Es bleibt dabei: auch mit diesem Kraftstoff fahren wir wesentlich ineffizienter als mit dem E-Auto, und für seinen Einsatz im PKW wird die Produktion in ausreichendem Mengen nicht möglich sein. Der zur Herstellung eingesetzte grüne Wasserstoff muss zudem dort eingesetzt werden, wo er am dringendsten benötigt wird, also z.B. in der Industrie.
In den nun diskutierten Änderungen auf der EU-Ebene würden es diese Kraftstoffe den Automobilkonzernen in der EU ermöglichen, weiterhin einen gewissen Anteil an Verbrenner-Fahrzeugen zu bauen. In der aktuellen Revision des sogenannten „Verbrenner-Aus“ ist vorgesehen, die Emissionsziele für das Jahr 2035 von einer 100-prozentigen Emissionsfreiheit auf 90 Prozent zu senken, und die restlichen 10 Prozent u.a. durch den Einsatz von Biokraftstoffen „zu kompensieren“. Auch das verlängert das Festhalten an einer alten und klimaschädlichen Technologie. Für Verbraucher:innen bedeutet dies aber Unklarheit, und es wird nicht deutlich darüber gesprochen, für wen dies überhaupt ein Nutzen sein könnte, sowohl was die Kosten angeht, aber auch hinsichtlich der Verfügbarkeit dieser Kraftstoffe.
Mobilitätswende und Klimaneutralität
Die eigentliche Frage ist: wie schaffen wir die Mobilitätswende – die wesentlich mehr umfasst als den Umstieg auf E-Autos. Es kann nicht das Ziel sein, jedes Verbrennerfahrzeug durch ein E-Auto zu ersetzen, sondern vielfältige Mobilitätsmöglichkeiten zu schaffen: besseren Personennahverkehr, flexible und vielfältige Mobilitätsoptionen, wie etwa Shuttlebusse in der Stadt, ein gut ausgebautes Bahn- und Busnetz – auch „auf dem Land“. Das hat auch einen sozialen Aspekt, denn ein Teil der Bevölkerung kann sich kein Auto leisten und muss trotzdem mobil sein, um z.B. arbeiten zu können.
Nur so können wir unsere Klimaziele auch im Verkehrssektor erreichen und einen klaren Weg einschlagen und verfolgen, an dem alle teilhaben könne. In anderen Ländern scheint es mehr Zustimmung für Elektrofahrzeuge zu geben: wer kürzlich in Paris, Amsterdam (Verbrennerverbote ab 2025 für bestimmte Fahrzeuge) oder Stockholm (Verbrennerverbot in Teilen der Innenstadt ab 2025) war oder sich mit der dortigen Verkehrspolitik beschäftigt, wundert sich über das plötzlich wieder aufflammende Interesse am Verbrenner durch einige deutschen Interessenverbände oder Parteien. In China hat die Zukunft der E-Fahrzeuge und der vollständige Umstieg längst begonnen. Hier lag der Anteil an E-Fahrzeugen bei den Neuwagenverkäufen nach Auskunft des VDA 2024 bereits bei 48 Prozent, in Deutschland ging er im Vergleich um 18 Prozent auf 20 Prozent verkaufte E-Neuwagen zurück, und dabei übernehmen die Plugin-Hybride, die wesentlich klimaschädlicher sind, als es die aktuellen Berechnungen der CO2-Emissionsgrenzen berücksichtigen, noch einen großen Anteil.
In Norwegen stieg der Anteil der rein elektrischen E-Fahrzeuge an Neuwagenzulassungen 2025 auf 98 Prozent, dank einer konsequenten Förderung und zusätzlichen Abgaben auf Verbrenner-Fahrzeuge.
Die weltweite Transformation vom Verbrennungsmotor zum Elektromotor, die in Anbetracht des ehrgeizigen UN-Klimaziels nötig ist, ist in der Automobilindustrie sogar nach Auskunft des Verbands der Automobilindustrie n vollem Gange.
Fazit
Auch wenn in der Öffentlichkeit ein anderer Eindruck entsteht: die Aufweichung der aktuellen Regelungen zur Produktion von neuen Verbrennerfahrzeugen hätte kaum Auswirkungen auf PKW-Fahrer:innen, da die synthetischen „klimaneutralen Kraftstoffe“ hauptsächlich für den Einsatz in der Industrie, dem Flugverkehr und dem Schiffverkehr benötigt werden.
Fahrzeuge, die diese Kraftstoffe nutzen können, sind also bei PKWs keine Alternative zum E-Auto. Die Fahrzeuge, die E-Fuels nutzen könnten, haben darüber hinaus wesentlich höhere Anschaffungs- und Betriebskosten und werden daher nur für wenige Menschen erschwinglich sein.
Da nur reine E-Fahrzeuge je nach Größe nach kurzer Zeit klimaneutral fahren und insgesamt weniger Schadstoffe ausstoßen, sind Verbraucher:innen gut beraten auch jetzt schon über einen Wechsel der Antriebsart nachzudenken. Verbraucher:innen können sich dadurch frühzeitig vor den Folgen der steigenden Kraftstoffkosten schützen, und bei zunehmender Umstellung durch Strom aus erneuerbaren Energien noch mehr CO2 einsparen.
Am Gebrauchtwagenmarkt steigt gerade die Chance, ein günstiges E-Fahrzeug zu erwerben, also ist es gut, sich beim Fahrzeugkauf damit auseinander zu setzen. Wichtige Überlegungen dazu sind u.a., ob die Ladung des Fahrzeugs zuhause (idealerweise in Verbindung mit einer PV-Anlage) oder am Arbeitsort erfolgen kann.
Für die weitere Zukunft sind klare politische Entscheidungen und verlässliche Förderungen wichtig für die Verbraucher:innen. Gleichzeitig können nur so die gesetzlich festgeschriebenen Klimaziele erreicht werden, denn wie das mit aktuell diskutierten Änderungen erreicht werden soll, bleibt offen.