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Reduziertes Obst und Gemüse im Einzelhandel – Schnäppchen statt Abfall

Stand:

Erste Ergebnisse eines bundesweiten Marktchecks der Verbraucherzentralen zeigen Potenzial und Hürden bei der Vermeidung von Lebensmittelabfällen im Einzelhandel.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Jeder vierte Markt im Check bietet Obst- und Gemüse, das nicht mehr perfekt ist, zu reduzierten Preisen an.
  • Sowohl Discounter als auch Super- und Biomärkte präsentieren vergünstigte Angebote ansprechend und informativ. Das kann die Wertschätzung durch die Kund:innen steigern.
  • Vorgaben zur Kennzeichnung von frischem Obst und Gemüse erschweren den Verkauf als preisreduzierte Ware.
Eine Frau vor einem Obstregal
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In den Obst- und Gemüseregalen bleiben einzelne Bananen, überreife Tomaten oder Äpfel mit Druckstellen häufig liegen. Reduzierte Preise können Käufer:innen motivieren, diese Produkte vor der Mülltonne zu bewahren. Grund genug für die Verbraucherzentralen, im internationalen Jahr für Obst und Gemüse die Situation im Handel unter die Lupe zu nehmen.

 

Preisreduzierte Ware in jedem vierten Geschäft

Unperfektes Obst in Supermärkten Grafik

Bundesweit besuchten die Verbraucherzentralen 25 Einzelhandelsgeschäfte. Zu den ausgewählten Märkten gehören die größten Handelsketten Deutschlands – darunter Rewe, Edeka, Kaufland, Globus, Aldi, Lidl, Alnatura, Denn´s Biomarkt, Netto Markendiscount und Penny. Geprüft wurde, ob diese Obst und Gemüse, das schon sehr reif ist und zeitnah verzehrt werden sollte, zu einem reduzierten Preis anbieten. In sieben Geschäften wurden die Verbraucherzentralen fündig. Aus fast jeder Handelskette hatte zumindest ein Markt preisreduzierte Ware im Angebot. So waren sowohl Discounter, Supermärkte als auch jeweils ein SB-Warenhaus und ein Bio-Markt vertreten. Insgesamt bot jeder vierte Markt Obst und/oder Gemüse preisreduziert an oder verschenkte es in einem Fall sogar.

 

Immer gut zu finden, manchmal ansprechend präsentiert

Die reduzierte Ware war überwiegend in gutem Zustand. Sie war leicht zu finden und offen zugänglich. Die Angebote waren mal nach Gemüse- und Obstarten getrennt sowie in separaten oder gemischten Kisten zu finden.

Einzelne Handelsgeschäfte ließen sich etwas einfallen, um den Verkauf zusätzlich zu fördern. Sie präsentierten die Ware auffällig mit farblich leuchtenden Angebotsschildern, sie wählten motivierende Sprüche wie „Ich bin noch gut“ oder informierten zusätzlich über die richtige Lagerung und die enthaltenen Nährstoffe.

 

Politik muss Handel bei der Kennzeichnung unterstützen

Der Handel muss bei frischem Obst und Gemüse unter anderem meist über das Ursprungsland, Handelsklasse und den Grundpreis informieren. Dies gilt auch für reduzierte Ware und erschwert den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung. Denn das reduzierte Angebot bedeutet zusätzliche Arbeit für den Handel. Das Personal muss regelmäßig aussortieren, die (Grund-)Preise anpassen und die Produkte neu und korrekt kennzeichnen. Gleichzeitig sollen die Mitarbeitenden die Ware ansprechend präsentieren.

 

Fazit: Preisnachlass für unperfektes Obst und Gemüse hilft gegen Lebensmittelverschwendung

Durch einen Preisnachlass für unperfektes Obst und Gemüse reduziert der Einzelhandel nicht nur die Lebensmittelverschwendung vor Ort. Der Verkauf älterer, aber weiterhin verkehrsfähiger Ware kann der Vorstellung von einheitlich perfekten Lebensmitteln entgegenwirken und die Wertschätzung fördern. Dieser Effekt kann sich positiv auf die vermeidbaren Abfälle im Privathaushalt auswirken, schließlich werden Obst und Gemüse dort häufiger weggeworfen als andere Lebensmittel.

Hinsichtlich der Kennzeichnung preisreduzierter Ware sehen die Verbraucherzentralen die Politik in der Verantwortung, den Handel bei der Pflichtkennzeichnung zu unterstützen. Marktbetreiberinnen und -betreiber benötigen klare, von der Politik angeregte Handlungsanweisungen, die im Einklang mit der Lebensmittelüberwachung nützliche Vorschläge bieten. Dies würde es dem Handel erleichtern, preisreduzierte Ware anzubieten und könnte so weitere Märkte zum Mitmachen bewegen.

Das Ergebnis stellt nur ein stichpunktartiges Bild des Lebensmitteleinzelhandels dar und spiegelt ihn nicht flächendeckend wider. Trotzdem wird deutlich, dass der Einsatz gegen Lebensmittelverschwendung und für mehr Wertschätzung in allen Handelsketten möglich ist. Der Anteil derer, die diese Möglichkeit nutzen, ist zum aktuellen Zeitpunkt jedoch ausbaufähig.

Der gesamte Marktcheck rund um das Thema Obst und Gemüse im Einzelhandel erscheint Ende des Jahres.

 

Tipps zum Umgang mit überreifem Obst und Gemüse

  1. Halten Sie in Ihrem Markt Ausschau nach reduzierten Lebensmitteln oder informieren Sie sich beim Personal, ob und wann es überreifes Obst und Gemüse gibt.
  2. Verbrauchen Sie sehr reifes Obst und angewelktes Gemüse rasch und achten Sie bis dahin auf die richtige Lagerung von Obst und Gemüse.
  3. Bei fauligen Stellen, Schimmelbefall oder einem stark abweichenden Geruch sollten Sie Obst und Gemüse nicht mehr verzehren.
  4. Auch sehr reifes Obst und Gemüse lässt sich meist verarbeiten wie zuvor.
    Überreife Bananen können Sie in Stücke schneiden und einfrieren. Mit einem Schuss Milch oder einer veganen Alternative püriert wird daraus ein leckeres Bananeneis.
    Weich gewordene Paprika, Tomaten oder Auberginen lassen sich zu Suppen, Saucen oder einer mediterranen Gemüsepfanne verarbeiten. Die meisten Obstarten eignen sich püriert für einen Smoothie oder als fruchtiges Topping auf Naturjoghurt.