Grün statt Grau - Mit Begrünung gegen die Hitze

Stand: 09. Juli 2026

Mit Begrünung gegen Hitze: Fassaden-Begrünung verwandelt graue Wände in lebendige Ökosysteme. Darüber hinaus kühlen grüne Fassaden Städte und steigern im selben Atemzug die Wohnqualität. Wie das funktionieren kann, zeigt dieser Info-Artikel.

Warum ist Begrünung ein Thema?

Globaler Klimawandel

Im globalen Mittel war 2024 das wärmste Jahr seit 1850. Erstmals lag die globale Durchschnittstemperatur deutlich über 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Es war das wärmste jemals gemessene Jahr für alle kontinentalen Regionen mit Ausnahme von Australien und der Antarktis. 2025 rangiert als drittwärmstes Jahr dicht hinter 2023.

Die globalen Folgen sind extrem und beeinflussen sich gegenseitig: So führt die Erwärmung der Atmosphäre zu einer Erwärmung der Ozeane, was zu einem Schmelzen der Pole und des Gletschereises führt und die resultierende Erhöhung des Meeresspiegels bedroht dann die Küstenregionen. Und so geht es immer weiter und immer weiter, es gibt unzählige Wechselwirkungen zwischen der Atmosphäre, den Landflächen, den Eisflächen und den Ozeanen.

Und wenn man diese großräumigen Prozesse auf Rheinland-Pfalz und gar auf die eigene Stadt runterbricht, wie sieht es dann aus? Was wird sich in meinem Ort, in meinem Garten ändern?

Klimakrise bei uns in Rheinland-Pfalz – auf was müssen wir uns einstellen?

RLP gehört zu den Bundesländern, deren Erwärmung noch über dem Deutschlandmittel liegt. Die mittlere Temperatur in RLP hat schon um 1,8 °C zugenommen, aber was sich viel deutlicher bemerkbar macht, ist die Zunahme der sommerlichen Höchsttemperaturen um im Mittel 2,1 °C.  

Wie auch im deutschlandweiten Mittel haben die winterlichen Niederschläge (als Regen) auch in RLP zugenommen. Im Sommer ist im deutschlandweiten Mittel die Niederschlagsmenge seit vorindustrieller Zeit annähernd gleichgeblieben, aber die Verteilung hat sich geändert. Längere Trockenphasen haben zugenommen. Anders als deutschlandweit ist in RLP aber eine Abnahme der Sommerniederschläge zu verzeichnen. Wir müssen uns also auf heiße Sommer mit langen Dürreperioden und insgesamt weniger Regen einstellen. 

Gefahr Hitze

Wenn von Extremwetter die Rede ist, denken die meisten an die Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 mit 135 Toten. Ein Starkregenereignis mit katastrophalen Folgen. Sehr viel lautloser und medial nicht aufgearbeitet ist dagegen die hohe Sterblichkeitsrate durch Hitze und Dürre. In den Jahren von 2000 bis 2019 gab es in Deutschland 30.455 Todesfälle aufgrund von Hitze oder Dürre. Vor allem die Gruppen der sehr jungen oder alten Menschen sind hier bedroht. Aktuelle Studien gehen für die Sommer 2023 und 2024 von etwa 3.000 hitzebedingten Todesfällen in Deutschland aus. 

Der menschliche Körper kann sich nur durch Schwitzen kühlen, also ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr lebensnotwendig. Aber gerade ältere Menschen, deren Durstgefühl teilweise nicht mehr so ausgeprägt ist oder/und für die es problematisch ist, wenn keine Toilette in unmittelbarer Nähe verfügbar ist, sind hier gefährdet.

Die Themen Hitzeschutz zu Hause und im öffentlichen Raum sind schon jetzt hochaktuell und gewinnen in Zukunft zunehmend an Bedeutung.

Hitze sichtbar machen mit einem Klimarundgang

Hitze kann man nicht nur fühlen, sondern auch „sehen“. Jeder kennt das Flimmern der heißen Luft über einer Straße, die Hitze ist quasi zum Greifen nah. Aber das ist hier nicht gemeint.

Gemeint sind hier Rundgänge mit einer Wärmebildkamera (auch Infrarotkamera genannt). Diese Kamera ermöglicht es, Wärme sichtbar zu machen und damit das eigene Wohnumfeld bezüglich der Wärmebelastung besser kennenzulernen.

Weitere Informationen zum Klimarundgang und aktuelle Termine sind hier zu finden: Unsere Vorträge, Online-Seminare und Infoveranstaltungen im Detail | Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz
 

Schutz vor Hitze

Zum Schutz vor Hitze ist es auf jeden Fall wichtig, direkte Sonneneinstrahlung möglichst zu verhindern. Dies kann durch Verschattung geschehen, wie hier durch eine Markise oder wie auf dem rechten Bild durch Vegetation, hier durch Bäume und Sträucher. Der Vorteil von Vegetation gegenüber anderen Verschattungen besteht darin, dass Bäume und Sträucher nicht nur das direkte Sonnenlicht abhalten, sondern darüber hinaus auch noch aktiv durch Verdunstung kühlen können.

Verdunstung – was ist das?

Verdunstung ist der Übergang von Wasser vom flüssigen zum gasförmigen Zustand. So trocknet z.B. die Wäsche auf einem Wäscheständer durch Verdunstung.

Der Vorgang des Verdunstens braucht Energie und diese wird der Umgebungsluft entzogen und damit wird es rund um den Ort der Verdunstung kühler.


Pflanzen als Hitzeschutz

Der Schatten von Pflanzen bietet also nicht nur Schutz vor direkter Sonnenstrahlung, sondern zudem auch Kühlung durch Verdunstung. Verdunstung dient den Pflanzen in erster Linie nicht zur Kühlung, sondern ist Teil ihres Stoffwechsels.

Wie stark die Kühlleistung der Pflanzen oder Bäume ist, hängt ganz wesentlich von der Blattmasse und der Wasserverfügbarkeit im Wurzelbereich ab. So sind beispielsweise ältere Bäume jüngeren Bäumen bei der Kühlleistung (Verdunstung) deutlich überlegen.

Aber nicht nur mit ihrer Kühlleistung federn Bäume die Folgen der Erderhitzung ab, sondern sie verzögern bei Starkregen mit ihrem Blätterdach den Wasserabfluss. Dies kann zu einer Entlastung der Kanäle beitragen.

Und auch hier sind alte Bäume ihren jungen Artgenossen aufgrund des ausgeprägteren Blätterdaches deutlich überlegen.

Alte Bäume lassen sich also nicht einfach durch mehrere jungen Bäume ersetzen.

Begrünung von Fassade und Dach

Die Wirkung einer Fassaden- und/oder Dachbegrünung liegt zunächst darin, dass die Pflanzen die Fassade bzw. das Dach vor direkter Sonnenstrahlung abschirmen und damit das Aufheizen dieser Fläche reduzieren. Die verschatteten Flächen erwärmen sich nur noch durch die Umgebungsluft – und diese ist durch die Verdunstung der Pflanzen heruntergekühlt.

Begrünung hilft also auf zweifache Weise gegen ein Aufwärmen der Außenwände eines Hauses: durch direkte Verschattung und durch aktive Kühlung (Verdunstungskälte).

Ein weiteres positives Resultat der Begrünung ist eine Verbesserung des Mikroklimas, die Konzentration an CO2, Feinstaub und Luftschadstoffen ist reduziert. Dies hat vor allem in städtischen Gebieten, die allein schon durch den Autoverkehr eine deutlich erhöhte Schadstoffbelastung aufweisen, einen großen Effekt für die Anwohner.

Darüber hinaus bietet Begrünung einen gewissen Schutz vor Wind- und Regenweinwirkung und kann – sofern die Pflanzen ganzjährig belaubt sind – auch den Heizenergiebedarf senken.  

Und - für unsere Natur ganz wesentlich - wird durch die Bepflanzung die Biodiversität gefördert.
 

Fassadenbegrünung

Wirkung von Verschattung und Begrünung

In dem Projekt „Grüne Stadt der Zukunft“ (*) wurden die Auswirkungen von Begrünung und Entsiegelung auf das Stadtklima unter vielfältigen Aspekten mit verschiedensten Methoden untersucht und simuliert. Die folgende Abbildung zeigt die Simulation der Oberflächentemperatur zweier Wohnblöcke an einem Hitzetag im Juli um 14 Uhr.

Die linke Abbildung zeigt die Oberflächentemperaturen eines mehrstöckigen Wohngebäudes, das teilweise verschattet ist. Jene Bereiche, die der direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt sind, haben eine Oberflächentemperatur von 50 Grad Celsius. In verschatteten Bereichen liegen die Oberflächentemperaturen bei 34 bis 38 Grad Celsius, diese sind also um 12 bis 16 Grad Celsius kühler.
 
Auf der rechten Abbildung ist dasselbe Gebäude mit derselben Verschattung aber zusätzlicher Begrünung der Fassade dargestellt. Hier werden zwei Effekte deutlich: allein durch Begrünung (in nicht verschatteten Bereichen) wird die Oberflächentemperatur der Fassade um 14 Grad reduziert (von 50 auf 36 Grad Celsius). Die ohnehin schon durch Verschattung kühlen Abschnitte der Fassade werden durch die Begrünung um weitere 5 Grad Celsius abgekühlt.

Fazit:

  • Schattenwurf hat eine Kühlwirkung von bis zu 16 Grad Celsius
  • Begrünung hat eine Kühlwirkung von von bis zu 14 Grad Celsius
  • Schattenwurf plus Fassadenbegrünung hat eine Kühlwirkung von bis zu 21 Grad Celsius


Verschiedene Methoden der Fassadenbegrünung

 

Wandgebundene Begrünung 

Bei der wandgebundenen Fassadenbegrünung haben die Pflanzen keinen Bodenkontakt, sondern wachsen in Kästen oder Pflanztaschen. Dies ermöglicht eine großflächige gleichmäßige Begrünung, wobei auch die Auswahl an möglichen Pflanzen sehr groß ist. Da der Bewuchs keinen direkten Bodenkontakt hat, ist eine (automatische) Bewässerung notwendig. Weiterhin ist zu beachten, dass bei dieser Begrünung Fragen der Statik und des Brandschutzes relevant sein können und daher die Bauaufsicht mit in die Planung einbezogen werden sollte. Diese Art der Begrünung sollte immer durch eine Fachfirma durchgeführt werden.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die wandgebundene Bepflanzung eine horizontal und vertikal gleichmäßige Begrünung großer Flächen ermöglicht. Aufgrund der hohen Kosten und des hohen Wartungsaufwandes ist diese Begrünungsform aber eher für größere Wohngebäude und den innerstädtischen Bereich geeignet.


Bodengebundene Begrünung

Als bodengebunden wird Begrünung bezeichnet, wenn die Pflanzen im Boden wurzeln und entsprechend selten bzw. nur nach Bedarf bewässert werden müssen.

Es lassen sich zwei grundsätzlich unterschiedliche Bepflanzungsformen unterscheiden: Pflanzen, die sich direkt an der Wand „festhalten“ und Pflanzen, die mittels Rankhilfe die Wände begrünen.

  • Selbstklimmer oder Haftscheibenranker: Diese Pflanzen klettern als Direktbewuchs ohne Rankhilfe an der Wand hoch und sind damit die einfachste Form der Fassadenbegrünung. Die Investitionskosten sind gering und bauliche Maßnahmen müssen auch nicht ergriffen werden. Sie sind gerade für großflächige Wände geeignet.  Allerdings ist diese Form der Bepflanzung nur bei unempfindlichen Außenwänden ohne offene Fugen empfehlenswert. So wachsen die Triebe auch in Hohlräume, entwickeln sich dort weiter und können Fassadenbekleidungen oder Dächer hinterwachsen und entsprechend schädigen.

     

  • Am bekanntesten sind z.B. Wurzelkletterer Efeu und Kletterhortensie, beide sind wuchsfreudig und eher unempfindlich, entwickeln aber Haftwurzeln, die sich nur schwer entfernen lassen (Kletterhortensie) oder nach dem Entfernen der Pflanzen „Fußabdrücke“ hinterlassen (Efeu).

Gewöhnlicher Efeu (Hedera helix)

  • Einheimisch mit Haftwurzeln
  • immergrün, winterhart, pflegeleicht, nach Anwachsphase sehr trockenresistent
  • Spätblüher, Kleine gelbgrüne Blüten im Herbst, danach schwarze Beeren
  • Standort: Halbschatten, verträgt auch Sonne 
  • Boden: Bevorzugt nährstoffreich und kalkhaltig
  • Giftig
  • wächst bis 30 m Höhe

Kletterhortensie (Hydrangea anomala):

  • Stammt ursprünglich aus den Wäldern Japans, Taiwans und Koreas, 
  • Haftwurzeln, die sich zu Ästen entwickeln
  • sommergrün, winterhart 
  • Standort: Halbschattig bis schattig, Nordwände
  • Boden: humus- und leicht kalkhaltig, keine Staunässe
  • Rückschnitte im Frühjahr nötig
  • wächst bis 6 m Höhe

Eine andere geeignete Pflanzengruppe sind die Haftscheibenranker, wie z.B. der Wilde Wein. Wie der Name schon sagt, haften die Pflanzen mit kleinen Scheiben an der Fassade. Wenn die Pflanze entfernt wird, verbleiben die Haftscheiben am Untergrund und sind schwer zu entfernen. Da die Haftscheiben allerdings sehr klein sind, sind sie nur auf sehr glattem und gleichmäßigem Untergrund sichtbar.
Ansonsten ist der Wilde Wein sehr geeignet, um Fassaden großflächig zu begrünen. Im Gegensatz zu Efeu und Kletterhortensie braucht er viel Sonnenlicht und wächst daher nicht in Hohlräume.

Mauerwein (Parthenocissus tricuspidata)

  • Haftscheiben, stammt aus Ostasien
  • Sommergrün, kaminrote Herbstfärbung
  • Standort: sonnig bis halbschattig
  • Boden: durchlässig und nährstoffreich
  • Verträgt längere Trockenphasen
  • Schnitt 1 bis 2 mal jährlich nötig
  • Wächst bis 20 cm Höhe

Begrünung mit Rankhilfe: Um das Problem der Haftwurzeln bzw. deren Reste an der Fassade zu umgehen, können den Pflanzen auch Rankhilfen angeboten werden, an denen sie vor der Wand in die Höhe wachsen, ohne diese zu berühren.

Die Wahl der richtigen Rankhilfe ist entscheidend für ein gutes Wuchsergebnis. Zunächst sollte die Kletterhilfe aus rostfreiem Material sein und sich bei direkter Sonneneinstrahlung (und der ist die Rankhilfe bis zum erfolgreichen Bewuchs durchaus ausgesetzt) nicht zu stark erhitzen. Sonst können die Jungpflanzen Verbrennungsschäden davontragen.

Auch muss die Kletterhilfe zum Haus, vielmehr zum Wandaufbau passen, denn grundsätzlich ist eine Fassadenbegrünung auch bei vorgehängten Fassaden, Fachwerk, Holzbau oder bei gedämmten Wänden möglich. Es gibt für alle Fassaden entsprechende Halterungen, an denen die Rankhilfen befestigt werden können.

Der Abstand der Rankhilfen zur Wand muss in Abhängigkeit von der Fassade und der gewählten Bepflanzung angepasst werden. Und vor allem muss das Rankgerüst zur Kletterstrategie der Pflanzen passen. 

Da die Pflanzen (vor allem bei Nässe und bei Wind) ein erhebliches Gewicht erreichen können, muss auch die Statik mit in Betracht gezogen werden. 

Bei der Begrünung mit Rankhilfe lassen sich die Pflanzen anhand ihrer „Festhaltetechnik“ unterscheiden. Im Folgenden werden einige häufig zur Fassadenbegrünung verwendete Pflanzen vorgestellt. 

Bodengebundene Begrünung mit Rankhilfe

Schlinger oder Winder:

  • Blauregen
  • Klettergurke 
  • Geißblatt

Ranker:

  • Blattranker – Glockenrebe
  • Sprossranker - Echte Weinrebe
  • Blattstielranker – Gewöhnliche Waldrebe

Spreizklimmer:

  • Kletterrose

Schlinger oder Winder

Diese Pflanzen klettern mittels schraubenlinienartigen Windebewegungen des gesamten Sprosses um senkrechte Kletterhilfen. Dabei wird pro Haupttrieb ein Spanndraht benötigt und nur bei höherer bzw. schwererer Bepflanzung sind Querverspannungen zur Sicherung notwendig. Diagonalstreben und Rankgitter sind nicht nötig. Der Wandabstand sollte in Abhängigkeit vom Dickenwachstum der Triebe zwischen 10 und 20 cm betragen. 

Blauregen (Wisteria): 

  • Seit 1820 in Europa (kommt aus China)
  • Junge Pflanzen sind nicht winterhart
  • Standort: Vollsonnig, windgeschützt
  • Boden: locker, nicht zu trocken, aber keine Staunässe
  • Rückschnitte im Sommer und Winter
  • Benötigt stabile Rankhilfe – wird sehr schwer und entwickelt enorme Kräfte 
  • Mindestens 25 cm Abstand von der Hauswand
  • Stark giftig in allen Teilen
  • wächst bis 30 m Höhe

Klettergurke (Akebia quinata):

  • Ursprünglich aus China, Japan, Korea
  • Fast immergün, bedingt frosthart 
  • Entwickelt sich die ersten Jahre langsam
  • Auslichtungsschnitt alle 2-3 Jahre
  • Standort: Sonnig bis Halbschattig, windgeschützt
  • Boden: keine besonderen Ansprüche, aber keine Staunässe
  • Essbare Früchte
  • wächst bis 10 m Höhe

Waldgeißblatt (Lonicera periclymenum)

  • Auch Wald-Heckenkirsche genannt - einheimisch 
  • Sommergrün, Winterfest, verholzt, tiefreichende Wurzeln
  • Standort: bevorzugt Halbschattig
  • Boden: eher sauer, humusreich, feucht, aber keine Staunässe
  • Schnitt alle paar Jahre, sonst überbordendes Wachstum
  • Beeren für Menschen leicht giftig
  • Wächst bis 6 m Höhe

Ranker

Eine andere Technik sich an der Rankhilfe zu halten haben die Ranker. Bei ihnen windet sich nicht der komplette Spross um die Hilfe, vielmehr bilden sie fadenförmige Fortsätze aus den Blättern (Blattranker) oder den Sprossen (Sprossranker). Diese Fortsätze können kreisende Suchbewegungen ausführen und wenn sie auf einen Gegenstand (idealerweise die Rankhilfe) treffen, winden sie sich um diese Stütze und geben damit der Pflanze Halt. Wenn die Blattstiele wie eine Ranke benutzt werden, spricht man von Blattstielranken.

Im Folgenden werden drei Ranker vorgestellt. Der Blattranker „Glockenrebe“, der Sprossranker „Echte Weinrebe“ und der Blattstielranker „Gewöhnliche Waldrebe“.

Glockenrebe (Cobaea scandens)

  • Sehr schnellwüchsiger Blattranker
  • Einjährig, verholzt nicht, Bauschäden sind ausgeschlossen
  • Benötigt viel Wasser, im Frühjahr viel Dünger 
  • Auf rauen Oberflächen selbstklimmend
  • Standort: sonnig bis halbschattig, windgeschützt
  • Boden: nährstoffreich, humos, gut durchlässig
  • Rankhilfe mit Raster von 25-35 cm, mehr vertikal
  • Wächst bis 6 m Höhe

Echte Weinrebe (Vitis vinifera)

  • Wärmeliebender Sprossranker
  • Starker Wuchs, jährlicher Neuaustrieb 1-4m
  • Schnitt im Winter nötig
  • Tiefe Wurzeln und holziger Stamm
  • Anfällig für Pilzkrankheiten
  • Standort: sonnig
  • Boden: tiefgründig, sandig-lehmig, nährstoffreich, gut durchlässig
  • Frucht essbar 
  • Wächst bis 10 m Höhe

Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba)

  • Einheimischer Blattstielranker
  • kräftige Laubentwicklung
  • Verträgt Hitze und Trockenheit, frosthart
  • Standort: sonnig bis halbschattig, windgeschützt
  • Boden: feucht, kalkhaltig
  • Gitterförmige Rankhilfe, Raster von 30-50 cm
  • Auch überhängend
  • Wächst bis 12 m Höhe und mehr

Spreizklimmer

Spreizklimmer sind Kletterpflanzen, die keine speziellen Ranken oder Haftorgane haben, um an Wänden oder Rankhilfen emporzuwachsen. Vielmehr bilden ihre relativ steifen Triebe während sie nach oben wachsen Quertriebe aus, mit denen sie sich mit der Rankhilfe verhakeln. Zur Unterstützung der Fixierung haben sie oft kräftige Stacheln oder Dornen. Beispiele für Spreizklimmer sind Brombeeren und Kletterrosen.

Kletterrose (Rosa)

  • Hat Stacheln
  • Erhöhter Wandabstand nötig, um Belüftung zu gewährleisten
  • Standort: Sonnig, aber nicht zu heiß, Stress ab ca. 30 °C
  • Boden: Tiefgründig, sandig-lehmig
  • Boden nicht austrocknen lassen
  • wächst bis 15 m Höhe

Planung einer Fassadenbegrünung – Technische Aspekte

Im ersten Planungsschritt steht das Haus bzw. die zu begrünende Fassade im Fokus und folgende Fragestellungen tauchen auf:

  • Ist eine Genehmigung zur Begrünung erforderlich (Baurecht, Denkmalschutz)?
  • Analyse des Wandaufbaus – bestimmt die Halterung der Rankhilfe und eventuell auch die Pflanzenart
  • Gibt es Schäden/Risse an der Fassade?
  • Ist die Oberfläche bzw. der Anstrich pflanzenverträglich?
  • Gibt es ausreichend Wurzelraum oder sind Leitungen im Weg?

Planung einer Fassadenbegrünung – Kriterien der Pflanzenauswahl

Der technischen Eigenschaften der Fassade grenzen die möglichen Bepflanzungsformen (ohne/mit Rankhilfe) und damit auch die Anzahl geeigneter Pflanzen ein.

Welcher dieser möglichen Pflanzen dann an der entsprechenden Fassade wirklich gut gedeiht, ist in erster Linie eine Frage des Standorts.

  • Wie ist die Ausrichtung der Wandfläche?
  • Wie ist die Exposition für Wind und Regen?
  • Ist die Fläche verschattet?
  • Wie sind die Bodenverhältnisse?  


Aus den technischen Voraussetzungen (wie ist die Fassade?) und aus den Standorteigenschaften (welche Pflanzen können an der Fassade gedeihen?) resultiert eine mehr oder weniger große Anzahl geeigneter Pflanzen. Welche Pflanze aus diesem Pool dann zur Begrünung ausgewählt wird, hängt dann von den Bedürfnissen und dem Geschmack des Planers bzw. des Eigentümers des Hauses ab.


Dachbegrünung

Wie bei der Begrünung von Fassaden kühlt eine Dachbegrünung durch Verschattung und Verdunstung, bindet Staub- und Luftschadstoffe und liefert einen wesentlichen Beitrag zur Biodiversität.

Zudem erhöht die Begrünung die Dämmwirkung des Daches durch den zusätzlichen Aufbau und wirkt bei Niederschlag wie ein Schwamm. Ein Teil des Niederschlagswassers wird gespeichert und steht der Bepflanzung zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung, der überschüssige Anteil des Niederschlagswassers wird zeitverzögert über die Fallrohre in die Kanäle abgeleitet.

Zwei grundlegende Formen der Dachbegrünung sind zu unterscheiden:

Die extensive (Bild oben) und die intensive (Bild unten) Dachbegrünung unterscheiden sich ganz offensichtlich.


Bei der extensiven Dachbegrünung handelt es sich um eine relativ einfache Maßnahme, bei der das Dach mit trockenresistenten, kleinbleibenden und flachwurzelnden Pflanzen besetzt wird. Der Vorteil dieser Begrünungsform ist ein eher geringer Pflegeaufwand, grundsätzlich ist keine künstliche Bewässerung vorgesehen. Infolge der immer heißeren und niederschlagsärmeren Sommer muss inzwischen aber auch bei der Planung eines extensiv begrünten Daches mitgedacht werden, dass in Dürreperioden eine Schlauchbewässerung nötig sein wird.

Bei einer empfohlenen Substratdicke von 7 – 10 cm bei einem Besatz mit Kräutern und Steingartenpflanzen und einer Substratdicke zwischen 15 und 20 cm für Gräser und höhere Blütenpflanzen ist davon auszugehen, dass das Substrat relativ schnell austrocknet. In diesem Fall, bzw. schon früher, wenn die Wasserverfügbarkeit für die Pflanzen zu gering ist, werden diese die Verdunstung einstellen oder schlimmstenfalls vertrocknen bzw. absterben. Ab diesem Moment verliert das Dach seine kühlende Wirkung, da nicht nur die Verdunstungskühlung wegfällt, sondern die vertrockneten bzw. sehr trockenen Pflanzen aufgrund ihrer nun geringen Oberfläche die Dachfläche nicht mehr verschatten. Ein vertrocknetes Gründach ist nicht nur ohne Kühlwirkung, sondern kann nach je nach Substratfarbe richtig heiß werden. Da Pflanzsubstrate oft bräunlich bis schwarz sind, absorbieren sie die Sonnenstrahlung gut und heizen sich entsprechend auf. In diesem Fall wird die Dachoberfläche deutlich heißer, als sie es z.B. bei einer Bedeckung mit weißen Kieselsteinen wäre.

Eine extensive Dachbegrünung ist auf Flachdächern und auf Steildächern bis 35 Grad möglich, wobei mit zunehmender Steigung der Unterbau immer aufwendiger wird.

Der Pflegeaufwand ist nicht sehr groß, zwei bis viermal im Jahr sollte das Dach begangen werden, um es auf Undichtigkeiten zu überprüfen und Sämlinge umliegender Bäume und Sträucher zu entfernen. Sollten sich „Fremd“-Pflanzen auf dem Dach ausbreiten, so besteht die Gefahr, dass diese mit ihren Wurzeln die Abdichtungen zerstören oder/und ein Gewicht erreichen, dem die Statik des Daches nicht standhält.  

Wer grundsätzlich gerne mehr Grün um sich haben möchte, sich aber noch nicht sicher ist, ob eine Dachbegrünung bei seinem Hausdach funktioniert, der kann sich z.B. zunächst bei der Bepflanzung seines Garagen- oder Carportdaches versuchen. Oder im ganz kleinen Maßstab mit der Begrünung seine Mülltonnenverkleidung beginnen. Jedes bisschen Grün ist wichtig, es kühlt seine direkte Umgebung und hilft die biologische Vielfalt im menschlichen Umfeld zu verbessern.


Intensive Dachbegrünung schafft naturnahen Lebensraum im städtischen Umfeld und ermöglicht auch den Anbau von Lebensmitteln (Urban Gardening). Es handelt sich quasi um einen Garten auf dem Dach und im Normalfall steht die Nutzung des Daches im Vordergrund, die Aspekte Kühl- und Schwammwirkung stehen nicht unbedingt im Fokus. Aufgrund des intensiven Bewuchses ist die Kühlleistung aber stark und zusammen mit dem Substrat/Erde ergibt sich eine große Masse, die schwammähnlich Niederschlagswasser auffängt, speichert und teilweise zeitverzögert in den Kanal abgibt.

 

Geeignet sind Flachdächer bis zu einer Neigung von 5 Grad, wobei eine leichte Neigung den Vorteil hat, dass Stauwasserbildung verhindert oder zumindest abgeschwächt wird.

Bei einer Substratdicke von mindestens 25 cm und dichtem Bewuchs, kann das Gewicht für den wassergesättigten Fall bis zu 1.200kg/qm erreichen, sollten auch noch Bäume auf der Fläche stehen, so steigt das Gewicht auf bis zu 3.100 kg/qm. Diese Angaben sind nur als grobe Richtwerte zu verstehen, im individuellen Fall kann das Gewicht z.B. durch Gewächshäuser etc. noch deutlich höher sein. Bei Neubauten kann die Dachlast für ein Gründach (inklusive Schneelast) mitberücksichtigt werden, bei Bestandsgebäuden ist eine Nachrüstung in der Regel möglich. Hier ist ein statischer Nachweis wegen des zusätzlichen Gewichtes erforderlich.

Auch der technische Aufwand ist bei einer intensiven Dachbegrünung hoch, so sind eine automatische Bewässerung, eine Drainage und auch eine Entwässerung notwendig.

Die Planung und Durchführung einer intensiven Dachbegrünung kann nur mit einer entsprechenden Fachfirma durchgeführt werden.


Dachbegrünung – Pflanzenauswahl

Extensive Dachbegrünung:

Geeignet sind kleinwüchsige Pflanzen, die nicht tief wurzeln, mit wenig Wasser auskommen und dabei hitze- und frostbeständig sind. Hier sind:

die Sukkulenten

  • Sedum (Dickblattgewächse),
  • Sempervivum (Dach-Hauswurz), sowie
  • niedrige Stauden (z.B. Schleierkraut, Heidenelke, Prunelle, Silber-Fingerkraut),
  • Kräuter (Thymian, wilder Majoran), Moos, Gräser, Kleingehölze,

zu nennen.

Schnittlauch ist eher nicht geeignet, da er einen sehr hohen Wasserbedarf hat. 

Bei der Gattung Sedum (ca. 420 Arten) tragen im Deutschen die hochwüchsigen Arten den Namen Fetthenne oder Fettblatt, die niedrigeren teppichartig wachsende Arten tragen die Bezeichnung Mauerpfeffer. Inzwischen gibt es auch beim Sedum invasive Arten, z.B. Kaukasus-Asienfetthennen, die heimische Arten verdrängen und für heimische Insekten nutzlos sind. 

Die folgende Abbildung zeigt den „Scharfen Mauerpfeffer“ ein beliebtes niedrigwachsendes Sedum, das auch für Dächer mit wenig Substrat geeignet ist.

Für Dächer mit wenig Substrat ist auch das Sempervivum „Dach-Hauswurz“ sehr gut geeignet. Diese Pflanze ist ökologisch besonders wertvoll, da der stark gefährdete Apollofalter hier seine Eier ablegt.

Früher galt das Dach-Hauswurz als Zauberpflanze zum Schutz vor Blitzschlag.

Aber nicht nur Sukkulenten, die durch ihre Fähigkeit Wasser in Pflanzenteilen zu speichern besonders trockenresistent sind, sondern auch Kräuter und niedrige Stauden können zur extensiven Dachbegrünung geeignet sein.

Thymian (Thymus praecox)

  • Standort: vollsonnig, warm 
  • Boden: nährstoffarm, trocken
  • Trockenheitsresistent
  • Wuchshöhe bis 40 cm
  • lockt Bienen an

Heidenelke (Dianthus deltoides)

  • Standort: vollsonnig, warm 
  • Boden: nährstoffarm, trocken
  • Flachwüchsig, teppichbildend
  • wird 10 bis 40 cm hoch
  • Steht sie vielen Bundesländer auf der Roten Liste gefährdeter Arten.
  • Besonderheit: Schließt nachts die Blüten

Intensive Dachbegrünung:

Hier kann im Grunde alles gepflanzt werden, was auch in einem Garten wächst. Rasen, Kräuterwiesen, Hecken, Hochbeete, trockenheitsverträgliche Stauden (u. a. Sedum, Gräser, Kräuter, Zwiebel- und Knollengewächse), Sträucher, Gehölze, Ölweiden bis hin zu Gewächshäusern, wenn dies statisch möglich ist.

Dachbegrünung und PV

In Städten gibt es einerseits auf vielen Dächern PV-Anlagen, andererseits ist es gerade in Städten besonders warm, so dass eine Dachbegrünung sinnvoll wäre. Diese Konkurrenzsituation zwischen Begrünung und PV-Anlagen lässt sich auflösen, da Bepflanzung und PV nebeneinander durchaus positive Wechselwirkungen haben. 


Ab einer Modultemperatur von etwa 25 Grad Celsius nimmt die Leistung von PV-Modulen ab, so dass eine Kombination mit kühlender Vegetation auf einem PV-Dach durchaus sinnvoll sein kann. Andersherum können auch die Pflanzen von der Verschattung durch die PV-Module profitieren. Zudem erhöht sich auch die Biodiversität durch besonnte und verschattete Dachbereiche.

Für eine passende Kombination von PV-Modulen und Vegetation (extensive Begrünung) sollte eine Fachfirma hinzugezogen werden, hier ein paar grundlegende Gedanken zu dem Thema:

  • Der Abstand der PV-Module zur Substratoberkante sollte mindestens 40 cm betragen, um den Pflanzen ausreichend Platz zu gewähren.
  • Auch sollte auf ausreichend Freiraum zwischen den PV-Modulen geachtet werden, so dass die Pflanzen genügend für Licht und Wasser bekommen.
  • Es sollten Pflanzen mit begrenzter Wuchshöhe gewählt werden, um eine flächige Verschattung der PV-Module zu verhindern. (Einzelne Halme haben quasi keine Auswirkung auf den Ertrag der PV-Module)
  • Der Pflegeaufwand ist relativ gering.

 

Damit die Bepflanzung auch wirklich der Biodiversität dient und das ökologische Gleichgewicht fördert, gibt es einige Regeln zu beachten:

So sollten möglichst einheimische Pflanzen genutzt werden, um die lokale Flora und Fauna zu fördern. Da die Vegetation zukünftig mit höheren Temperaturen und gleichzeitig längeren Trockenphasen zurechtkommen muss, ist das Angebot an heimischen Pflanzen allerdings nicht sehr groß. Bisher haben nur wenige Standorte trockenresistente Pflanzen erfordert.

Die Auswahl lässt sich einschränken, indem

  • Keine sterilen Pflanzen, wie z.B. Forsythie
  • Keine (potenziell) invasive Pflanzen, wie Kirschlorbeer, Sommerflieder, kanadische Goldrute usw.
  • Keine Thuja und andere Koniferen ohne biologischen Nutzen

gewählt werden.

Sterile Pflanzen wie z.B. Forsythien haben keinen ökologischen Nutzen, da sie weder Pollen noch Nektar für bestäubende Insekten wie Bienen liefern.

Invasive Pflanzen verdrängen einheimische Arten und stören damit das ökologische Gleichgewicht empfindlich. So breitet sich z.B. der Kirschlorbeer in vielen Teilen Europas unkontrolliert aus, vor allem im Wald beeinträchtigt er die Artenvielfalt enorm, unter seinem dichten Wuchs gedeihen keine Bodenpflanzen mehr.

Weitere Quellen und Links:

NABU
Startseite - BuGG e.V.