Afrikanische Schweinepest in Deutschland - keine Gefahr für Menschen

Stand:

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist im September 2020 bei mehreren Wildschweinen in Brandenburg nachgewiesen worden. Das Land Brandenburg hat Maßnahmen ergriffen, um die schweinehaltenen Betriebe zu schützen und die Verbreitung der Seuche zu verhindern.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine schwere Virusinfektion. Es erkranken ausschließlich Wild- und Hausschweine, in der Regel verläuft die Erkrankung tödlich.
  • Für Menschen und andere Haustiere ist die ASP nicht gefährlich.
  • Im September 2020 hat die Krankheit Deutschland erreicht - und zwar bei zunächst einem toten Wildschwein wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze im Spree-Neiße-Kreis. Mittlerweile sind weitere Fälle von infizierten Wildschweinen entdeckt worden.
  • Wie zur Vermeidung des Ausbruchs anderer Tierseuchen sollten Lebensmittelabfälle, besonders von Fleisch und Wurstwaren, nicht offen, sondern nur in geschlossenen Behältern entsorgt werden.
Zwei Schweine stehen in einem Stall.
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Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat Deutschland erreicht. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat am 9. September 2020 einen ersten Verdachtsfall wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze im Spree-Neiße-Kreis bestätigt und einen Tag später bekannt gegeben, dass das Virus in dem Kadaver eines toten Wildschweins nachgewiesen werden konnte. Das Bundesministerium hat daraufhin einen Krisenstab eingerichtet.

Im benachbarten Polen hatte es dieses Jahr bereits mehrere bestätigte Fälle der Krankheit gegeben.

Experten befürchten, dass die ASP von Wildschweinen auf die Hausschweinbestände übertragen werden könnte und es dadurch zu erheblichen (wirtschaftlichen) Schäden kommt.

Für Menschen und andere Haustiere als Schweine ist die Afrikanische Schweinepest gesundheitlich nicht gefährlich. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu der Tierseuche.

Schon Anfang 2020 gab es Fälle nahe der deutschen Grenze

Anfang des Jahres 2020 wurden (allein vom 1. bis 14. Januar) in betroffenen EU-Ländern 327 Fälle gemeldet (284 Wildschweine sowie 43 Hausschweine). Zwei dieser Fälle/Ausbrüche wurden in West-Polen, nur wenige Kilometer entfernt von der Grenze zu Brandenburg und Sachsen, amtlich festgestellt.

Ausbrüche wurden offiziell seit 2007 aus Russland gemeldet. Von dort aus verbreitete sich die ASP nicht nur nordwestlich, sondern auch in südliche Richtung und erreichte den Iran sowie 2013 die Ukraine und Weißrussland. 2014 hatte die ASP die Europäische Union erreicht, besonders betroffen sind das Baltikum, Bulgarien, Rumänien, Polen und Ungarn.

Was ist die ASP?

Die ASP ist eine Viruserkrankung, von der Haus- und Wildschweine betroffen sind. Zu den Hausschweinen gehören auch Minischweine, die in einigen Privathaushalten gehalten werden. Nach einer Inkubationszeit von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen bekommen die Tiere hohes Fieber, Magen-Darm-Beschwerden, verlieren stark an Gewicht. Weitere Symptome sind Husten und Atemnot sowie Hautverfärbungen.

Ist ASP für Menschen gefährlich?

Nein, für Menschen und andere Haustiere ist die ASP ungefährlich. Der Erreger ist nicht auf Menschen übertragbar. Das gilt auch für den Verzehr von Schweinefleisch und daraus hergestellten Produkten.

Wie wird ASP übertragen?

Die ASP wird durch Tierkontakt direkt von Schwein zu Schwein übertragen. Möglich ist auch die indirekte Übertragung über tierische Produkte wie Rohwürste, nicht erhitzte Fleischwaren (z.B. "Mett"), sogar geräuchertes Fleisch und Wurst sowie Speiseabfälle, wenn diese von den (Wild-)Schweinen gefressen werden. Auch über Kot und Schmutz, die bei Tiertransporten entstehen, sowie verunreinigte Geräte kann eine indirekte Übertragung erfolgen.

In Afrika und im Mittelmeerraum ist die Verbreitung über Lederzecken möglich. Dieser Übertragungsweg spielt in Deutschland bzw. in mitteleuropäischen Ländern aber keine Rolle.

Kann man gegen ASP impfen?

Nein, eine Impfung ist derzeit nicht möglich und auch verboten.

Wie wird die ASP bei einem Ausbruch bekämpft?

Die ASP unterliegt der Anzeigepflicht, d.h. entsprechend auffällige oder tote Tiere müssen dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden. Die Bekämpfung ist in der Schweinepestverordnung geregelt. Die Verordnung schreibt unter anderem eine schnelle Labordiagnostik und damit den Nachweis der Erkrankung vor. Ist diese Diagnose gesichert, kann die Behörde die Tötung des betroffenen Bestands anordnen. Da es sich in dem aktuellen Fall um ein Wildschwein handelt, ist noch kein schweinehaltender Betrieb in Brandenburg betroffen.

Das brandenburgische Gesundheits- und Verbraucherschutzministerium hat eine Kernzone mit einem Betretungsverbot in einem Radius von drei Kilometern rund um den Fundort eingerichtet. Zudem gibt es rund um den Fundort ein so genanntes vorläufiges gefährdetes Gebiet von 15 Kilometern, das bis nach Polen reicht. In diesem Gebiet werden insbesondere folgende Maßnahmen zur Feststellung der Verbreitung und Verhinderung der weiteren Ausbreitung angeordnet:

  • Jagdverbot für alle Tierarten, um möglicherweise infiziertes Schwarzwild nicht unnötig aufzuschrecken.
  • Intensive Fallwildsuche durch geschultes Personal und unter Beteiligung von ortsansässigen Jägern.
  • Bergung und unschädliche Beseitigung aller Wildschweinkadaver unter hygienischen Bedingungen; dafür werden vor Ort Sammelstellen für Fallwild und Unfallwild aufgestellt.
  • Überprüfung der schweinehaltenden Betriebe hinsichtlich der Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen.
  • Prüfung vorläufiger Nutzungsbeschränkungen für land- und forstwirtschaftliche Flächen (Ernteverbot für Maisfelder).
  • Untersagung von Veranstaltungen mit Schweinen.

Was kann man selbst tun?

  • Da die indirekte Übertragung des Virus auf Wild- und Hausschweine über Fleisch- und Fleischwaren sowie Speiseabfälle möglich ist, sollten Sie keine tierischen Lebensmittel aus dem (betroffenen) Ausland einführen. Für Risikogebiete in der EU ist das verboten (siehe oben). Für Schweinefleisch und Schweinefleischerzeugnisse aus Ländern, die nicht zur EU gehören, gilt sowieso ein Einfuhr-Verbot.
  • Speiseabfälle sollten Sie grundsätzlich nicht offen entsorgen, weder im Privathaushalt noch an Raststätten, auf Parkplätzen oder in öffentliche Abfallbehälter. Reiseproviant (Salami, Schinken, alle Rohwursterzeugnisse) und gekühltes Fleisch sind besonders gefährlich, da das ASP-Virus in diesen Produkten monatelang überleben kann. Die Abfälle können von Wildschweinen gefressen und das ASP-Virus auf diesem Weg verbreitet werden. Die Abfälle müssen über geschlossene Behälter entsorgt werden.
  • Speise- und Küchenabfälle dürfen nicht an Haus- und Wildschweine und andere Nutztiere verfüttert werden. Dies ist bereits seit Jahrzehnten verboten und gilt auch für das Butterbrot auf der Wanderung und den Wurstrest an der Grillstelle im Wald.
  • Finden Sie verendete Wildschweine, beispielsweise auf dem Waldspaziergang, sollten Sie den Kadaver nicht berühren. Informieren Sie das zuständige Veterinäramt bzw. die Polizei über den Fundort.

Weitere Informationen finden Sie beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft bzw. beim Friedrich-Loeffler-Institut.