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Insolvenzverfahren beim Energieversorger BEV eröffnet: was das bedeutet

Stand:

Nach Lieferstopp Anfang des Jahres ist nun das Insolvenzverfahren für die Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH (BEV) eröffnet. Wer noch Geld von der BEV zurückhaben möchte, muss seine Ansprüche anmelden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Energieversorger Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH (BEV) wurde mit Beschluss vom 16.10.2019 eröffnet. Der Verwalter hat am selben Tag auch noch erklärt, dass das Unternehmen nicht alle seine Schulden zahlen können wird.
  • Das Unternehmen verschickt seit einiger Zeit Endabrechnungen, die Sie gründlich prüfen sollten.
  • Guthaben können zur Insolvenztabelle bis zum 10.01.2020 angemeldet werden.
Homepage des Energieversorgers BEV
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Zahlreiche Verbraucher hatten sich bei uns gemeldet und Ärger mit dem Anbieter BEV geschildert. Nach dem Insolvenzantrag Ende Januar wurde nun das Insolvenzverfahren mit Beschluss vom 16.10.2019 eröffnet. Als Insolvenzverwalter ist der Münchner Rechtsanwalt Axel Bierbach bestellt, der zuvor schon vorläufiger Insolvenzverwalter war. Zudem hat der Insolvenzverwalter noch am selben Tag Masseunzulänglichkeit angezeigt - also erklärt, dass derzeit nicht genug Geld da ist, um alle Schulden des Unternehmens zu zahlen.

Für Kunden bedeutet das vor allem:

  • Widerrufen Sie SEPA-Lastschriftmandate, falls die BEV noch welche von Ihnen hat. Machen Sie das schriftlich, am besten per Einschreiben, gegenüber dem Insolvenzverwalter.
  • Prüfen Sie an Sie gerichtete Schlussrechnungen gründlich.
  • Halten Sie sich bei uns sowie auf der Seite der BEV zur Insolvenz auf dem Laufenden.

Was bedeutet die Eröffnung des Insolvenzverfahrens?

Das Insolvenzgericht hat festgestellt, dass das Unternehmen zahlungsunfähig und überschuldet ist. Die Gläubiger können ihre Forderungen nicht mehr einzeln durchsetzen, sondern müssen diese zur so genannten Insolvenztabelle anmelden. Erst nach Abschluss des Verfahrens erhalten die Gläubiger die so genannte Quote. Insolvenzverfahren dauern oft mehrere Jahre an.

Der Verwalter hat Masseunzulänglichkeit angezeigt. Das bedeutet, dass zwar die Kosten des Verfahrens gezahlt werden können, nicht aber alle Verbindlichkeiten, die aus der Insolvenzmasse zu bezahlen sind ("Masseverbindlichkeiten"). Kunden können daher derzeit nicht damit rechnen, dass ihnen nach Abschluss des Verfahrens Geld ausgezahlt werden kann. Dabei muss es aber nicht zwangsläufig blieben. Durch sog. Insolvenzanfechtungen könnte der Insolvenzverwalter die Insolvenzmasse im weiteren Verfahren noch anreichern.

Wie gehe ich mit einer Rechnung der BEV bzw. des Insolvenzverwalters um?

Das Unternehmen verschickt seit einiger Zeit Schlussrechnungen. Außerdem kann es sein, dass Sie noch alte Rechnungen der BEV aus der Zeit vor der Insolvenz haben. Es kommt nun darauf an, ob Sie gegenüber der BEV im Rückstand sind oder ob Sie noch Guthaben haben. Letzteres kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Sie zu hohe Abschlagszahlungen geleistet und tatsächlich weniger verbraucht haben.

Falls Sie laut Schlussrechnung im Rückstand sind:

Forderungen aus Schlussrechnungen sind grundsätzlich auch nach Insolvenzeröffnung des Unternehmens zu zahlen. Bevor Sie sie zahlen, sollten Sie aber die Rechnung gründlich überprüfen:

  • Sind alle gezahlten Abschläge in einer Abrechnung für die Lieferung von Strom aufgelistet? Wenn nicht, ist das nicht rechtens und hat zur Folge, dass Sie als Kunde die Zahlung verweigern können. Außerdem muss unserer Ansicht nach der Sofort-und/ oder Neukundenbonus trotz Insolvenz in den Schlussrechnungen berücksichtigt werden.
  • Ist der Zählerstand korrekt wiedergegeben? Vergleichen Sie die Daten mit den von Ihnen notierten Zählerständen. Hinterfragen Sie Verbrauchsschätzungen in den Rechnungen. Fragen Sie beim Netzbetreiber nach, warum eine Schätzung nötig war und ob die Werte in der genannten Höhe tatsächlich übermittelt wurden. Eine Verbrauchsschätzung ist nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig. Prüfen Sie, ob die geschätzten Werte plausibel sind. Falls Sie den Zählerstand durch Fotos gesichert haben, gleichen Sie diesen mit den geschätzten Werten ab. Schauen Sie sich den aktuellen Zählerstand an. Liegt dieser noch unter den geschätzten Werten, machen Sie das gegenüber dem Unternehmen geltend.
  • Zudem sollten Sie darauf achten, dass die Grundpreise ordnungsgemäß abgerechnet wurden. Anbieter müssen eine taggenaue Abrechnung des Grundpreises vornehmen, beispielsweise vom 12. Januar 2018 bis 11. Januar 2019, und dürfen dementsprechend nur 12 Monate berechnen.
  • Wenn Sie einer Preiserhöhung widersprochen haben, achten Sie unbedingt darauf, dass nicht der erhöhte Preis abgerechnet wird! Falls dies der Fall ist, teilen Sie dies dem Insolvenzverwalter mit und fordern Sie diesen auf, eine korrekte Abrechnung zu erstellen. Zahlungen sind nur an eine neue, geänderte Bankverbindung zu leisten, die laut der Internetseite der BEV wie folgt lautet:

    Axel Bierbach / BEV
    DB Privat- und Firmenkunden AG
    IBAN: DE30 7007 0024 0045 5105 01
    BIC: DEUTDEDMMUC
  • Wurde der Ihnen versprochene Bonus vom Nachforderungsbetrag abgezogen?

Falls Sie laut Schlussrechnung ein Guthaben bekommen:

Unserer Ansicht nach kommen Aufrechnungen gegen Nachforderungen des Unternehmens grundsätzlich in Betracht.

Eine Aufrechnung kommt in Betracht, wenn Sie laut der Schlussrechnung nachzahlen müssten, gleichzeitig aber noch ein Guthaben aus einer alten Jahresrechnung offen ist. Dieselbe Situation kann auch entstehen, wenn Sie sowohl Strom als auch Gas von der BEV bezogen haben und bezüglich der einen Lieferung nachzahlen und bezüglich der anderen ein Guthaben zurückbekommen. Sie sollten die Aufrechnung erklären. Eine Aufrechnung muss ausdrücklich erklärt werden.

Der Insolvenzverwalter  hat allerdings auch grundsätzlich die Möglichkeit, die Aufrechnung anzufechten. Jedoch weist der Insolvenzverwalter unter "Fragen und Antworten" auf der Internetseite zur BEV-Insolvenz auf mögliche Aufrechnungslagen hin. Wörtlich heißt es:

"Wenn aus einem Vertrag/einer Endabrechnung eine Zahlungsverpflichtung gegenüber BEV hervor geht und Ihnen aus einem anderen Vertrag eine Forderung gegen BEV zusteht, informieren Sie uns bitte über das Kontaktformular „Abrechnung – Verrechnung von Verträgen“ auf www.bev-inso.de über die eventuell bestehende Aufrechnungslage. Bitte beachten Sie, dass eine Verrechnung nur von Verträgen möglich ist, welche von einer und derselben Person abgeschlossen worden waren. Wir werden Ihre Anfrage schnellstmöglich bearbeiten."

Zur Sicherheit können Sie sich rechtlich beraten lassen, wenn Sie sowohl ein Guthaben fordern können als auch nachzahlen sollen.

Wen kontaktiere ich bei Rückfragen in Bezug auf meine Schlussrechnung?

Der Insolvenzverwalter teilt mit, dass Sie sich weiterhin an die BEV und das Inkassounternehmen wenden können. Zusätzlich können Sie den Kontaktweg über das Kontaktformular unter https://bev-inso.de/contact nutzen.

Was passiert mit den Guthaben?

Guthaben aus Jahres- oder Schlussrechnungen zahlt Ihnen die BEV nicht mehr aus. Das Guthaben soll nach Auskünften des Insolvenzverwalters zur so genannten Insolvenztabelle bis zum 10.01.2020 angemeldet werden.

Die Frist zur Forderungsanmeldung müssen Sie zwar nicht zwingend einhalten. Allerdings wird für eine spätere Anmeldung eine Gerichtsgebühr in Höhe von 20 Euro fällig. Das sollten Sie gerade bei niedrigen Forderungen bedenken.

Was passiert mit meinem Bonus?

Die BEV hat verschiedene Boni angeboten: Den Sofortbonus und den Neukundenbonus.

Der Sofortbonus kann mit entsprechenden Vorbehalten für eine Aufrechnung genutzt werden (s.o. - unter Guthaben nach Schlussrechnung).

Der Sofortbonus ist als "Abschlussprämie" zu betrachten (siehe AGB des Unternehmens). Die Auszahlung ist unserer Ansicht nach nicht davon abhängig, dass die BEV später noch eine bestimmte Zeit lang geliefert hat. Der Bonus wird 60 Tage nach Belieferungsbeginn fällig. Ob die Belieferung zum diesem Zeitpunkt noch andauerte, ist unerheblich. Das in 7.5 der AGB der BEV aufgeführte Aufrechnungsverbot bezieht sich unserer Ansicht nach nur auf den Fall, dass die unterjährige Abrechnung vereinbart war. Es ist nicht der Fall gemeint, dass es wegen eines Belieferungsstopps zu einer unterjährigen Abrechnung seitens BEV kommt. Wir halten das Aufrechnungsverbot außerdem aus verschiedenen Gründen für unwirksam. Daher können Kunden den Sofortbonus unserer Ansicht nach von einer Rechnung abziehen.

Beim Neukundenbonus ist folgendes zu beachten: Es kommt immer darauf an, was das Unternehmen in Bezug auf den Bonus mit Ihnen in Ihrem Vertrag vereinbart hat. Die Voraussetzungen des Neukundenbonus ("XX% (Jahresumsatz)") waren in den von uns gesichteten Fällen unklar gehalten. Unklarheiten in den Geschäftsbedingungen gehen im Allgemeinen zu Lasten desjenigen, der die Geschäftsbedingungen verwendet. Wenn Sie ein Jahr durchgängig beliefert wurden, ist der Neukundenbonus in der Endabrechnung aufzuführen. Das gilt unserer Ansicht nach aber auch, wenn Sie durch die Insolvenz nicht ein Jahr lang beliefert wurden und der Bonusanspruch laut den für Sie geltenden AGB bei vorzeitigem Lieferende nicht ausgeschlossen wurde. Das in 7.5 der AGB der BEV aufgeführte Aufrechnungsverbot bei unterjähriger Abrechnung steht dem nicht entgegen (s.o.).

Hinweis: Wenn Sie einen anteiligen Bonus von der Rechnungssumme abziehen, müssen Sie sich auf Nachforderungen der BEV bzw. des Insolvenzverwalters einstellen. Das Inkassounternehmen Creditreform ist mit der Einziehung der Forderungen beauftragt. Das bedeutet, dass Ihnen anteilige Inkassokosten in Rechnung gestellt werden. Inkassokosten für die Restforderung müssen Sie nur dann zahlen, wenn es auf die Restforderung auch einen Anspruch gibt. Das ist unserer Meinung nach nicht der Fall, wenn die Restforderung im anteiligen Bonus besteht.

Pleite war vorhersehbar

Der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, fordert von Vergleichsportalen, ihre Rankings an Risiken der Anbieter anzupassen:

"Der Fall BEV zeigt erneut, dass es für Verbraucher eine Zumutung ist, zu erkennen, welchem Energieversorger sie trauen können. Nach TeldaFax, FlexStrom und Care Energy geht wieder ein Anbieter mit fragwürdigem Geschäftsmodell pleite. Verbraucher wären besser geschützt, würden Vergleichsportale beim Ranking der Energieanbieter stärker berücksichtigen müssen, ob diese nur kurzfristig oder dauerhaft günstige Tarife anbieten. Für betroffene Verbraucher muss der finanzielle Schaden minimiert werden. [...] Die Politik muss dafür Sorge tragen, dass Vergleichsportale mit großer Sorgfalt und Transparenz informieren."

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Drastische Preiserhöhungen über Wochen

Schwierigkeiten der BEV haben Kunden bereits vor Monaten zu spüren bekommen. Das Unternehmen hat seine Preise drastisch erhöht. Die Preiserhöhungen sollten ab dem 1. Februar 2019 greifen.

Der Marktwächter Energie hat die BEV unter anderem wegen der Preiserhöhungen gegenüber Kunden, die sich auf die Preisgarantie berufen können, abgemahnt. Die Verbraucherzentrale NRW strengte ein Eilverfahren gegen die BEV an, weil die Preiserhöhungen durch ein weiteres Schreiben des Unternehmens vom 11. Januar 2019 bei Kunden mit Preisgarantie "einvernehmlich" erfolgen sollten. Das Landgericht München I hat in diesem Verfahren inzwischen per Beschluss bestätigt, dass diese Ankündigung der BEV rechtswidrig war (33 O 1269/19).

Durch den Belieferungsstopp und die Beendigung des Vertrages schulden Kunden nun gar keine, auch keine erhöhten Abschläge mehr. Widerrufen Sie aber trotzdem ggf. erteilte Lastschriftmandate. Achten Sie auch dringend darauf, dass Ihnen in der späteren Schlussrechnung keine erhöhten Preise in Rechnung gestellt werden.

Kündigungsbestätigung ohne Kündigung

Schon vor dem Insolvenzantrag hatte die BEV Schreiben der Kunden rechtswidrig in außerordentliche Kündigungen umgedeutet und die Lieferstelle auch abgemeldet. Durch die Mitteilung, dass die BEV nicht mehr liefern kann, erging es allen Kunden der BEV so: Das Belieferungsverhältnis wurde einseitig beendet.

Im Anschluss wurden Kunden vom örtlichen Grundversorger (in der Regel Stadtwerke) zu meist höheren Preisen in der Ersatzversorgung beliefert. Diese Notversorgung endet nach drei Monaten und geht in die Grundversorgung über. Daher war es wichtig, sich zügig einen neuen Energieanbieter zu suchen. Beachten Sie dabei aber unsere Tipps zum Lieferantenwechsel. Sollten Sie sich nach wie vor im Grundversorgungstarif befinden, empfehlen wir auch jetzt noch einen Tarifwechsel.

Probleme mit dem Bonus im Stromvertrag?

Viele Energieunternehmen werben mit Bonuszahlungen um neue Kunden. Die Boni wirken auf den ersten Blick sehr attraktiv, weil sie die jährlichen Stromkosten senken. Doch in der Praxis werden Kunden diese vereinbarten Vergünstigungen zum Teil gar nicht oder nicht wie vereinbart ausgezahlt. Haben Sie auch bereits Probleme mit einer Bonuszahlung Ihres Stromversorgers gehabt? Dann schildern Sie uns hier Ihre Erfahrungen!