"Ohne Förderung hätten wir es nicht gemacht": modernes Heizen mit Holz

Zuerst war eine klassische Gasbrennwerttherme mit ergänzender Solarwärmeanlage geplant. Doch ein Heizungssystem mit fossilem Brennstoff hätte den Effizienzstandard des Hauses verschlechtert. Die Lösung: dank staatlicher Förderung wird die teurere Heiztechnik zur günstigeren Anschaffung.

Off
zi
Eine Gastherme mit ergänzender Solarwärmeanlage ist mittlerweile in vielen Häusern anzutreffen.

Gasheizung + Solarwärmeanlage = günstigste Variante?

Familie Zimmermann hat sich trotz höherer Anschaffungskosten bewusst für einen umfassenden und leistungsstarken Wärmeschutz der Gebäudehülle entschieden - schließlich sind damit viele Vorteile verbunden. Im Gegenzug favorisieren sie beim Heizungssystem aus Kostengründen zunächst eine klassische Gasbrennwerttherme mit Solarwärmeunterstützung. Familie Zimmermann geht dabei davon aus, dass ein weit verbreitetes Heizungssystem eigentlich mit geringeren Anschaffungskosten verbunden sein müsste. Eine Gastherme mit ergänzender Solarwärme ist mittlerweile schließlich in vielen Häusern anzutreffen. Die ergänzende Solarwärmeanlage macht die Gasheizung zur Hybridheizung und nutzt auf diese Weise erneuerbare Energien anteilig. Der fossile Hauptenergieträger Gas würde jedoch bewirken, dass Familie Zimmermann mit ihrem Haus insgesamt nur den Effizienzstandard KfW 100 erreichen könnte, obwohl die Wärmedämmung grundsätzlich KfW 85-Standard ermöglicht. Aber vielleicht kommt ja noch ein anderes Heizungssystem in Frage? Durch die Energieberatung der Verbraucherzentrale erfährt Familie Zimmermann, welche Anlagentechniken sinnvoll und welche finanziellen Förderungen damit verbunden sind.

Luftwärmepumpe als moderne Lösung?

Nicht alle Heizungssysteme sind für das Haus von Familie Zimmermann aus technischer Sicht empfehlenswert. Luftwärmepumpen sollten nur für Flächenheizungen (zum Beispiel Fußbodenheizungen) eingesetzt werden, weil dafür geringere Vorlauftemperaturen benötigt werden. Im Haus von Familie Zimmermann bleibt es aber - abgesehen vom Badezimmer - bei der Wärmeverteilung durch Heizkörper. Diese werden zwar alle erneuert, benötigen aber nach wie vor höhere Vorlauftemperaturen. Der Heizungsbauer bietet Familie Zimmermann trotzdem eine Wärmepumpe an - allerdings als Hybridheizung: Eine Luftwärmepumpe mit zusätzlichem Gasbrennwertmodul für Phasen mit höherem Wärmebedarf. Eine solches Kombigerät benötigt eine ausgefeilte Steuerung beider Komponenten, was jedoch erfahrungsgemäß mit einer gewissen Fehleranfälligkeit und erhöhten Heizkosten verbunden ist. Immerhin: Beim Anschaffungspreis kann das angebotene Kombigerät die ursprüngliche Variante mit klassischer Gastherme und ergänzender Solarwärmeanlage tatsächlich unterbieten.

bühne energie
Pelletheizungen gelten als sehr kostspielige Anschaffung.

Innovationsförderung für Pelletheizungen: aus teurer wird günstiger

Durch die Energieberatung der Verbraucherzentrale erfährt Familie Zimmermann von einer Alternative, die technisch besser zum Haus passt: eine Zentralheizung mit effizienter Brennwerttechnik, die als Brennstoff Holzpellets statt Gas nutzt. Zu bedenken ist bei dieser Heizung, dass - ähnlich wie beim Heizöl oder Flüssiggas - ein Platz zur Brennstofflagerung gefunden werden muss. Außerdem gelten Pelletheizungen als eine sehr kostspielige Anschaffung. Denn neben der an sich schon teuren Heizung bedarf es noch einer technischen Konstruktion, die die Holzpellets automatisch vom Lagerort in die Heizung befördert. Doch die Energieberatung der Verbraucherzentrale informiert auch stets über Fördermöglichkeiten und die hohen Anschaffungskosten einer Pelletheizung werden vom Staat deutlich reduziert: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle sieht für Pelletkessel ein Höchstmaß an Förderung vor. Da ausschließlich Biomasse als Energieträger eingesetzt und zudem mit effizienter Brennwerttechnik genutzt wird, kann Familie Zimmermann ein sogenanntes "Marktanreizprogramm mit Basis- und Innovationsförderung" für sich nutzen. Der Clou: durch diese staatliche Förderung wird die teurere Heiztechnik zur insgesamt günstigsten Variante. Die Brennwertheizung für Holzpellets ist so nochmal 2.500 Euro günstiger als das Kombigerät aus Luftwärmepumpe mit Gasbrennwertmodul. Hinzu kommt: Holz als nachwachsender Brennstoff verbessert den Effizienzstandard des Gebäudes. Dank Pelletheizung sowie umfassender Wärmedämmung erreicht Familie Zimmermann mit ihrem Haus insgesamt den Effizienzhausstandard KfW70. "Ohne Förderung hätten wir es nicht gemacht." Nicht zuletzt wegen der Kostenvorteile entscheidet sich Familie Zimmermann schließlich für eine Pelletheizung mit Brennwerttechnik. Und das, obwohl im Familien- und Bekanntenkreis niemand Erfahrung mit einem solchen Heizungssystem hat und Familie Zimmermann dem Thema Pelletheizung zunächst eher kritisch gegenüberstand.

fgjh
Je dichter Heizung und Lager beieinander sind, desto kürzer ist der Transportweg für den Feststoff.

Standort für Pelletlager finden

Bei der Planung einer Pelletheizung gilt es, einen Standort für das Pelletlager im Haus zu finden. Grundsätzlich wäre auch ein Außenlager für den Brennstoff möglich, aber besonders bei Pellets ist Nähe von Vorteil: Je dichter Heizung und Lager beieinander sind, desto kürzer ist der Transportweg für den Feststoff. Der Heizungskeller im Haus von Familie Zimmermann ist nicht allzu groß, weshalb der Öltank damals keinen Platz im Haus gefunden hatte. Aber für ein Pelletlager mit Heizung erweist sich der Raum gerade so als groß genug. Er bietet dann jedoch keinen Platz mehr für den Anschluss der Transportschläuche zwischen Lager und Heizung. Deshalb verlaufen die Schläuche über den Kellerraum nebenan. Auch die Befüllung des Pelletlagers findet zukünftig über den Nachbarraum und das dortige Fenster statt.

fgh
gdfg
h
jk
Es handelt sich um eine Holzkonstruktion aus Wänden, Schrägböden und Luke mit Sichtfenster.

Pelletlager errichten

Viele Anbieter von Pelletheizungen bieten Sacksilos aus Gewebe zum einfachen Aufstellen an. Es sind allerdings immer nur bestimmte Grundmaße lieferbar. Im VorOrt-Termin mit Heizungsbauer und Heizungshersteller zeigt sich dann auch, dass Familie Zimmermann selbst eine individuelle Lösung für ihr Pelletlager finden muss. Der Heizungshersteller bietet hierzu leider keine weitere Hilfestellung. Schließlich beauftragt Familie Zimmermann den ihr bereits bekannten Dachdeckerbetrieb mit dem Bau eines maßgeschneiderten Pelletlagers im Heizungskeller. Für den Handwerksbetrieb ist es der erste Auftrag dieser Art. Es handelt sich dabei um eine Holzkonstruktion aus Wänden, Schrägböden und Luke mit Sichtfenster. Die trichterförmig angeordneten Schrägböden ermöglichen die Entleerung des Lagers, indem sie die Pellets einer Förderschnecke zuführen. Diese befindet sich am tiefsten Punkt des Pelletlagers und schiebt die Holzpellets mechanisch in die Transportschläuche im Nachbarraum. Damit die Förderschnecke ebenerdig aufgestellt werden kann, muss Familie Zimmermann den etwas tiefer liegenden Boden im Heizungsraum zunächst vom Rohbauer anheben lassen. Außerdem wird für das Pelletlager das Fenster des Heizungskellers zugemauert. Als Brennwertheizung arbeitet die Pelletheizung ohnehin raumluftunabhängig und die Zu- und Abluftrohre verlaufen über den Hausanschlussraum nebenan nach draußen.

zi
zi
zi
Die Anlieferung der Pellets erfolgt lose im LKW-Tank.

Pelletlager befüllen

Die Luke mit Sichtfenster dient der Kontrolle des Füllstands. So kann Familie Zimmermann rechtzeitig erkennen, wann eine neue Pelletlieferung bestellt werden muss. Zum Start wird das Lager mit drei Tonnen Holzpellets zum Preis von ungefähr 850 Euro befüllt, was für ein Kalenderjahr reichen sollte. Die Anlieferung der Pellets erfolgt lose im LKW-Tank. Von dort werden die Pellets ins Lager eingeblasen. Weil im Lagerraum dabei ein Überdruck entsteht, gibt es an der Holzkonstruktion neben dem Einblas- auch einen Absaugstutzen. Durch diesen wird beim Befüllen des Lagers Luft aus dem Lagerraum entnommen. Der laufende Betrieb der Heizung ist nicht merklich aufwendiger als bei einer Gasbrennwerttherme. Neben der jährlichen Heizungswartung muss nur die beim Verfeuern entstehende Holzasche alle paar Monate von Hand entnommen und entsorgt werden. Die bei Pelletheizungen notwendige Reinung des Wärmetauschers führt die moderne Heizung regelmäßig automatisch durch. Hierfür werden allerdings ungefähr 8 Kubikmeter Wasser pro Jahr benötigt.

zurück zur Übersicht