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Immer mehr Lebensmittel mit Ethylenoxid belastet

Stand:

Seit Juni 2020 werden immer wieder zu hohe Rückstände von Ethylenoxid in Sesam und Zusatzstoffen wie Johannisbrotkernmehl amtlich nachgewiesen. Aktuell ist nicht abzusehen, welche Produktgruppen zukünftig noch betroffen sein könnten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zu viel Ethylenoxid bzw. 2-Chlorethanol wurde in Sesam, in verschiedenen Zusatzstoffen wie Johannisbrotkernmehl (E 410), in Nahrungsergänzungsmitteln und auch in Instant-Asianudeln nachgewiesen.
  • Ethylenoxid ist ein Pflanzenschutz- und Begasungsmittel und wird zur Bekämpfung von Bakterien und Pilzen eingesetzt. Es kann das Erbgut verändern, Krebs erzeugen und ist in der Lebensmittelproduktion in Europa verboten.
  • Lebensmittel, die von einem Rückruf oder einer öffentlichen Warnung betroffen sind, können in den Verkaufsstellen zurückgegeben werden oder sollten entsorgt werden.
  • Behörden und Politik sind aufgerufen, wirksame und einheitliche Maßnahmen zu ergreifen, damit diese Produkte gar nicht erst auf den Markt gelangen.
Nahaufnahme zahlreicher Sesamsamen
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Worum geht es?

Seit Herbst 2020 reißen Warnmeldungen von Grenzwertüberschreitungen mit dem in Europa verbotenen Pestizid Ethylenoxid nicht ab. Inzwischen gibt es an die 700 Meldungen im europäischen Schnellwarnsystem (RASFF). Dabei beschränken sich die Meldungen nicht mehr nur auf Sesam und sesamhaltige Lebensmittel. Mittlerweile machen Zusatzstoffe, wie Johannisbrotkernmehl (E 410) oder Guarkernmehl (E412), die für die Herstellung von Speiseeis, Fertigmahlzeiten, Milchgetränke, Marmeladen und Joghurts verwendet werden, einen Großteil der Meldungen aus. Auch Nahrungsergänzungsmittel, Gewürzpulver und Pflanzenextrakte (z.B. Moringa) sind betroffen. In bio-zertifizierten Produkten ließen sich ebenfalls Rückstände des Pestizids nachweisen.

Aktuell ist nicht abzuschätzen, welche Produktgruppen betroffen sind und wie hoch die daraus resultierende Belastung der Verbraucher:innen tatsächlich ist. Die Verbraucherzentralen rufen Behörden und Politik auf, wirksame und einheitliche Maßnahmen zu ergreifen, damit diese Produkte gar nicht erst auf den Markt gelangen.

Was ist Ethylenoxid und wie wirkt es?

Ethylenoxid ist ein Pflanzenschutz- und Begasungsmittel und dient zur Bekämpfung von Schimmelpilzen und Bakterien in Gewürzen, Pflanzenpulvern, Nüssen und Ölsaaten. Aufgrund seiner erbgut-verändernden und krebserzeugenden Wirkung ist Ethylenoxid jedoch für die Lebensmittelerzeugung in der Europäischen Union schon seit 1991 verboten.

In Drittländern wie Indien, Türkei, China oder auch den USA und Kanada ist Ethylenoxid nicht verboten und wird weiterhin eingesetzt. Ob Lebensmittel selbst damit behandelt werden oder durch den Transport in – vorher mit Ethylenoxid desinfizierten – Containern kontaminiert werden, ist nur schwer nachzuvollziehen.

Ethylenoxid und sein Abbauprodukt 2-Chlorethanol werden in der EU in Abhängigkeit vom ermittelten Gehalt als Kontaminanten (Verunreinigungen) bewertet, für die es Höchstmengen gibt. Von überschrittenen Höchstmengen betroffene Produkte sind nicht verkehrsfähig und müssen gemäß des Lebensmittelrechts vom Markt genommen werden.

Welche Maßnahmen wurden bereits ergriffen?

Für Sesam aus Drittstaaten reagierte die EU schnell: Seit dem 26.10.2020 darf Sesam aus Indien nur importiert werden, wenn ein Analysezertifikat bestätigt, dass die Höchstmengen für Ethylenoxid nicht überschritten werden. Zusätzlich überprüft die EU 50 % aller Sesamimporte aus dem Land. Daraufhin reagierten auch Hersteller, intensivierten ihre Eigenkontrollen und es kam zu zahlreichen Rückrufen. Auf dem Portal lebensmittelwarnung.de können Sie sich über alle amtlich zurückgerufenen Lebensmittel informieren. Darüber hinaus gab es auch zahlreiche stille Rückrufe der Hersteller.

Behalten Sie Rückrufaktionen der Hersteller auf Lebensmittelwarnung im Blick und informieren Sie sich so über ggf. kontaminierte Produkte, die Sie gerne verwenden. Wenn Sie zurückgerufene Produkte im Haushalt haben, können Sie diese im Handel zurückgeben oder den Überwachungsbehörden Ihres Landkreises übergeben. Wichtig: Achten Sie dabei auf die in den Meldungen angegebenen Chargen und Mindesthaltbarkeitsdaten, um sicherzustellen, dass Ihr Produkt auch tatsächlich betroffen ist.

Über betroffene Nahrungsergänzungsmittel können Sie sich auf unserer Internetseite klartext-nahrungsergaenzung.de informieren.

Ethylenoxid in der Medizin

Ethylenoxid wird auch zur Desinfektion von Medizinprodukten genutzt. Dabei schreibt die Norm DIN EN ISO 10993-7 niedrige Grenzwerte für Rückstände vor, basierend auf wissenschaftlichen Untersuchungen. Der Behauptung, dass mit Ethylenoxid behandelte Coronateststäbchen Krebs verursachen können, hat sich unter anderem die Organisation Correctiv in einem Faktencheck gewidmet.