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Ausländische Betreuungskräfte - wie geht das legal?

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit kann ein EU-Bürger in einem Privathaushalt ohne besondere Arbeitserlaubnis beschäftigt werden.
  • Alternativ können ausländische Unternehmen ihre Mitarbeiter in einen deutschen Haushalt entsenden. Dabei helfen Vermittlungsagenturen.
  • Bei der Beschäftigung ausländischer Hilfskräfte gilt deutsches Arbeitsrecht.
  • Wer eine osteuropäische Hilfskraft in Vollzeit beschäftigen möchte, muss mit Kosten zwischen 2.200 und 3.000 Euro pro Monat rechnen.
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Für weitere Informationen steht die Broschüre "Ausländische Haushalts-und Betreuungskräfte in Privathaushalten" zum kostenfreien Download bereit.
Sie kann zudem in den örtlichen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale abgeholt oder im Ratgebershop der Verbraucherzentrale bestellt werden.


Direkte Anstellung einer Hilfskraft

Für alle EU-Länder gilt die sogenannte Arbeitnehmerfreizügigkeit. Das heißt, deutsche Haushalte dürfen Bürger aus den EU-Mitgliedsstaaten wie deutsche Arbeitskräfte anstellen, ohne dass eine Erlaubnis benötigt wird. Bei der Suche und Anstellung hilft auf Nachfrage die zentrale Auslands– und Fachvermittlung der Arbeitsagentur die dafür mit europäischen Arbeitsvermittlungen zusammenarbeitet.

Wie hoch ist der Lohn einer ausländischen Haushaltshilfe?
Vermittelt die Arbeitsagentur Haushaltshilfen, ist der im jeweiligen Bundesland geltende Tariflohn zu beachten. Der Bruttolohn für eine 38,5-Stunden-Woche liegt 2018 zwischen monatlich 1.663 Euro und 1.933 Euro. Das bedeutet einen Nettolohn von etwa 1.300 bis 1.500 Euro. Wer selbst sucht, muss mindestens den aktuellen Mindestlohn für Deutschland zahlen. Dieser liegt aktuell bei 8,84 Euro pro Stunde. Zusätzlich fallen für den Haushalt die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung und Berufsgenossenschaft an. Haushalte müssen daher mindestens mit Kosten in Höhe von 2.200 Euro pro Monat rechnen. Hinzukommen weitere Kosten, etwa für Mahlzeiten, Telefon oder Fahrtkosten.

Wichtig: Eine 24-Stunden-Betreuung durch eine einzige Person ist legal nicht möglich. Die tägliche Arbeitszeit der Haushaltshilfe an Werktagen darf durchschnittlich nicht mehr als acht Stunden betragen, die Wochenarbeitszeit darf 48 Stunden nicht überschreiten. Bei einer Vollzeitanstellung besteht zudem ein Urlaubsanspruch von mindestens 24 Tagen pro Jahr. Auch wer eine Hilfskraft einstellt, sollte die Pflege und Betreuung auf mehrere Schultern verteilen.

Entsandtes Pflege- und Betreuungspersonal

Eine andere Möglichkeit besteht darin, einen ausländischen Dienstleister zu beauftragen, der eine Angestellte in den Haushalt schickt. Bei dieser sogenannten Entsendung entfallen für den Pflegebedürftigen die Arbeitgeberpflichten. Eine deutsche Vermittlungsagentur hilft in der Regel bei der Organisation. Der Haushalt schließt also zwei Verträge ab: einen mit dem ausländischen Unternehmen, das eine Hilfskraft schickt, und einen weiteren mit dem Vermittlungsunternehmen, das die Organisation und Kommunikation übernimmt.

Tipp: Da der Pflegebedürftige und seine Angehörigen nur Kunden des ausländischen Unternehmens sind, sollten sie eigene Wünsche im Vorfeld ausführlich absprechen und vertraglich festhalten.

Wie viel kostet Sie eine entsandte Hilfskraft?

Ausländische Dienstleister verlangen – gestaffelt nach Umfang des Hilfebedarfs und nach Sprachkompetenz des Personals – unterschiedliche Preise. Dabei müssen auch die ausländischen Arbeitgeber wenigstens den deutschen Mindestlohn zahlen. Zusätzlich muss das Unternehmen für seine Arbeitnehmer im Heimatland Beiträge und Abgaben zahlen. Daher ist mit Preisen von mindestens 2.000 Euro pro Monat zu rechnen. Für eine entsandte Hilfskraft kann man im Durchschnitt mit monatlichen Kosten von etwa 2.300 bis 3.000 Euro rechnen. Hinzukommen häufig die Gebühren der Vermittlungsagentur.

Wichtig: Bevor die Haushalts-und Betreuungshilfe ihre Arbeit aufnimmt, sollten Sie sich die Bescheinigung A1 vorlegen lassen und eine Kopie abheften. Diese Bescheinigung weist nach, dass die Betreuungskraft in ihrem Heimatland sozialversichert ist.

Selbstständige Pflegekräfte aus Osteuropa

Die letzte Variante ist die Beschäftigung einer selbstständigen Hilfskraft. Diese ist jedoch nur sehr eingeschränkt zu empfehlen, weil sich Selbstständige oft in einer rechtlichen Grauzone zur Scheinselbstständigkeit bewegen.

Deutsches Arbeitsrecht gilt auch für Ausländer

Die wichtigsten Bedingungen und Voraussetzungen für eine legale Beschäftigung finden Sie in einer tabellarischen Übersicht (8 Seiten) zum kostenlosen Download.

Die Broschüre "Ausländische Haushalts-und Betreuungskräfte in Privathaushalten" und das Beratungstelefon zu diesem Thema werden im Rahmen des Projektes KompetenzNetz Angehörigenunterstützung und Pflegeberatung NRW (KoNAP) in Trägerschaft der Verbraucherzentrale NRW vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW und den Pflegekassen gefördert.