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Kuchen als Tee? Künstliches Geschmackserlebnis durch Aromen

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Hersteller von Trend-Tees mit Kuchengeschmack werben damit, dass man damit Süßes ohne Kalorien genießen kann.
  • In den Tees steckt kein Kuchen, sondern vergleichsweise viel Aroma.
  • Die meisten Tees sind mit Stevia gesüßt, dessen Zulassung als Lebensmittel noch nicht geklärt ist.
Kuchen und Tee
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Von Orangenlebkuchen-Tee bis hin zu einem heißen Blueberry Muffin aus der Tasse gibt es alle möglichen süßen Kreationen. Die Hersteller bewerben die Produkte mit „Für den süßen Heißhunger“ oder „Süßes genießen ohne Kalorien und ohne schlechtes Gewissen“.

Bei einem Marktcheck im Oktober 2017 hat die Verbraucherzentrale NRW das Produktsegment der „Kuchen-Tees“ genauer unter die Lupe genommen. Mittels Online-Recherche sowie vor Ort in Supermärken und Drogeriemärkten fanden die Mitarbeiterinnen der Verbraucherzentrale insgesamt 17 Produkte von fünf Herstellern (Bünting, King’s Crown, Meßmer, Milford, Teekanne). Die Tees gab es in insgesamt 15 unterschiedlichen Geschmacksrichtungen - stets in Anlehnung an feine Backwaren wie Käse-, Zitronen- und Schokokuchen oder Apfelstrudel, Zimtschnecken und Muffins.

Kuchen-Tees: Wie kommt der Kuchen in die Tasse?

Wenig überraschend: Es steckt kein echter Kuchen im Tee. Die Produkte sind in der Regel reine Früchtetees - auf Basis von üblichen Zutaten wie Apfel, Hagebutte, Hibiskus oder Rooibos.

Für den Kuchengeschmack wird verstärkt mit Aromen gearbeitet - das zeigt die Zutatenliste. Bei verpackten Lebensmitteln listet diese alle enthaltenen Zutaten auf. Am Anfang sind die Hauptzutaten mit dem höchsten Gewichtsanteil aufgeführt. Je weiter hinten die Zutaten in der Liste auftauchen, desto geringer ist die enthaltene Menge im jeweiligen Produkt. Der Himbeertörtchen-Tee beispielsweise nennt Aroma in der Zutatenliste an zweiter Stelle, Himbeeren dagegen erst an neunter Position. So wird ersichtlich, dass sehr viel Aroma, aber sehr wenig Himbeeren im Tee sind. In einigen Fällen beträgt der ausgewiesene Aroma-Anteil acht bis zwölf Prozent der Gesamtmenge, was im Vergleich mit anderen aromatisierten Lebensmitteln ziemlich hoch ist.

Natürliches Aroma

In der Mehrheit der untersuchten Produkte stecken darüber hinaus synthetisch hergestellte Aromen. In drei von 17 Kuchen-Tees wird „natürliches Aroma“ eingesetzt, aber auch das muss nicht zwingend aus der beworbenen Zutat stammen. Denn bei natürlichem Aroma handelt es sich um Aromastoffe, die aus pflanzlichen, tierischen oder mikrobiologischen Ausgangsstoffen gewonnen werden - ein Heidelbeermuffin-Tee muss also nicht aus Heidelbeeren bestehen.

Stoßen Sie im Zutatenverzeichnis hingegen auf die Kennzeichnung "natürliches Blaubeeraroma" oder "natürliches Erdbeeraroma", muss das verwendete Aroma zu 95 Prozent aus der angegebenen Quelle – bei den Beispielen aus Blaubeeren beziehungsweise Erdbeeren – stammen. Doch aufgepasst: Fehlen die Hinweise "Blaubeere" oder "Erdbeere", weist die Kennzeichnung lediglich auf die Verwendung eines "natürlichen Aromas" hin.

Auf der Produktvorderseite beworbene Zutaten wie beispielsweise Himbeeren im Himbeertörtchen-Tee oder Erdbeeren im Strawberry Cheesecake-Tee sind häufig nur in geringen Mengen enthalten und meist am Ende der Zutatenliste zu finden.

Frucht- oder Fruchtsaftgranulate

Vier von 17 Tees enthalten Frucht- oder Fruchtsaftgranulate. So enthält der Schoko Kirsch Brownie-Tee beispielsweise Kirschgranulat (aus Maltodextrin und Kirschsaft). Das Kirschgranulat steht als mengenmäßig kleinste Zutat am Ende der Liste von insgesamt zehn Zutaten – noch hinter Steviablättern, geröstetem Johannisbrot und Kakaobohnen. Eine Mengenangabe gibt es nicht. Das bedeutet gemäß der EU-Verordnung , die die Mengenangaben der Zutaten regelt, dass das Kirschgranulat nur „in kleinen Mengen zur Geschmacksgebung verwendet wird“.

Stevia-Blätter - legale Süßmacher?

Damit die Kuchen-Tees schön süß schmecken, aber keine Kalorien enthalten, werden sie in der Regel nicht mit Zucker, sondern mit Stevia-Blättern gesüßt. In zwölf der 17 getesteten Tees sind Stevia-Blätter enthalten. Interessant dabei: Es ist umstritten, ob Stevia in der EU als Lebensmittel überhaupt zugelassen ist. Eindeutig zugelassen sind nur Steviolglykoside (Zusatzstoff E 960). Dieses Süßungsmittel war in den Kuchentees aber nicht enthalten.

Zutatenliste gibt Aufschluss

Also: Viel Aroma im Kuchen-Tee – aber kein Kuchen. Wir empfehlen daher immer den Blick auf die Zutatenliste. Letztlich bleibt aber doch die Frage, ob nicht ein Stück echter Kuchen hin und wieder schöner ist als Kuchen-Aroma in der Teetasse.