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Grundversorgung oder Sondervertrag? Verträge bei Strom und Gas

Stand:

Bei Gas und Strom sind Sie entweder Kunde in der Grundversorgung oder Kunde mit Sondervertrag ("Sonderkunde"). Übergangsweise können Sie auch über die sogenannte Ersatzversorgung beliefert werden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Als Kunde in der Grundversorgung können Sie ihren Vertrag jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen kündigen, zahlen aber meist hohe Preise.
  • Sonderkunden zahlen in der Regel günstigere Preise, können aber auch bis zu 24 Monate an ihren Vertrag gebunden sein.
  • Eine "Ersatzversorgung" des Grundversorgers tritt ein, wenn Energie bezogen wird, ohne dass diese Energieentnahme einem bestimmten Vertrag zugeordnet werden kann.
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Wann bin ich in der Grundversorgung?

Wenn Sie keinen besonderen Strom- oder Gastarif vereinbart haben, werden Sie als Haushaltskunde in der Grundversorgung zu den sogenannten Allgemeinen Preisen beliefert. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie in eine Wohnung einziehen, für die kein Energieliefervertrag besteht, und einfach Strom oder Gas nutzen. Solange Sie nicht tätig werden, sind Sie automatisch Kunde in der Grundversorgung. Aber auch wenn Sie Ihren Einzug nur beim Grundversorger "anmelden" ohne einen gesonderten Tarif zu vereinbaren landen Sie in der Grundversorgung.

Der sogenannte Grundversorger ist immer dasjenige Unternehmen, das vor Ort in einem bestimmten Netzgebiet die meisten Kunden beliefert. Oft, aber nicht immer, sind das die örtlichen Stadtwerke. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihr Stromanbieter der Grundversorger ist, können Sie dies beim örtlichen Netzbetreiber erfahren. Wer das ist, steht auf Ihrer Stromrechnung. Beachten Sie aber: Auch mit dem Grundversorger können Sie einen Sonderkundenvertrag haben. Taucht auf Ihrer Rechnung allerdings die Formulierung "Allgemeine Preise" auf, ist dies ein Hinweis auf die Grundversorgung.

Für Ihr Vertragsverhältnis gelten die Bedingungen der Grundversorgungsverordnung für Strom (StromGVV)  beziehungsweise Gas (GasGVV). Das bedeutet unter anderem, dass Sie Ihren Vertrag jederzeit mit nur zwei Wochen Kündigungsfrist beenden und somit zügig den Anbieter beziehungsweise Tarif wechseln können. Die Grundversorger selbst bieten meistens ebenfalls Sonderverträge an.

Die Preise in der Grundversorgung sind in aller Regel hoch – der Wechsel in einen sogenannten Sondervertrag spart Geld.

Kunde mit Sondervertrag / Sonderkunden

Haben Sie mit Ihrem Grundversorger oder einem anderen Anbieter einen besonderen Tarif vereinbart, sind Sie rechtlich gesehen "Sonderkunde". Dann gelten die vom Anbieter im Vertrag festgelegten Bedingungen (AGB). Sie bezahlen meist einen geringeren Preis, haben aber Erstvertragslaufzeiten von zwei Wochen bis zu 24 Monaten. Während dieser Zeit können Sie nur kündigen, wenn der Anbieter z. B. durch eine Preiserhöhung den Vertrag einseitig ändert oder Pflichten wie die rechtzeitige Rechnungserstellung wiederholt verletzt. Meistens wird eine Folgelaufzeit festgelegt, die den Vertrag immer wieder um bis zu ein Jahr verlängert,  wenn Sie nicht rechtzeitig jeweils zum Ende der Laufzeit kündigen. Bei der Auswahl eines Sondervertrags sollten Sie auf kundenfreundliche Vertragsbedingungen achten.

 

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Ausnahmesituation: Ersatzversorgung

Die Ersatzversorgung sichert die Versorgung vorübergehend für drei Monate bei unklarer Versorgungslage. So eine Lage ist etwa bei Insolvenz Ihres Anbieters gegeben. Die Ersatzversorgung greift, wenn ein Verbraucher Strom oder Gas nutzt und diese Energieentnahme keinem bestimmten Vertrag zugeordnet werden kann. Diese "Notversorgung" hat aber ihren Preis: Sie zahlen den örtlichen Grundversorgungstarif, also einen höheren Preis als beim Sondervertrag. Nach Ablauf von drei Monaten werden Sie automatisch dem Grundversorgungstarif zugeordnet (mehr dazu lesen Sie oben im Abschnitt "Wann bin ich in der Grundversorgung?").

Ersatzversorgung tritt auch ein, wenn der bisherige Energieanbieter sein Recht auf Netznutzung verliert, z. B. weil er Netzentgelte nicht mehr an den Netzbetreiber gezahlt hat. Diese Fälle sind besonders bei Insolvenzen aufgetreten. Sie sollten dann den Vertrag kündigen und sich zügig einen neuen Lieferanten suchen. Eine Kündigungsfrist müssen Sie nicht einhalten. Da es sich um eine fristlose Kündigung handelt, müssen Sie aber der Kündigungsgrund darlegen. Damit Sie dies im Streitfall belegen können, sollten Sie schriftlich und mit Nachweis kündigen, also z. B. per Einschreiben.

Es kann auch vorkommen, dass Sie wegen Verzögerungen beim Anbieterwechsel in die Ersatzversorgung geraten. Das kann zum Beispiel passieren, wenn der neue Anbieter noch nicht liefert, der alte Vertrag aber bereits beendet ist. Für verschuldete Verzögerungen im Lieferantenwechsel können Sie nach § 20a Abs. 4 EnWG (Energiewirtschaftsgesetz) Schadensersatz verlangen. Wenden Sie sich in dieser Situation an den Netzbetreiber und den neuen Lieferanten und fordern Sie die Mehrkosten der Ersatzversorgung ein. Bei der Berechnung kann Ihnen Ihre Verbraucherzentrale behilflich sein.

Über die Ersatzversorgung werden Sie vom Grundversorger informiert. Es ist wichtig, dass Sie den Zählerstand zeitnah ablesen und dem Netzbetreiber mitteilen. Sonst schätzt der Grundversorger den Energieverbrauch in der teuren Ersatzversorgung selbst. Das kann dazu führen, dass er zu hoch schätzt und sie zu viel bezahlen.