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Lebensmittelhandwerk und Industrie: Verlustreiche Verarbeitung

Stand:

In der Lebensmittelverarbeitung mit Handwerks- und Industriebetrieben werden in Deutschland jedes Jahr ca. 2,2 Millionen Tonnen Lebensmittel entsorgt. Rund 55 Prozent der Abfälle wären vermeidbar. Bis heute mangelt es jedoch an Abfalldaten für die einzelnen Branchen (Getreide-, Fisch- und Fleisch-, Obst- und Gemüseverarbeitung etc.).

Das Wichtigste in Kürze:

  • Verarbeitung: Wieviel Rohstoffe und Lebensmittel landen in der Tonne?
  • Qualitätskontrollen als bedeutende Abfallursache
  • In Zukunft: Weniger Abfälle durch Digitalisierung?
Produktionslinie für Kekse
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Wieviel Rohstoffe landen in der Tonne?

Mangels konkreter Daten für die verschiedenen Verarbeitungsbranchen in Deutschland können die Lebensmittelabfälle, die dort entstehen, nur abgeschätzt werden. So hat der WWF Österreich für Europa aus verschiedenen Studien die Verluste für Rohprodukte bei der Verarbeitung benannt:

  • 15 Prozent bei Hackfrüchten (Kartoffeln, Zuckerrüben etc.)
  • 10 Prozent bei Getreide,
  • 3 bis 5 Prozent bei Fleisch,
  • 3 bis 5 Prozent bei Ölsaaten,
  • 2 bis 4,5 Prozent bei Obst und Gemüse sowie
  • 1 bis 3 Prozent bei Milch.


Für Deutschland wird im Durchschnitt aller Verarbeitungsbranchen mit ca. 4 bis 7 Prozent Verlusten bei Rohprodukten gerechnet. Hinzu kommen weitere Verluste nach der Produktion, z.B. durch Überproduktion, nachlassende Nachfrage, Reklamationen oder Rücknahmen aus dem Einzelhandel.

 

Qualitätskontrollen als Abfalltreiber

Die Qualitätskontrolle in Lebensmittelbetrieben umfassen heute zahllose Kriterien zum Aussehen, Geschmack, zur Frische, Freiheit von Verunreinigungen oder Fremdkörpern, oder auch zur Verpackung und Kennzeichnung. Sobald die Konfitüre zu dünn ist, im Fertiggericht eine Zutat fehlt, die Tiefkühlpizza zu wenig wiegt, die Zutatenliste oder die Nährwertangaben nicht stimmen, werden die fehlerhaften Lebensmittel aussortiert. Fast immer werden sie entsorgt, obwohl die Produkte häufig, gerade bei Kennzeichnungsfehlern, noch voll genusstauglich und sicher sind.

Viele Handelsunternehmen verbieten ihren Lieferanten sogar vertraglich den Weiterverkauf von Lebensmittel, die Mängel bei Verpackung oder Kennzeichnung aufweisen. Obwohl diese Produkte ohne Einschränkungen verzehrt werden könnten, werden sie vernichtet und dürfen nicht als so genannte Restanten verkauft werden.

Weniger Abfälle: Digitalisierung und Prognosesysteme sollen es richten

Digitalisierung ist das Zauberwort der Lebensmittelindustrie: Mit lückenloser Rückverfolgung (Blockchain) und intelligenten Prognosesystemen soll die Vernichtung von Lebensmitteln eingedämmt werden. Gleichzeitig wird das langjährige Einkaufs- und Konsumverhalten von Verbrauchern und Wetterdaten der letzten Jahre analysiert. Daraus lässt sich z.B. die Nachfrage nach Grillware sicherer vorhersagen.

Die Digitalisierung der Lieferketten führt sicherlich zu einer besseren Planung. Sie wird aber allein nicht reichen, um die Lebensmittelabfälle in der Produktion deutlich zu reduzieren. Auch die Herstellungsprozesse, die Qualitätsanforderungen an Rohwaren, Verpackungen, die helfen, Lebensmittelabfälle besser vermeiden, die Festlegung des Mindesthaltbarkeitsdatums  und der Umgang mit Sonderangeboten müssen in den Blick genommen werden.

Denn: neben der Landwirtschaft besitzen gerade die Verarbeitungsbranchen hohe Vermeidungspotenziale für Lebensmittelabfälle.