der Institute hat die Fragen beantwortet. Die anderen 30 haben keine verwertbaren Antworten geschickt oder sich gar nicht zurück gemeldet. Und auch auf den Internetseiten der Kreditinstitute waren Informationen häufig gar nicht oder nur in Teilen zu finden. "Der Verdacht liegt nahe, dass viele Geldhäuser die Konditionen ihres Basiskontos lieber verschleiern", kritisiert Josephine Holzhäuser, Referentin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale. "Sollte die Kreditwirtschaft ihrer gesetzlichen Verpflichtung, ein Girokonto zu angemessenen Preisen anzubieten, auch in Zukunft nicht nachkommen, muss der Gesetzgeber tätig werden und diese schwammige Entgeltdefinition konkretisieren."

Seit Juni 2016 haben alle Verbraucher einen gesetzlichen Anspruch auf ein Girokonto auf Guthabenbasis. Dieses sogenannte Basiskonto wurde insbesondere für weniger zahlungskräftige Menschen geschaffen wie beispielsweise Geringverdiener, Sozialleistungsempfänger oder Flüchtlinge. Das Basiskonto muss nicht kostenlos sein, aber die erhobenen Entgelte müssen laut Gesetz angemessen und marktüblich sein. Das heißt, sie dürfen nicht teurer als vergleichbare Konten bei dem jeweiligen Kreditinstitut sein. Da allerdings viele Kreditinstitute in der letzten Zeit kräftig an der Gebührenschraube beim Girokonto gedreht und teilweise auch komplizierte Preismodelle entwickelt haben, fällt die Vergleichbarkeit nicht mehr so leicht. "Unsere Umfrage zeigt, dass das Basiskonto in der Regel nicht das günstigste Kontomodell ist", fasst Holzhäuser zusammen. "Die Bandbreite der jährlichen Kosten liegt zwischen kostenlos und mehr als 100 Euro."

Bei lediglich zwei Kreditinstituten fallen keine monatlichen Grundgebühren an. Allerdings kostet bei einem dieser Kreditinstitute die Girocard beim filialgeführten Konto 12 Euro im Jahr extra, ganz kostenlos ist nur die Online-Variante. Beim anderen Institut kostet dafür jede Belegüberweisung zusätzlich 1,50 Euro. Die zwei extremen Ausreißer des Marktchecks, die die Karten offen auf den Tisch gelegt haben, verlangen monatliche Kontoführungsgebühren von 8,95 Euro bzw. 9,90 Euro - immerhin inklusive Girocard. Dennoch kostet das Basiskonto dort im Jahr zwischen 107,40 Euro und 118,80 Euro. Fraglich, ob diese Entgelte noch angemessen sind. "Nur wenige Kreditinstitute berücksichtigen zudem das Nutzerverhalten", stellt Holzhäuser fest. "Lediglich vier Institute bieten das online geführte Basiskonto zu einem günstigeren Grundpreis an als das klassische Filialkonto."

Fälle überzogener Entgeltforderungen bei Basiskonten oder Probleme bei der Eröffnung eines Basiskontos können der Verbraucherzentrale unter finanzen@vz-rlp.de gemeldet werden. Sie prüft im Einzelfall rechtliche Schritte und kann mit solchen Informationen auch ihre verbraucherpolitischen Forderungen untermauern. Fragen rund um das Thema Basiskonto werden telefonisch unter 0180 20 00 766 (6 Cent pro Gespräch, aus dem Mobilfunk max. 42 Cent pro Minute) beantwortet. Das Telefon ist jeden 2. und 4. Dienstag im Monat von 9 bis 13 Uhr geschaltet. Finanziert wird es aus Projektmitteln des Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie.

VZ-RLP

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