Schneechaos im Skiurlaub: Diese Rechte haben Reisende

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Eingeschneite Hotels, Lawinengefahr, gesperrte Straßen und Flughäfen. Massiver Schneefall kann die Pläne vieler Skiurlauber durcheinander bringen. Diese Regeln gelten für Reisende.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Erreichen Sie Ihre Unterkunft wegen heftiger Schneefälle nicht, können Sie vor Abreise wegen unvermeidbarer außergewöhnlicher Umstände kostenlos von einem Pauschalreisevertrag zurücktreten. Auch individuell gebuchte Unterkünfte, die unerreichbar sind, brauchen Sie nach unserer Auffassung nicht zu bezahlen.
  • Befinden sich Pauschalurlauber bereits am Urlaubsort und können diesen nicht verlassen, muss der Veranstalter die Kosten für bis zu drei Übernachtungen in einer gleichwertigen Unterbringung übernehmen. 
  • Haben Sie die Unterkunft selbst gebucht, müssen Sie mit dem Hotelier oder Vermieter verhandeln. 
  • Fluggesellschaften und Reiseveranstalter sind verpflichtet, Sie im Falle einer Flugstornierung oder -verspätung umgehend zu informieren.
Lawinengefahr
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Massive Schneefälle oder Lawinenabgänge können den langersehnten Winterurlaub verderben. Doch was tun, wenn Sie eine Reise gebucht haben, aber wegen extremer Wetterbedingungen nicht zum Skiort gelangen? Oder wenn sich Ihre Abreise verzögert und Sie länger als geplant in Ihrer Unterkunft bleiben müssen? Wir erklären Ihre Rechte bei Schnee, Eis und Glätte.

Skiort ist nicht erreichbar – kostenlos zurücktreten?

Können Sie Ihren Urlaubsort wegen einer extremen Wetterlage nicht sicher erreichen oder verlassen, sprechen Juristen von „unvermeidbaren außergewöhnlichen Umständen“. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist auch von höherer Gewalt die Rede.

Was sind „unvermeidbare außergewöhnliche Umstände“?
Juristen sprechen von „unvermeidbaren außergewöhnlichen Umständen“, wenn sie die Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Personen an den Urlaubsort erheblich beeinträchtigen. Umstände sind dann unvermeidbar und außergewöhnlich, wenn sie nicht der Kontrolle der Vertragspartei unterliegen, die sich auf sie beruft, und sich ihre Folgen auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßnahmen getroffen worden wären. Grundsätzlich gelten Naturkatastrophen wie massiver Schneefall und Lawinengefahr als solche unvermeidbaren außergewöhnlichen Umstände. Letztlich kommt es aber immer auf den jeweiligen Einzelfall, also die Situation am konkreten Urlaubsort an. 

Hier finden Sie mehr Informationen zu Ihren Rechten, wenn höhere Gewalt die Urlaubsfreude trübt.

Ob Sie von Ihrem Vertrag aufgrund von Schneechaos kostenlos zurücktreten können und wer die Kosten für zusätzliche Übernachtungen tragen muss, ist von Ihrem Reisevertrag abhängig:

  • Haben Sie den gesamten Urlaub oder Skiurlaub als Pauschalreise über einen Reiseveranstalter gebucht, können Sie von Ihrem Reisevertrag bei außergewöhnlichen Umständen vor Beginn kostenlos zurücktreten. Sie müssen den Reisepreis dann nicht zahlen und können bereits im Voraus bezahlte Beträge zurückverlangen – dabei hilft Ihnen unser Musterbrief.
  • Haben Sie die Unterkunft als Individualreisende einzeln gebucht, richten sich Ihre Ansprüche nach dem jeweiligen Länderrecht, in dem Ihre Unterkunft liegt. Haben Sie eine in Deutschland gelegene Unterkunft gebucht, ist eine Stornierung nur entsprechend der Stornierungsbedingungen des Hoteliers bzw. Vermieters möglich, solange die Unterkunft erreichbar ist. Schauen Sie in den Bedingungen nach und melden Sie sich rechtzeitig bei der Unterkunft.
  • Können Sie eine in Deutschland gelegene Unterkunft wegen gesperrter oder verschütteter Straßen nicht erreichen, brauchen Sie diese nach unserer Ansicht wegen Wegfalls der Geschäftsgrundlage, der zu einer kostenlosen Vertragsauflösung führt, nicht zu bezahlen.

Unterkunft ist eingeschneit - wer zahlt?

Befinden Sie sich bereits vor Ort und sitzen in Ihrem Skiort fest, müssen Sie nur die Leistungen bezahlen, die Sie auch tatsächlich in Anspruch nehmen konnten. Also beispielsweise die Beträge für getätigte Übernachtungen.

Ist im Rahmen einer Pauschalreise auch eine Rückbeförderung vertraglich vereinbart, die aufgrund der unvermeidbaren außergewöhnlichen Umstände nicht möglich ist, muss der Veranstalter die Kosten für eine notwendige Unterbringung von bis zu drei Nächten übernehmen. Nach Möglichkeit in einer gleichwertigen Kategorie. 

Ausnahme: Bei Schwangeren, unbegleiteten Minderjährigen, Personen, die besondere medizinische Betreuung benötigen, und bei Personen mit eingeschränkter Mobilität müssen die Veranstalter auch für mehr als drei Nächte aufkommen. Aber Achtung: Auch das gilt nicht für individuell gebuchte Unterkünfte. 

Einige Hoteliers oder Vermieter zeigen sich kulant und kommen den Gästen preislich entgegen. Ein Recht auf Preisnachlass haben Sie jedoch nicht.

Lawinengefahr und geschlossener Lift – Entschädigung für Skipass?

Sind alle Lifte außer Betrieb und Skipisten wegen zu hoher Lawinengefahr tagelang geschlossen, können Sie den Reisepreis mindern, wenn ein Skipass vom Leistungsumfang einer Pauschalreise umfasst ist. 

Flugausfall: Ihre Rechte bei Schnee und Eis

Finden Flüge wegen zu starken Schneefalls oder Eis nicht planmäßig statt, müssen Fluggesellschaften und Reiseveranstalter Sie über den aktuellen Status Ihres Fluges und Ihre Rechte informieren. 

Muss der gesamte Flughafen aufgrund Schneefalls oder Glätte gesperrt werden, gilt dies als außergewöhnlicher Umstand. In diesem Fall muss Ihnen die Fluggesellschaft bei Annullierung keine Ausgleichszahlung zahlen. Trägt die Fluggesellschaft hingegen ein Mitverschulden– etwa, weil sie das Flugzeug nicht rechtzeitig enteist hat – können Sie Anspruch auf Ausgleichsleistungen haben. Gegebenenfalls steht Ihnen auch Schadenersatz zu.

Auch bei außergewöhnlichen Umständen haben Sie aber sogenannte „verschuldensunabhängige Ansprüche“, wie eine Ersatzbeförderung, eine Erstattung des Flugpreises oder Betreuungsleistungen. 

Welche Rechte Fluggäste bei Überbuchung, Verspätung und komplett gestrichenen Starts haben, erfahren Sie hier.

Züge durch Schneechaos ausgefallen – diese Rechte haben Sie

Fällt Ihr Zug durch Schneechaos aus, können Sie bei Zügen der Deutschen Bahn auf einen anderen, nicht reservierungspflichtigen Zug ausweichen. Das gilt auch dann, wenn Sie ein eigentlich zuggebundenes Ticket haben. Weisen Sie bei Problemen das Zugpersonal auf die Bestimmung in den Fahrgastrechten der Deutschen Bahn hin.

Bei großen Verspätungen – auch wegen unvermeidbarer außergewöhnlicher Umstände – steht Ihnen eine Erstattung des Fahrpreises vom Bahnunternehmen zu. Wann Ihnen welche Erstattung bei Zugverspätung zusteht, erklären wir hier.

Unfreiwillig länger im Urlaub – Welche Pflichten gelten für Arbeitnehmer?

Bei einem zwangsweise verlängerten Urlaub sind noch viele weitere Dinge zu regeln: Neben der Absage möglicher Termine sind auch Kindergärten, Schulen und vor allem der Arbeitgeber zu informieren. Können Sie nicht pünktlich am Arbeitsplatz erscheinen, sollten Sie Ihren Arbeitgeber unverzüglich informieren und mit ihm über offene Überstunden oder zusätzliche Urlaubstage sprechen.

Schneechaos bringt Pflichten für Hausbesitzer

Bei Schnee, Eis und Glätte gelten für Hauseigentümer besondere Pflichten. Was Sie als Hauseigentümer beachten sollten und wie Sie sich vor Schäden absichern, haben wir hier zusammengefasst.

Ihre Reiserechte: mehr Tipps für Urlauber

Vom überbuchten Hotel bis zum Flugausfall: Mehr Tipps für Urlauber haben wir hier für Sie zusammengestellt.