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Natürlich, synthetisch oder gentechnisch - so werden Vitamine produziert

Stand:

Auch wenn der Begriff so natürlich klingt: Die meisten Vitamine stammen aus dem Labor, gar nicht so selten auch aus einem Gentechnik-Labor.

Das Wichtigste in Kürze:
Auf Infos kommt es an!

  • Natürlicher Herkunft, also aus Pflanzen oder Tieren gewonnen, sind Vitamine nur noch sehr selten.
  • Der Begriff „natürlich“ ist für Vitamine und Mineralstoffe rechtlich nicht geschützt.
  • Neben der synthetischen Herstellung im Labor können sie auch durch den Einsatz von gentechnisch veränderten Bakterien (GVO) gewonnen werden. Gekennzeichnet werden muss das nicht.
  • Eine kleine Orientierungshilfe bietet unter Umständen die Zutatenliste.
Vitamine Zitrone Tabletten
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Wo kommen die Vitamine her?

Für Nahrungsergänzungsmittel wurde per Gesetz festgelegt, welche Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt werden dürfen. Wie diese produziert werden, ist nicht geregelt.

Weil es so viel preiswerter ist, werden Vitamine heute in der Regel synthetisch, das heißt im Labor erzeugt. Das kann einfach durch chemische Reaktionen erfolgen (z.B. mittels Synthese von Vitamin C aus Glukose oder durch Cracking aus Rohöl / Rohbenzin, unter anderem zur Herstellung von Vitamin A) oder aber durch biotechnische Fermentation mit Hilfe von Mikroorganismen, Pilzen oder Hefen. Unter diesen können auch gentechnisch veränderte Organismen (GVO) sein. So ist beim Vitamin C seit ca. 15 Jahren auch ein Fermentationsverfahren mit gentechnisch modifizierten Stämmen üblich. Wirklich natürlicher Herkunft, also aus Pflanzen oder Tieren gewonnen, werden Vitamine nur noch sehr selten.

Made in China

Während bis vor etwa 20 Jahren vorwiegend amerikanische, europäische und japanische Produzenten den Vitaminmarkt beherrschten, sitzen die größten Vitaminproduzenten heute in China, teilweise auch in Indien. Die vorwiegend außereuropäische Produktion kann aber auch zu Lieferengpässen führen. So hat das indische Ministerium für Handel und Industrie im Zuge der Corona-Pandemie direkt Anfang März 2020 den Export von zehn Arzneiwirkstoffen (darunter Antibiotika und Schmerzmittel) und drei Vitaminen (B1, B6 und B12) eingeschränkt, um die Versorgung der eigenen Bevölkerung sicherzustellen. Diese Beschränkung ist inzwischen wieder aufgehoben. Indien ist zwar ein wichtiger Lieferant für Europa und andere Regionen der Welt, bezieht aber selbst 70% der verarbeiteten Wirkstoffe aus China.

Vitamin C etwa wird fast nur noch in China produziert. Die größten europäischen Hersteller sind Pharmakonzerne wie DSM (u.a. Vitamin C und E-Produktion in China), BASF und Lonza, die Teile ihrer Produktionsstätten aber nach China ausgelagert haben oder dies planen. Der frühere französische Hersteller Adisseo ist heute Teil von Chem China. Zwar gibt es viele Nahrungsergänzungsmittel, die mit "produziert in Deutschland" werben, das heißt aber nicht, dass die einzelnen Zutaten, also die reinen Vitamine, nicht in China oder anderswo auf der Welt hergestellt wurden.

Inzwischen muss allerdings dank eines neuen Gesetzes (Durchführungsverordnung (EU) 2018/775) für alle seit 1. April 2020 produzierten Nahrungsergänzungsmittel angegeben werden, woher die sogenannten Primärzutaten, also die wichtigsten Zutaten stammen, wenn ein Produkt mit einem Hinweis zu seiner geografischen Herkunft vermarktet wird. Das sieht dann beispielsweise so aus:

Herkunft Vitamin C
Hergestellt in China, L-Ascorbinsäure (Vitamin C) aus EU und Nicht-EU


Wie nachhaltig die Produktion ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Teilweise wird jedoch von enormen Umweltschäden berichtet. Nach einem Bericht von 2016 in der ZEIT sind die Umweltauflagen in Europa zu teuer geworden, deswegen die Verlagerung nach China. Die FAZ berichtet in 2018, dass inzwischen aber auch in China die Umweltauflagen für die Vitaminproduktion erhöht wurden, um der horrenden Luftverschmutzung in Shijazhuang Herr zu werden.

Bei Folsäure handelt es sich grundsätzlich um eine synthetische Vitaminform. Das aus natürlichen Quellen stammende Vitamin Folat ist in der Regel nicht stabil genug.

Gentechnische Verfahren sind möglich

Gentechnische Verfahren zur Vitaminproduktion werden auch als "Weiße Biotechnologie" bezeichnet und werden seit langem vom Bundesforschungsministerium gefördert.

Bei Vitamin C, B2 und Vitamin B12 werden schon seit Jahren weitestgehend biotechnologische Produktionsverfahren mit gentechnisch veränderten Bakterien genutzt. Es gibt aber weiterhin auch Verfahren ohne GVO, beispielsweise für Beta-Carotin als Vitamin-A-Vorstufe oder Biotin, aber eben auch noch für Vitamin B2 und Vitamin C. Vitamin E kann sowohl biotechnologisch als auch aus (GVO-)Sojabohnen gewonnen werden.

Diese Nährstoffe könnten laut der Datenbank transgen aus gentechnischer Produktion stammen:

  • Vitamine: C, E, B2, B12, Biotin, Betacarotin
  • Aminosäuren: Cystein, Glutaminsäure, Lysin, Methionin, Tryptophan, Threonin, Phenylalanin
  • Pflanzensterine / Phytosterole

Was verboten ist: Die Vitamine dürfen nicht mit den GVO verunreinigt sein. Ist das der Fall, werden sie vom Markt genommen bzw. schon an der EU-Außengrenze zurückgewiesen. Das ist laut Europäischem Schnellwarnsystem in 2018 bei einem B2-Produkt der Fall gewesen, dabei handelte es sich um gentechnisch hergestellte, antibiotikaresistente Bakterien im Vitaminzusatz für Tierfutter.

Die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K werden zudem auf Trägerstoffe aufgebracht, um sie besser verarbeiten zu können. Bei einigen dieser Trägerstoffe sind gentechnische Anwendungen möglich, z.B. Stärke, Glukose, Maltodextrin. Und natürlich könnten in den Nahrungsergänzungsmitteln noch weitere gentechnisch produzierte Zutaten wie Aromen und Zusatzstoffe wie Enzyme, Emulgatoren (aus GVO-Soja), Füllstoffe (Dextrin, Maltodextrin, Cellulose aus GVO-Mais) oder das Säuerungsmittel Zitronensäure ohne entsprechende Kennzeichnung enthalten sein.

Wie sieht die Kennzeichnung aus?

Für Nahrungsergänzungsmittel gelten zahlreiche allgemeine Kennzeichnungsvorgaben. Hinweise auf die Produktionsweise der enthaltenen Stoffe oder die Herkunft sind aber nicht vorgesehen. Abbildungen und Aussagen vermitteln oft ein natürliches Image. Der Begriff „natürlich“ ist für Vitamine und Mineralstoffe allerdings rechtlich nicht geschützt.

Die Zutatenliste bietet hinsichtlich der Herkunft der Vitamine lediglich eine kleine Orientierung. Aus der Bezeichnung der Zutaten geht aber hervor, ob diese eine spezielle Behandlung erfahren haben, ob also Fruchtstückchen als Ganzes, getrocknet oder in Form von Pulver zugesetzt wurden.

Synthetisch erzeugte Vitamine werden meist mit ihrem Namen, wie z.B. Vitamin C / Ascorbinsäure, Magnesiumcarbonat o.ä. aufgeführt. Stammt das Vitamin aus einer natürlichen Quelle, steht dort "Vitamin C aus Acerola-Extrakt", "Vitamin D aus Flechten", "Vitamin D aus UV-bestrahlter Hefe", "Vitamin B12 aus Chlorella-Algen" oder "Folat aus Zitronenschalenextrakt".

In Bio-Nahrungsergänzungsmitteln dürfen überhaupt keine isolierten Stoffe verwendet werden, es wird dann nur Acerola-Extrakt, Buchweizenkeimpulver, Algenpulver (als Calcium-Quelle)  oder ähnliches eingesetzt. Grundsätzlich wird bei Zutaten natürlichen Ursprungs der Name des Lebensmittels genannt, z.B. Grünkohlpulver oder Sanddornpüree.

Ein Hinweis auf die Verwendung gentechnischer Verfahren zur Produktion von Vitaminen (z.B. aus GVO-Bakterien) oder auf die gentechnische Herstellung von Trägerstoffen (z.B. Stärke, Glukose, Maltodextrin aus GVO-Mais) muss nicht erfolgen. Wird jedoch Vitamin E eingesetzt, das aus gentechnisch veränderten Sojabohnen extrahiert wurde, muss dies gekennzeichnet werden ("Vitamin E/Tocopherol aus gentechnisch veränderten Sojabohnen").

Tipp:
Nahrungsergänzungsmittel, die das Bio-Siegel oder das Ohne-Gentechnik-Siegel tragen, enthalten keine gentechnisch hergestellten Vitamine oder Trägerstoffe.

Damit ein Vitamin explizit auf der Verpackung hervorgehoben erwähnt werden darf, z.B. "mit Vitamin E", müssen in einer Tagesportion des NEM mindestens 15 % der Referenzmenge enthalten sein. Hier finden Sie Informationen zu diesen Mindestmengen, aber auch zu den vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlenen Höchstmengen in Nahrungsergänzungsmitteln.

 

Quellen:


Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Oktober 2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel, Anhang XIII, Fassung vom 01.01.2018

Durchführungsverordnung (EU) 2018/775 der Kommission vom 28. Mai 2018 mit den Einzelheiten zur Anwendung von Artikel 26 Absatz 3 der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel hinsichtlich der Vorschriften für die Angabe des Ursprungslands oder Herkunftsorts der primären Zutat eines Lebensmittels, Fassung vom 09.06.2019

D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2. Auflage, 6. aktualisierte Ausgabe, 2020

Hancock RD, Viola R (2002): Biotechnological approaches for L-ascorbic acid production. Trends in Biotechnology 20(7): 299–305

Bundesministerium für Forschung und Bildung (2007): Weiße Biotechnologie - Chancen für eine biobasiert Wirtschaft.

RASFF-Notification 2018.2755 (Dezember 2018)

Freytag B; Kopplin I: Vitamine sind knapp und teuer. FAZ vom 17.01.18 (abgerufen am 28.12.2020)

BASF will bis zu zehn Milliarden in China investieren. Süddeutsche vom 09.07.18 (abgerufen am 28.12.2020)

DSM in Jingjiang, China. (abgerufen am 28.12.2020)

DSM completes creation of Vitamin E Joint Venture with Nenter - JV stops production for significant upgrade of plant to DSM standards, Stand: 27.08.19

Fuchs C et al.: Vitamin G! Wie Gier. Die Zeit, 21.04.16, S. 13ff, (abgerufen am 28.12.2020)

Datenbank transgen: Vitamine (abgerufen am 28.12.2020)

Datenbank transgen: Nahrungsergänzungsmittel (abgerufen am 28.12.2020)

Indien schränkt Export von 13 Wirkstoffen ein. blitz-arznei-telegramm vom 05.03.2020

Government of India, Ministry of Commerce & Industry, Department of Commerce, Directorate General of Foreign: Subject: – Amendment in Export Policy of APIs and formulations made from these APIs. TradeNotification No. 50/2015-2020-DGFT vom 03.03.2020

Government of India, Ministry of Commerce & Industry, Department of Commerce, Directorate General of Foreign: Subject: – Amendment in Export Policy of APIs and formulations made from these APIs. Notification No. 02/2015-2020-DGFT vom 06.04.2020