Speicherheizungen: Teuer und schlecht fürs Klima

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Speicherheizungen sind in Deutschland die am weitesten verbreitete Variante der elektrischen Heizung: Rund 1,6 Millionen Privathaushalte haben hierzulande solche Systeme.

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Diese Heizungen speichern elektrisch erzeugte Wärmeenergie und geben sie zeitverzögert ab. Klassischerweise wird der Speicher nachts aufgeladen und die Wärme tagsüber genutzt – daher rühren die Begriffe "Nachtspeicherheizung" und "Nachtstromspeicherheizung". Der Strom für die Aufladung, also der Heizstrom, ist günstiger als der Haushaltsstrom für alle restlichen Geräte. Er wird zum sogenannten Niedertarif (NT) abgerechnet, der Haushaltsstrom hingegen zum Hochtarif (HT).

Der günstige "Nachtstrom"

Nachts wird in Haushalten und Betrieben weniger Strom verbraucht als tagsüber. In dieser sogenannten Schwachlastzeit haben die Betreiber von Kraftwerken früher ihren Strom günstiger angeboten als tagsüber, um ihre Anlagen gleichmäßiger auszulasten und dadurch kostengünstiger zu betreiben. Auch die Netze waren in dieser Zeit nicht ausgelastet, so dass bei den dafür anfallenden Entgelten Nachlässe üblich wurden. Ein dritter Preisbestandteil, der den nächtlichen Strombezug für die Heizung vergünstigte, sind die Konzessionsabgaben an Städte und Gemeinden. Auch bei diesen genießt der Heizstrom eine Sonderregelung.

Heute ändert sich allerdings die Situation: Ein wachsender Anteil des Strombedarfs wird aus erneuerbaren Energien wie Windkraft oder Photovoltaik gedeckt, die überwiegend unstet anfallen, also unregelmäßig. Der direkte zeitliche Zusammenhang von Stromangebot und -nachfrage verschwindet und mit ihm die Grundlage für die genannten Vergünstigungen. Im Sinne des Klimaschutzes ist es zudem sinnvoll, überschüssige Strommengen zu anderen Zwecken zu speichern, zum Beispiel für die Mobilität. Der nächtliche Strom etwa bekommt eine neue Rolle, wenn er die Batterien von Elektroautos auflädt. Inwieweit das System der Elektrospeicherheizung mit günstigen NT-Tarifen zu festen Zeiten eine Zukunft hat, ist deshalb fraglich.

Schlechte Klimabilanz und hohe Kosten

Heizen mit Stromspeicherheizungen ist ineffizient, hat also eine schlechte Energieausbeute. Das liegt vor allem daran, dass schon die Stromerzeugung ein ineffizienter Vorgang ist; dabei gehen große Teile der in den Ausgangsrohstoffen enthaltenen Energie ungenutzt verloren. Darüber hinaus verursacht die Stromerzeugung in den immer noch vorherrschenden konventionellen Gas- und Kohlekraftwerken einen hohen Ausstoß an CO2 und Schadstoffen. Die Klimabilanz von Speicherheizungen fällt deshalb deutlich schlechter aus als die moderner Öl- oder Gasheizungen.

Wegen dieser Ineffizienz wurde Speicherheizungen 2007 verboten, 2013 aber wieder erlaubt. Der Grund dafür war allerdings kein überraschender Effizienzsprung des Heizsystems. Vielmehr folgte die Politik damit einem Wunsch der Stromwirtschaft, die im Gegenzug in Aussicht stellte, überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien vermehrt für Elektrospeicherheizungen einzusetzen. Den Beleg dafür, dass dies auch tatsächlich in nennenswertem Umfang geschieht, sind die Firmen aber bislang schuldig geblieben.

Mit Strom zu heizen, ist zudem überdurchschnittlich teuer. Ein Tarif- oder Anbieterwechsel kann die Kosten zwar senken, doch im Vergleich zu anderen Systemen wird die Speicherheizung auch mittelfristig nicht kostengünstig betrieben werden können.

Ausstieg aus der Elektroheizung

Eine Speicherheizung auszutauschen, ist sowohl wegen der Kosten als auch mit Blick auf die Umwelt sinnvoll. Vor der Suche nach dem passenden alternativen Heizsystem sollten Verbraucher zudem klären, ob sie ihren Bedarf an Heizenergie durch Sanierungen senken können. Werden beispielsweise vor dem Ausbau der Elektroheizung eine nachträgliche Wärmedämmung und eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung installiert, hat dies Einfluss auf die Energieeffizienz des Heizsystems. Beim nachträglichen Einbau einer Zentralheizung können etwa die Rohre auf der gedämmten Außenwand installiert werden, ohne dass große Wärmeverluste durch Verteilung entstehen.

Der Einbau von neuen Heizungen kann gefördert werden. Die KfW Privatkundenbank und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gewähren günstige Darlehen oder Zuschüsse für den Einbau von Systemen, die auf Brennwerttechnik basieren oder erneuerbare Energien nutzen. Darüber hinaus bieten einzelne Bundesländer und Energieversorger weitere Förderprogramme an. Der Ausbau der Speicherheizung selbst wird jedoch nicht mehr gefördert.