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Verbraucherärger ohne Ende - Verbraucherzentrale zieht Bilanz 2017

Jahrespressegespräch Vorstellung Bilanz 2017 Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

Jahrespressegespräch bei der VZRLP

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Ärger mit unseriösen Schlüsseldiensten und fragwürdigen Inkassoforderungen, dubiose Streaming-Dienste und Abofallen in Spiele-Apps bestimmten 2017 neben vielen weiteren Themen die Arbeit der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Rund 100.000 Kontakte verzeichnete die Verbraucherzentrale 2017 – bei Beratungen, Vorträgen und vielfältigen Aktionen. „Die fortschreitende Digitalisierung aller Lebensbereiche stellt die Verbraucherzentrale bei Themen wie beispielsweise dem digitalen Nachlass, Gesundheitsapps oder Smart-Home vor immer neue Herausforderungen“, so Ulrike von der Lühe, Vorstand der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Eng damit verbunden ist der Schutz unserer persönlichen Daten, für den zahlreiche neuartige Gefahren erwachsen.“

Unseriöse Schlüsseldienste kassieren gnadenlos ab

Zu den unrühmlichen Dauerbrennern in der Beratung gehörten überteuerte Rechnungen unseriöser Schlüsseldienste. „Betrüger nutzen Notsituationen wie zugefallene Türen oder vergessene Schlüssel gnadenlos aus, um abzukassieren“, so Christian Gollner, Referent für Verbraucherrecht und Datenschutz. „Für eine einfache Türöffnung verlangen sie oft mehrere hundert Euro und immer häufiger sogar vierstellige Beträge. Sie bestehen darauf, dass die Rechnung sofort bezahlt wird.“ Dahinter stehen Strukturen organisierter Kriminalität, die an Mafia-Clans erinnern.

In einem bundesweiten Marktcheck haben die Verbraucherzentralen Durchschnittspreise seriöser Schlüsseldienste erhoben. Der Preisvergleich ist als Orientierung für Verbraucher im Internet unter www.verbraucherzentrale-rlp.de/schluesseldienste veröffentlicht.

Fragwürdige Inkassounternehmen üben Druck aus

Besonders dreist gehen auch unseriöse Inkassodienstleister vor. Mit standardisierten Forderungsschreiben verlangen sie häufig unverhältnismäßig hohe Gebühren. „Aus einer offenen Hauptforderung in Höhe von zehn oder 20 Euro werden mit einem Standardschreiben aus dem Computer schnell 70 und mehr Euro“, so die Erfahrungen von Gollner. „Wer nicht bezahlt, erhält Mahnungen und wird mit Drohungen unter Druck gesetzt.“ Zu den Drohgebärden zählt auch die Ankündigung eines „Inkasso-Teams“, das mit einem Kleintransporter kommt, um Wertgegenstände abzuholen. Die Verbraucherzentrale unterstützt Betroffene seit diesem Jahr mit dem Online-Tool „Inkasso-Check“. Unter der Adresse www.inkasso-check.de können Betroffene Inkassoforderungen kostenlos überprüfen lassen und erfahren, ob sie überhaupt zahlen müssen und ob die Höhe der Kosten gerechtfertigt ist. Außerdem lassen sich direkt Musterbriefe erstellen, um sich gegen hohe Inkassokosten zur Wehr zu setzen.

Dubioses Streaming-Netzwerk im Visier

Auf ein ganzes Netzwerk vermeintlicher Video-Streaming-Webseiten wie „heroflix.de“ oder „bogostream.de“ ist das Marktwächter-Team Digitale Welt der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz gestoßen. Die Seiten werben mit aktuellen Filmen und Serien. Der Versuch, sich auf einer dieser Webseiten zu registrieren, scheitert entweder gänzlich oder es gibt nach einer gelungenen Registrierung weder Filme noch Serien zu streamen. Dennoch erhalten die Nutzer nach Ablauf einer „Fünf-Tage-Testphase“ eine Zahlungserinnerung für ein Jahresabonnement über 359 Euro. In YouTube-Videos der Seitenbetreiber behaupten angebliche Anwälte, der Vertrag sei rechtskräftig zustande gekommen und die Rechnung sei zu bezahlen. Verbraucher erhalten außerdem vermeintliche Inkasso-Schreiben und Abmahnungen, die sie zusätzlich unter Druck setzen sollen.  

„Wir zählen inzwischen über 140 dieser dubiosen Webseiten. Viele davon sind zwar bereits wieder abgeschaltet, es gehen aber wöchentlich neue Seiten online“, so Manfred Schwarzenberg, Teamleiter Marktwächter Digitale Welt. Die Erkenntnisse zu dem dubiosen Webseiten-Netzwerk haben die Marktwächter zur weiteren Verfolgung an Ermittlungsbehörden in Rheinland-Pfalz gegeben. Die Marktwächter stehen auch mit Verbraucherschützern in Österreich in Kontakt, wo Film-Fans ebenfalls in diese Falle tappen. Wer auf eine solche Webseite hereingefallen ist, kann seine Beschwerde auf www.marktwaechter.de melden.

Kostenfalle Spiele-Apps

Für reichlich Ärger und Verdruss können vermeintlich kostenlose Spiele auf PC oder Smartphone sorgen. Die Marktwächter haben im vergangenen Jahr Beschwerden zu einem Anbieter von „Casual Games“, also Gelegenheitsspielen, erhalten. Dieser hat mit vergünstigten Preisen für Spiele geworben, die aber an eine Clubmitgliedschaft gebunden waren. Der Abschluss einer Probe-Mitgliedschaft für einen Monat war bei Buchung bereits voreingestellt. Die Angaben zur automatischen Verlängerung in ein kostenpflichtiges Abonnement waren intransparent. Für diese untergeschobenen „Club-Mitgliedschaften“ haben die Marktwächter den Anbieter erfolgreich abgemahnt.

Über das Frühwarnnetzwerk erhielten die Marktwächter zudem Fälle, in denen Kinder und Jugendliche durch In-App-Käufe mehrere tausend Euro ausgegeben hatten. Die Marktwächter haben daraufhin mehrere Spiele-Apps überprüft und deren Anbieter abgemahnt. Ein Grund für die Abmahnungen war die unangemessene Werbung beispielsweise für Bier in Spiele-Apps, die auch Kinder nutzen. Ein weiterer Abmahn-Grund war die verwirrende und intransparente Preisgestaltung beim Kauf von In-Game-Währung. 

Ausblick

„Das Gesetz zur Musterfeststellungsklage und die Umsetzung der europäischen Datenschutz-Grundverordnung sind wichtige positive Meilensteine für den Verbraucherschutz“, so von der Lühe. „Die neuen Datenschutzrechte stärken die Rechtsposition der Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber Unternehmen. Die weitere Umsetzung werden wir konstruktiv und kritisch begleiten.“

In Ludwigshafen-Oggersheim-West wird die Verbraucherzentrale im Herbst das Projekt „Verbraucher stärken im Quartier“ auf den Weg bringen. Ziel ist es, Menschen in strukturschwachen Stadtteilen zu unterstützen, ihnen Hilfestellung im Verbraucheralltag zu geben und ihre Konsum- und Finanzkompetenz zu stärken.

Neuer Mitgliedsverband

Der Landesverband der Offenen Kanäle in Rheinland-Pfalz e.V. ist ab sofort neuer Mitgliedsverband der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Dies hat die Mitgliederversammlung der Verbraucherzentrale am 26. Juni 2018 in Mainz einstimmig beschlossen. Somit kann die Verbraucherzentrale ihr Fundament auf 20 Mitgliedsverbände aufstocken.

Gerade mit Blick auf die Herausforderungen der Digitalisierung ist eine stärkere Vernetzung auch im Bereich der Medien enorm wichtig. Der Landesverband der Offenen Kanäle, in dem alle rheinland-pfälzischen Bürgerfernsehsender zusammengeschlossen sind, ergänzt das Spektrum der Mitgliedsverbände hervorragend.

Der Jahresbericht im Internet

Informationen zu allen Tätigkeitsschwerpunkten der Verbraucherzentrale finden sich im Jahresbericht 2017, der unter www.verbraucherzentrale-rlp.de/jahresbericht-2017-rlp aufgerufen werden kann.

VZ-RLP

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