Konsum, Kostenfallen, Krisen: 60 Jahre Verbraucherzentrale RLP

Pressemitteilung vom
  • Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz wird am 18. Oktober 60 Jahre alt
  • Seit sechs Jahrzehnten steht sie an der Seite der Verbraucherinnen und Verbraucher in Rheinland-Pfalz – vor allem auch in Krisenzeiten
  • Schwerpunkte im vergangenen Jahrzehnt waren die Digitalisierung der Verbraucherarbeit und der Ausbau der Präsenz in der Fläche
EIn Mann spricht mit einer Frau.
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Auf 60 bewegte Jahre engagierter und erfolgreicher Verbraucherarbeit blickt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in diesem Jahr zurück. Am 18. Oktober 1960 wurde sie von zehn Frauenverbänden und Gewerkschaften gegründet. Im Laufe der Jahre hat sich die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz zu einer schlagkräftigen, von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft anerkannten Interessenvertretung von Verbraucherinnen und Verbrauchern entwickelt. Finanziert wird sie durch öffentliche Mittel des Landes, Projektmittel des Bundes, kommunale Mittel sowie eigene Einnahmen.

„Die Verbraucherzentrale war und ist stets zuverlässiger und unabhängiger Ansprechpartner für Verbraucherinnen und Verbraucher – auch in schwierigen Zeiten“, so Ulrike von der Lühe, Vorstand der Verbraucherzentrale. „Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986, der BSE-Skandal im Jahr 2000 oder die Finanzmarktkrise 2008 sind nur einige Beispiele für Skandale und Krisen, in denen die Verbraucherzentrale als unabhängige Anlaufstelle sehr gefragt war. Weitere aktuelle Beispiele sind der VW-Diesel-Skandal und die Thomas-Cook-Pleite.“ Leider ist das Jubiläumsjahr 2020 sehr von der Corona-Pandemie geprägt. Bereits am 19. März hat die Verbraucherzentrale eine Hotline für Verbraucherfragen rund um Corona eingerichtet, die von Anfang an sehr gefragt war. Mehr als 6.000 Beratungsgespräche wurden bislang auf diesem Weg durchgeführt.

„Die Verbraucherzentrale ist sowohl für die Landesregierung als auch für die Bürger und Bürgerinnen in unserem Land eine wichtige und verlässliche Anlaufstelle in allen Fragen des Verbraucherschutzes.“ Mit diesen Worten gratuliert Ministerpräsidentin Malu Dreyer der Verbraucherzentrale zum 60-jährigen Jubiläum. Dies gelte ganz aktuell in der Corona-Pandemie, in der die Verbraucherzentrale wichtige Informations- und Beratungsleistungen für Verbraucher und Verbraucherinnen anbiete, unterstreicht die Ministerpräsidentin. Sie betont, dass Verbraucherschutz ein wichtiges Anliegen der Landesregierung sei.

„Wir setzen in diesem Bereich den Schwerpunkt auf die Digitalisierung, die mit völlig neuen Geschäftsmodellen und neuen digitalen Zugängen Verbrauchern und Verbraucherinnen neue große Chancen eröffnet, aber auch heraus- und überfordern kann. Hier ist Ziel der Verbraucherpolitik der Landesregierung, die digitale Souveränität des Einzelnen zu stärken, die Handlungs- und Wahlfreiheit zu wahren, Diskriminierung zu verhindern und Transparenz zu schaffen. Dabei müssen wir alle mitnehmen und mit dem neuen, digitalen Verbraucheralltag vertraut machen“, so die Ministerpräsidentin.

„Für mich ist effektiver Verbraucherschutz eine Frage der Gerechtigkeit. Verbraucherinnen und Verbraucher sind gegenüber Unternehmen in einer schwächeren Position. Daher müssen wir uns für sie starkmachen, damit ihre Rechte gewahrt werden, sie ihre Rechte kennen und diese auch durchsetzen können. Gerade in einem immer komplexeren, globalen und digitalen Markt sind diese Informationen und Verbraucherbildung deshalb besonders wichtig“, so Verbraucherschutzministerin Anne Spiegel. „Seit 60 Jahren haben rheinland-pfälzische Verbraucherinnen und Verbraucher mit der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V. einen starken, unabhängigen und kompetenten Partner an ihrer Seite. Zum 60-jährigen Jubiläum gratuliere ich herzlich und danke der Verbraucherzentrale und ihren Mitarbeitenden für den unermüdlichen Einsatz für Verbraucherinnen und Verbraucher in diesem Land. Ich werde mich auch weiterhin dafür einsetzen, dass hierfür die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt werden können.“

Zur Historie

Drehten sich in den Anfangsjahren fast alle Fragen um Haushaltsgeräte, Aussteuer und Vorratshaltung, kamen nach und nach vereinzelt Reklamationen sowie regelmäßige Markt- und Preiserhebungen für Lebensmittel hinzu. Der erste Jahresetat betrug 8.274 D-Mark. Heute liegt er bei rund sechs Millionen Euro und das umfassende und professionelle Informations- und Beratungsangebot reicht von digitalen Themen über Verbraucherrecht, Versicherungen und Finanzdienstleistungen, Lebensmittel und Ernährung bis hin zu Gesundheit und Pflege sowie Energie und Bauen. Die Verbraucherzentrale hat aktuell rund 100 fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

In den vergangenen zehn Jahren konnte die Verbraucherzentrale dank finanzieller Zuwendungen aus verschiedenen Kommunen ihre Präsenz in der Fläche erfolgreich ausbauen. Neben ihren sechs Beratungsstellen in Kaiserslautern, Koblenz, Ludwigshafen, Mainz, Pirmasens und Trier unterhält die Verbraucherzentrale aktuell acht Beratungsstützpunkte, in denen sie einmal wöchentlich Beratung anbietet. Seit 2010 konnte die Verbraucherzentrale fünf neue Stützpunkte eröffnen, den jüngsten im Oktober 2020 in Simmern. In mehr als 70 Städten im Land bietet die Verbraucherzentrale zudem stundenweise Energieberatung an, in 15 Orten Beratung zum barrierefreien Bauen und Wohnen.

Bundesweiter Vorreiter war die Verbraucherzentrale mit ihrem Projekt Verbraucherschutz für Flüchtlinge, mit dem sie zunächst Multiplikatoren in der Flüchtlingsarbeit über für die Zielgruppe relevante Verbraucherthemen informierte und später auch Vorträge, Beratungen und zweisprachige Informationsmaterialien für Geflüchtete anbot.
Seit 2019 kann sich die Verbraucherzentrale dank zusätzlicher Projektmittel verstärkt der kollektiven Rechtsdurchsetzung widmen und mit Abmahnungen und Unterlassungsklagen intensiver gegen unlautere Werbung oder unzulässige Geschäftspraktiken vorgehen.

Verbraucherzentrale wird digitaler

Neben der individuellen Beratung von Ratsuchenden informiert die Verbraucherzentrale mit Vorträgen, Aktionen und Infoständen über aktuelle Themen. Ihre digitalen Angebote und Zugangswege hat die Verbraucherzentrale in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut: Von Social-Media-Kanälen, Erklärfilmen und Videos über digitale Tools wie einen Online-Inkassocheck und einen Musterbriefgenerator bis hin zur Online-Terminvereinbarung auf der Webseite sind viele Informationen und Services inzwischen digital verfügbar. Seit vergangenem Jahr bietet die Verbraucherzentrale zudem Video-Beratungen und Web-Seminare an.

„Mit der Digitalisierung liegen wir am Puls der Zeit. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist es selbstverständlich, Informationen auch auf digitalem Weg zu erhalten“, so Ulrike von der Lühe. „In der Corona-Pandemie waren wir gut gerüstet und konnten Ratsuchende mit Video-Beratungen und Web-Seminaren auch während des Lockdowns beraten und über drängende Fragen informieren.“  

Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen sowie die zunehmende Digitalisierung in vielen Lebensbereichen verlangen auch in Zukunft nach anbieterunabhängiger Verbraucheraufklärung.

„Das ursprünglich in der Satzung erklärte Ziel, Verbraucherinnen und Verbrauchern als den schwächeren Marktpartnern zu mehr Macht zu verhelfen, hat bis heute nichts von seinem Anspruch eingebüßt“, ist sich von der Lühe sicher. „Geändert haben sich allerdings die Themen und Methoden: Ob Abzocke im Internet, untergeschobene Verträge oder betrügerische Geschäftspraktiken – vor allem rechtliche Hilfestellung ist bei zunehmend komplexen Fragen und Problemen mehr denn je gefragt.“

Eine kleine digitale Zeitreise durch die 60-jährige Geschichte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz ist auf unserer Webseite zu finden.

VZ RLP

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