Corona, Flut, Energiepreise:

Pressemitteilung vom
Verbraucherzentrale ist auch in Krisenzeiten für die Menschen da - Vorstellung des Jahresberichts 2021
  • 96.000 Kontakte zu vielfältigen Themen sind die Bilanz der Verbraucherzentrale im Jahr 2021.
  • Mit Abmahnungen und Klagen geht die Verbraucherzentrale gegen Rechtsverstöße und irreführende Werbung vor.
  • Fragen rund um Energiepreise und Energieverträge prägen die Arbeit des Energieteams seit 2021 in sehr hohem Maße. Verbraucherzentrale fordert Rettungsschirm und Sperrmoratorien für Haushalte mit geringem Einkommen.
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Neben Dauerbrennerthemen wie Fake-Shops, untergeschobene Verträge, Kündigung von Prämiensparverträgen, Berufsunfähigkeitsversicherung, Nahrungsergänzungsmittel oder Patientenverfügung standen Anfragen rund um die Flutkatastrophe sowie zu Energieverträgen und steigenden Energiepreisen im vergangenen Jahr ganz oben auf der Agenda der Verbraucherzentrale. 96.000 Kontakte konnte das Team der Verbraucherzentrale in 2021 verbuchen – bei Beratungen, Web-Seminaren und verbraucherpolitischen Aktivitäten.

„Das vergangene Jahr war geprägt von Krisen, bei denen die Verbraucherzentrale schnell Antworten finden und Informationen bereitstellen musste“, so Ulrike von der Lühe, Vorstand der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Anfragen zu Energielieferstopps und steigenden Energiepreisen beschäftigten unser Energieteam im vergangenen Jahr in nicht gekanntem Ausmaß. Mit Beratung, Angeboten im Internet und Web-Seminaren waren und sind wir durchweg für die Menschen da.“ Aktuell verschärft sich die Situation auf dem Energiemarkt und auch die Verbraucherzentrale wappnet sich für die Herausforderungen der Zukunft.

„Als niedrigschwellige Anlaufstelle für alle Menschen hat die Verbraucherzentrale 2021 zudem ein besonderes Augenmerk auf eine verstärkte barrierefreie Kommunikation gelegt“, so von der Lühe. „Auf unserer Internetseite bieten wir nun auch erste Informationen in Leichter Sprache und Videos in Gebärdensprache an.“

Irreführende Werbung und Rechtsverstöße – von der Verbraucherbeschwerde bis zur Abmahnung

Unlautere Werbung, unzulässige Allgemeine Geschäftsbedingungen, Verstöße gegen Informationspflichten und geltendes Verbraucherrecht – seit 2019 kann die Verbraucherzentrale dank eines Projekts zur kollektiven Rechtsdurchsetzung mit Abmahnungen und Klagen gegen Rechtsverstöße vorgehen. „Im vergangenen Jahr haben wir die produktbezogene Nachhaltigkeitswerbung der 30 umsatzstärksten Online-Shops für Textilien überprüft“, so Jennifer Häußer, Referentin Kollektive Rechtsdurchsetzung bei der Verbraucherzentrale. „Drei Shops wurden wegen irreführender Werbung abgemahnt. Gegen die Firma Hunkemöller haben wir Klage eingereicht.“

In der ersten Jahreshälfte 2022 wurden die Firmen Vodafone und Deutsche Glasfaser abgemahnt, weil sie sich nach Ansicht der Verbraucherzentrale bei Glasfaseranschlüssen nicht an die gesetzlichen Vorgaben der Wahlfreiheit von Endgeräten halten. „Diese sogenannte Endgerätewahlfreiheit ist seit August 2016 gesetzlich geregelt und ermöglicht Verbraucherinnen und Verbrauchern, ein eigenes Endgerät zu nutzen“, so Häußer. „Um diesen Missstand zu beheben, suchte die Verbraucherzentrale zunächst das Gespräch mit den Anbietern und Anbieterverbänden. Da sich die Anbieter uneinsichtig zeigten, wurden sie abgemahnt.“

Turbulenzen auf dem Energiemarkt

Plötzliche Lieferstopps von Anbietern wie Stromio oder gas.de, erhebliche Preiserhöhungen etlicher Energieversorger und unterschiedliche Preise für Bestands- und Neukunden führten bereits 2021 zu einem bislang nicht gekannten Nachfrageboom bei der Energieberatung“, so Hans Weinreuter, Fachbereichsleiter Energie und Bauen bei der Verbraucherzentrale. „Der Krieg in der Ukraine hat die Situation noch verschärft.“ Die Beratungstelefone laufen heiß, die Beratungstermine sind auf Wochen ausgebucht und auch die Web-Seminare zu Energiethemen werden förmlich überrannt.

Die Energiekostenberatung wurde schon in der Vergangenheit mit schlimmen Schicksalen von Menschen konfrontiert, die ihre Energierechnung nicht bezahlen konnten. In Anbetracht der explodierenden Preise werden sich diese Probleme künftig massiv verschärfen und auch Menschen treffen, die bislang mit ihrem Einkommen ihre Lebenshaltungskosten samt Energiekosten noch tragen konnten.

„Besonders für Haushalte mit geringem, aber zunehmend auch mit mittlerem Einkommen muss ein weiteres Entlastungsprogramm geschnürt werden“, so Verbraucherzentralenchefin Ulrike von der Lühe. „Für diese besonders vulnerable Gruppe ist ein höherer Heizkostenzuschuss unerlässlich, der an die Preisentwicklung gekoppelt werden muss. Dieser Heizkostenzuschuss muss insbesondere Empfängerinnen und Empfängern von Wohngeld und auch Rentnerinnen und Rentnern zugutekommen. Wir müssen die Menschen vor Not und drohender Zahlungsunfähigkeit schützen.“

Die Verbraucherzentrale fordert zudem ein Moratorium für Strom-, Gas- und Fernwärmesperren sowie eine Kostenübernahme bei Zahlungsunfähigkeit.

Umfangreiche Informationen rund um das Thema Energiepreiskrise mit Verbrauchsrechner, Spartipps, Beratungs- und Vortragsangeboten finden Interessierte auf der Internetseite der Verbraucherzentrale unter https://www.verbraucherzentrale-rlp.de/energiepreise

Ausblick

In ihrer vierten Vereinbarung mit der Landesregierung von Rheinland-Pfalz hat die Verbraucherzentrale für die Jahre 2022 bis 2024 drei große Themenschwerpunkte festgelegt: Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Klimaschutz sowie gesellschaftlicher und demographischer Wandel.
Auch die Folgen des Krieges in der Ukraine und die Klimakrise stellen Politik, Wirtschaft und Verbraucher:innen in den nächsten Jahren vor riesige Herausforderungen. Die Verbraucherzentrale wird auch weiterhin als starker Partner an der Seite der Menschen stehen und sich für die Belange der Verbraucher:innen einsetzen.

Jahresbericht im Netz
Der komplette Jahresbericht 2021 der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz ist zu finden unter www.verbraucherzentrale-rlp.de/jahresbericht-2021-rlp.

VZ-RLP

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