Verbraucherzentralen gehen gegen angebliche „Anti-Corona-Mittel“ vor

Pressemitteilung vom
Mehrere Abmahnungen und Klagen gegen Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln, Arzneimitteln und Medizinprodukten
Eine Wage und ein Scheffel auf einem Tisch.
  • Werbung mit Corona-Bezug ist laut Gesetz vielfach unzulässig.
  • Mehrere Anbieter wurden erfolgreich abgemahnt.
  • Gegen den Hersteller einer Mund- und Rachenspülung läuft ein Klageverfahren.

 

Off

Vom Kaugummi über die angebliche Anti-Corona-Lampe bis zur antiviralen Mundspülung: Seit Beginn der Corona-Pandemie werden vor allem im Internet vermeintliche Wunder-mittel gegen das Sars-CoV-2-Virus angepriesen. „Es überrascht uns immer wieder, wie dreist manche Anbieter versuchen, die Angst der Menschen vor dem Virus zu Geld zu machen“, so Ann-Katrin Ortmüller von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Umso wichtiger ist es, wachsam zu bleiben und diesem Treiben mit juristischen Mitteln etwas entgegen zu setzen.“ Im gemeinsamen Projekt „Faktencheck Gesund-heitswerbung“ haben die Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mehrere Anbieter erfolgreich abgemahnt. Eine Kla-ge läuft.

Mehrere Anbieter erfolgreich abgemahnt
Der hessische Anbieter von „Unizink 50“ hatte sein Arzneimittel unter anderem damit angepriesen, es könne „das Eindringen der Viren in Kör-perzellen verhindern“. Die österreichischen Betreiber der Webseite Vi-tamin-D-Ratgeber.de warben mit der Angst vor einem schweren Covid-19-Verlauf für ein Vitamin-D-Produkt, welches als Arzneimittel zugelas-sen war. Der bayrische Anbieter einer LED-Lampe namens „BIOVITAE“ warb mit der unzulässigen Behauptung, die Strahlen würden „bis zu 99,8 Prozent“ der Coronaviren in der Luft im Bereich des Lichtkegels reduzie-ren. Alle genannten Anbieter haben nach einer Abmahnung durch die Verbraucherzentrale NRW Unterlassungserklärungen abgegeben und dürfen die Werbung so nicht wiederholen.


Gerichtsurteil gegen Hersteller einer Mund-und Rachenspülung erwartet
Im Laufe der Pandemie gab es immer wieder Gerüchte, antivirale Mundwässer könnten vor einer Corona-Infektion schützen. Auch die Mund- und Rachenspülung „Linola sept“ wurde im Internet mit Aussagen beworben wie „Das Risiko einer Tröpfchenübertragung der Coronaviren wird verringert“. Aus Sicht der Verbraucherzentralen und anderer Wett-bewerbsverbände ein klarer Verstoß gegen das Heilmittelwerbegesetz. Weil der Hersteller des Medizinprodukts, die Dr. August Wolff GmbH & Co. KG, die Unterlassungserklärung nicht unterzeichnete, läuft aktuell ein Klageverfahren vor dem Landgericht Bielefeld. Die Entscheidung wird Ende April erwartet.

Abmahnungen gegen weitere „Anti-Corona-Produkte“
„COVIDGUM“ und „PulmoVir immun“ – hinter diesen Produktnamen verbergen sich ein als Medizinprodukt auf den Markt gebrachtes Kau-gummi sowie ein Nahrungsergänzungsmittel. Aufmerksame Verbrau-cher:innen meldeten dem Projekt „Faktencheck-Gesundheitswerbung“, dass für diese beiden Produkte in Zusammenhang mit dem Corona-Virus geworben wurde. Die Anbieter der Produkte erhielten von den Verbraucherzentralen eine Abmahnung und haben die beanstandeten Werbeaussagen mittlerweile entfernt


Hintergrund
Je nach Produktkategorie verbietet sich die Werbung mit einem Corona-Bezug aus unterschiedlichen Rechtsgründen: Nach §12 Abs. 1 Heilmit-telwerbegesetz ist das Versprechen einer Verhütung oder Linderung von COVID-19 bei Arzneimitteln und Medizinprodukten verboten. Bei Nahrungsergänzungsmitteln gilt die EU-Lebensmittelinformationsverordnung, die einen Krankheitsbezug in der Werbung generell untersagt. Sonstige irreführende Werbeversprechen – etwa für eine vermeintliche Anti-Corona-Lampe – sind nach § 5 UWG unzulässig, wenn sie nicht gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnis entsprechen.

Irreführende Werbung können Verbraucher:innen dem Projekt „Faktencheck Gesundheitswerbung“ über das Kontaktformular melden.

Weiterführende Infos und Links:
Mehr zu Falschinformationen über Covid-19 unter
https://www.faktencheck-gesundheitswerbung.de/node/54475
Mehr zu Corona: Covid-19, die Folgen und Ihre Rechte:
https://www.verbraucherzentrale-rlp.de/corona

 

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.

Die Grafiken auf dieser Seite sind im Rahmen eines vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz geförderten Projekts entstanden.

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz BMJV

Plastikmüll im Meer

Einwegplastik-Verbot in der EU: Das sind die Alternativen

Eine neue Verordnung hat im Juli 2021 mit einer Reihe von Einwegkunststoff-Produkten Schluss gemacht – darunter Wattestäbchen, Plastikteller oder auch Styropor-Becher. Wir zeigen, um was es dabei genau geht und bewerten die praktischen Alternativen.
Essenreste auf einem Teller

Marktcheck: kleine Portionen in der Gastronomie noch nicht Standard

Wenn Restaurantgäste zwischen verschiedenen Portionsgrößen wählen oder übriggebliebenes Essen mitnehmen könnten, würden weniger Lebensmittel als bisher im Müll landen. Doch nur wenige Restaurants nutzen bisher ihre Möglichkeiten, wie der Marktcheck der Verbraucherzentralen zeigt.
Eine Frau sucht auf einer Streamingplattform nach einem Film.

Neue Gebühren bei Prime Video: vzbv plant Klage gegen Amazon

Änderungen bei Amazon Prime Video: Was Sie zu den neuen Werberichtlinien von Amazon Prime wissen sollten – und wie der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) für Ihre Rechte kämpft.