Vitamin D-Produkte – Wann sind sie sinnvoll?

Stand:

Vitamin D stärkt Knochen und Zähne. Regelmäßige Aufenthalte im Freien bewirken normalerweise eine ausreichende Bildung von Vitamin D in der Haut. Es gibt jedoch Ausnahmen.

Das Wichtigste in Kürze:
Auf die Dosis kommt es an

  • Vitamin D trägt zur Knochenstabilität und zum Zahnerhalt bei. Außerdem ist es wichtig für das Immunsystem. Eine gute Versorgungslage kann vor akuten Atemwegsinfektionen schützen, schützt aber nicht vor dem Corona-Virus.
  • 80-90 % des Vitamin D Bedarfs wird vom Körper mit Hilfe von UV-B-Strahlung selber gebildet und nur 10-20 % durch die Nahrung aufgenommen.
  • Nur in Ausnahmefällen (z.B. bei Bettlägerigkeit oder Vollverschleierung im Freien und höherem Lebensalter) ist eine zusätzliche Nahrungsergänzung in Absprache mit dem Arzt sinnvoll.
  • Bei regelmäßiger Einnahme nicht mehr als 20 µg/Tag nehmen. Eine Überdosierung kann zu ernsthaften Gesundheitsproblemen wie Übelkeit, Kopfschmerzen, reduziertem Muskeltonus bis hin zur Niereninsuffizienz führen.
  • Vorsicht, wenn Sie Medikamente wie Herzglykoside nehmen.
Familie draußen im Sommer beim guten Wetter
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Was steckt hinter der Werbung zu Vitamin D-Produkten?

Beständig suggeriert die Werbung, dass es der Mehrheit der Bevölkerung einen gesundheitlichen Vorteil bringt, Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D einzunehmen. Aus diesem Grund konsumieren viele Menschen diese, ohne jemals zuvor ihren Blutserumspiegel überprüft haben zu lassen.

Folgende Gesundheitsaussagen sind auf Vitamin-D-Nahrungsergänzungen erlaubt:

  • trägt zu einer normalen Aufnahme/Verwertung von Calcium und Phosphor bei 
  • trägt zu einem normalen Calciumspiegel im Blut bei
  • trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei
  • trägt zur Erhaltung einer normalen Muskelfunktion bei
  • trägt zur Erhaltung normaler Zähne bei
  • trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei
  • hat eine Funktion bei der Zellteilung
  • wird für ein gesundes Wachstum und eine gesunde Entwicklung der Knochen bei Kindern benötigt
  • trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei Kindern bei
  • trägt dazu bei, die durch posturale Instabilität und Muskelschwäche bedingte Sturzgefahr zu verringern. Stürze sind bei Männern und Frauen ab 60 Jahren ein Risikofaktor für Knochenbrüche (bei 20 µg/Tag)


Werbeaussagen, dass eine verbesserte Versorgung mit Vitamin D Krankheiten, wie Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-­Erkrankungen oder Erkrankungen des Nervensystems vorbeugen kann, sind allerdings nicht wissenschaftlich bewiesen und auch nicht erlaubt.

 

 

Kann Vitamin D einer Infektion mit SARS-CoV-2 bzw. einer Erkrankung an COVID-19 vorbeugen?

Zur Frage, ob Vitamin D einen Schutz vor einer Infektion mit dem Corona-Virus ermöglicht, hat sich das Bundesinstitut für Risikobewertung in einer  Meldung vom 17. November 2020 geäußert:

"Es sind dem BfR keine Studien bekannt, die belegen, dass die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten vor einer Infektion mit diesem Virus bzw. der Auslösung der Erkrankung schützt. [...] Eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung ist selbstverständlich wichtig für die Gesundheit. Auch ist wissenschaftlich anerkannt, dass Vitamin D zur normalen Funktion des Immunsystems beiträgt. Das heißt aber nicht, dass man deshalb vorbeugend hoch dosierte Vitamin-D-Präparate zu sich nehmen sollte. Fallberichte weisen darauf hin, dass die eigenständige sehr hohe Einnahme von Vitamin-D-Präparaten ohne ärztliche Kontrolle gesundheitliche Risiken bergen kann."

Eine detailliertere Bewertung der Studienlage zu Vitamin D und Corona finden Sie hier.

 

Worauf sollte ich bei der Verwendung von Vitamin D achten?

Die Einnahme von Vitamin D-Produkten wird - wenn Sie nicht zu einer der Risikogruppen (s.u.) gehören - nur dann empfohlen, wenn eine unzureichende Versorgung durch eine Blutuntersuchung (meistens eine kostenpflichtige IGe-Leistung) nachgewiesen wurde und eine gezielte Verbesserung der Versorgung weder durch eine günstigere Lebensmittelauswahl noch durch die körpereigene Vitamin D-Bildung mittels vermehrter Sonnenbestrahlung zu erreichen ist.

Dies sollte jedoch in jedem Fall mit dem Arzt abgesprochen werden. Er kann Ihnen gegebenenfalls geeignete Fertigarzneimittel auf Grundlage von vorhergehenden Blutuntersuchungen verschreiben.

Welche Kosten von der Krankenkasse übernommen werden, erfahren Sie hier.

Bei Personen, die zur Risikogruppe gehören, ist laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung zur Sicherstellung der Vitamin-D-Versorgung die Einnahme eines Vitamin-D-Präparats (bis 20 µg bzw. 800 I.E. pro Tag) sinnvoll. Trotzdem sollten Sie sicherheitshalber und möglichst vorher mit Ihrem Arzt darüber sprechen.

Sie gehören zu einer der Risikogruppen, wenn Sie:

  • älter sind als 65 Jahre, denn mit dem Alter lässt die Eigenproduktion von Vitamin D nach. Warum vor allem ältere Frauen eher unterversorgt sind als ältere Männer ist bisher nicht geklärt. Ursachen könnten der natürlicherweise höhere Körperfettanteil von Frauen, die Vermeidung von Sonnenlicht durch das Aufsuchen von Schattenplätzen, die stärkere Bedeckung des Körpers im Freien, die häufigere Verwendung von Sonnenschutzmitteln und Hautcremes mit Lichtschutzfaktor oder auch der unzureichende Verzehr Vitamin-D-reicher Lebensmittel sein.
  • zu den hochbetagten Senioren gehören: Zu Schwierigkeiten in der Versorgung kann es vor allem dann kommen, wenn Sie in Ihrer Mobilität eingeschränkt sind und sich nicht mehr in der Sonne aufhalten können (z. B. bei Bettlägerigkeit).
  • überhaupt nicht mit unbedeckter Haut an die Sonne gehen, zum Beispiel, weil Sie eine starke Sonnenallergie haben oder aus religiösen Gründen nur verhüllt ins Freie gehen.
  • eine dunkle Hautfarbe haben, da die UVB-Strahlen der Sonne durch den erhöhten Melaningehalt in der Haut stärker abgehalten werden.


Vitamin-D-Vergiftungen sind nicht durch exzessive Sonnenbäder möglich, sondern nur durch eine orale Zufuhr. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt eine Tageshöchstmenge von 20 µg Vitamin D (= 800 i.E.) in Nahrungsergänzungsmitteln. Vor der Verwendung ist es sinnvoll den Blutserumspiegel vom Arzt untersuchen zu lassen, um einen eventuellen Bedarf zu klären.

Eine tägliche Einnahme von Vitamin D-Präparaten mit Dosierungen von 50 µg oder 100 µg ist aus ernährungswissenschaftlicher Sicht nicht erforderlich. Allerdings sieht das BfR bei nur gelegentlichem Verzehr solcher hochdosierten Präparate gesundheitliche Beeinträchtigungen derzeit als unwahrscheinlich an. Würden Sie jedoch langfristig und täglich hochdosierte Vitamin D-Präparate zu sich nehmen, deutet die aktuelle Studienlage auf ein erhöhtes gesundheitliches Risiko hin.

Auf keinen Fall sollten pro Tag mehr als 100 Mikrogramm (=4000 i.E.) insgesamt (einschließlich Lebensmittel) aufgenommen werden: Kopfschmerzen, Übelkeit und Appetitlosigkeit, Erbrechen, Verstopfung, reduzierter Muskeltonus im schlimmsten Fall sogar Nierenverkalkung und Nierensteine bis hin zur Abnahme der Nierenfunktion. könnten die Folge sein. Vor allem bei deutlich höher dosierten Produkten aus dem Internet kommt es immer wieder zu schweren Gesundheitsschäden. Bedenken Sie, dass diese Überdosierung auch schleichend erfolgen kann, da Vitamin D lange im Körper gespeichert werden kann und sich nach und nach addiert.

Wechselwirkungen mit Medikamenten sind möglich: Vorsicht ist unter anderem bei der Einnahme von Herzglykosiden geboten. Durch einen von Vitamin D hervorgerufenen erhöhten Kalziumspiegel kann die Wirkung dieser Medikamente verstärkt werden und zu Herzrhythmusstörungen führen. Wenn Sie Medikamente einnehmen müssen, sollten Sie vor dem Kauf eines Nahrungsergänzungsmittels mit Ihrem Arzt oder Apotheker darüber sprechen. Er kann Ihnen sagen, ob die Gefahr von Wechselwirkungen besteht und wie Sie diese ggf. durch zeitliche Abstände umgehen können.


Hinweis:
Diese Vitamin-D-Verbindungen sind in Deutschland und anderen EU-Ländern in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen (gemäß EU-Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II (Fassung vom 05.07.2017)):


 
Nahrungsergänzungsmittel werden mit Vitamin D3 (tierisch) und Vitamin D2 (pflanzlich) angeboten. Vitamin D2 wird durch die UV-Bestrahlung von Ergosterol (Vitaminvorstufe) aus Hefe gewonnen. Es ist daher vegan, wird vom Körper aber nicht ganz so gut aufgenommen. Vitamin D3 für Nahrungsergänzungsmittel wird in der Regel aus Wollfett (Lanolin) gewonnen. In veganen Produkten, die mit Vitamin D3 angeboten werden, stammt das Vitamin aus bestimmten Flechten. Gentechnisch produzierte Trägerstoffe für dieses Vitamin sind möglich.
 

Tipp:

  • Gehen Sie täglich für einige Zeit in die Sonne (z.B. Spaziergang in der Mittagszeit) und kurbeln Sie so die Vitamin D-Produktion Ihres Körpers an.
  • Achten Sie jedoch bei längerem Sonnenbaden auf ausreichenden Sonnenschutz.
  • Fetthaltiger Seefisch wie Lachs, Makrele, Sardinen sowie Eier, Pilze und Margarine, die mit Vitamin-D angereichert ist, liefern ebenfalls wertvolles Vitamin D.
  • Eine angemessene Calciumzufuhr, körperliche Bewegung und Sport stärken Muskeln und Knochen ebenfalls.  


Wie ist die Versorgungslage in Deutschland?

Es stimmt, dass ein Großteil der Deutschen vor allem im Winter nicht den optimalen Vitamin D-Blutspiegel von 50 nmol/l erreicht, der mittels des Markers "25-Hydroxyvitamin D" gemessen wird. Dieser Wert wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die sich auf die Klassifizierung des US-amerikanischen Institut of Medicine (IOM) bezieht, als wünschenswert in Bezug auf die Knochengesundheit angesehen.

Doch von einem klinischen Vitamin D-Mangel, der auch gesundheitlichen Auswirkungen hat, sind die meisten weit entfernt. Das Robert-Koch-Institut spricht von 15,2 % der Erwachsenen (18-79 Jahre) und 12,5 % der Kinder und Jugendlichen. Ein Vitamin-D-Mangel liegt laut IMO-Klassifizierung bei einer "25-Hydroxyvitamin D" Konzentration unter 30 nmol/l vor.

Die Bestimmung des Vitamin-D-Status erfolgt durch die Messung von 25-Hydroxyvitamin-D (kurz 25(OH)D) im Blutserum. Es kann in den Einheiten nmol/l oder ng/ml angegeben werden (für die Umrechnung von nmol/l in ng/ml teilt man den Wert durch 2,5). Die Labormethoden sind allerdings noch immer nicht standardisiert.

25(OH)D
in nmol/l

25(OH)D
in ng/ml

Interpretation nach IMO-Klassifizierung (Quelle: RKI)

<30

<12

Mangelhafte Versorgung mit einem erhöhten Risiko für Krankheiten wie Rachitis, Osteomalazie und Osteoporose.

30-<50

12-<20

Suboptimale Versorgung mit möglichen Folgen für die Knochengesundheit.

50 -<75

20-<30

Ausreichende Versorgung in Bezug auf die Knochengesundheit.

75-<125

30-<50

Ausreichende Versorgung in Bezug auf die Knochengesundheit ohne weiteren Zusatznutzen für die Gesundheit.

≥125

≥50

Mögliche Überversorgung, die für den Körper negative gesundheitliche Folgen haben kann, zum Beispiel Hyperkalzämien, die zu Herzrhythmusstörungen oder Nierensteinen führen können.

Der Vitamin-D-Serumspiegel unterliegt jedoch starken saisonalen Schwankungen. So hatten in der DEGS-Studie (Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (2008-2011)) mehr als 60 % der Frauen im Sommer einen Spiegel über 50 nmol/l, im Winter dagegen nur etwa 20 % – aber: Die verwendete Messmethode führte zu einer Unterschätzung der Werte, die Versorgungslage ist eigentlich besser. Der 13. Ernährungsbericht von 2016 geht daher nach einer Standardisierung der Werte von einem Vitamin-D-Mangel bei etwa 15 % der Bevölkerung aus. Betroffen sind vor allem über 65-Jährige und darunter vor allem Frauen.

Wird bei einer einmaligen Untersuchung des Vitamin-D-Status ein niedriger Wert gemessen, muss dies also nicht zwingend bedeuten, dass bereits ein langfristiger Vitamin-D-Mangel und damit klinische Symptome vorliegen oder auftreten werden.

Wofür braucht der Körper Vitamin D?

Damit Knochen und Zähne stabil bleiben, wird Calcium benötigt, das als Calciumphosphat eingelagert wird. Vitamin D spielt eine wichtige Rolle in diesem Prozess. Es reguliert den Calcium- und Phosphatstoffwechsel und unterstützt die Aufnahme von Calcium aus dem Darm ins Blut sowie die Einlagerung in die Knochen. Damit ist es unentbehrlich für die Gesundheit von Knochen und Zähnen. Vitamin D spielt darüber hinaus auch in anderen Stoffwechselvorgängen eine Rolle, unter anderem beeinflusst es die Muskelkraft.

Ein Mangel an Vitamin D kann die Ausbildung einer Knochenerweichung sowie einer Osteoporose zur Folge haben. Bei Osteoporose verringert sich die Knochendichte und damit die Stabilität des Knochengewebes. Die Knochen werden anfälliger für Brüche, insbesondere das Frakturrisiko für Hüfte, Wirbelsäule und Handgelenke nimmt zu. Mit steigendem Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, an Osteoporose zu erkranken. Für eine optimale Mineralisierung der Knochen ist natürlich auch eine adäquate Calciumzufuhr notwendig.

Besonders im Kindesalter ist fehlendes Vitamin D gefährlich. Werden Knochen und Zähne bei Heranwachsenden unzureichend mineralisiert, droht eine Verformung der Knochen (Rachitis). Rachitis kommt in Deutschland allerdings sehr selten vor. Säuglinge bekommen im Rahmen der allgemeinen Vorsorge spezielle Vitamin D-Präparate vom Kinderarzt verschrieben, da der Vitamin D-Gehalt in der Muttermilch gering ist und die Haut des Säuglings aufgrund des noch fehlenden Schutzmechanismus nicht der Sonne ausgesetzt werden sollte. Dabei handelt es sich um Arzneimittel, die speziell auf den Bedarf der Säuglinge ausgerichtet sind. Eine Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln ist daher nicht angebracht. Kein zusätzliches Vitamin D ohne Rücksprache mit dem Kinderarzt!

Stellungnahme von zwei Kinderarzt-Verbänden:

Aufgrund der vorliegenden Studienlage kann auch bei Vitamin-D-Serum-Konzentrationen unterhalb der Referenzwerte eine generelle Vitamin-D-Supplementierung für Kinder im Alter von 2 Jahren und älter nicht empfohlen werden.
Ausgenommen davon sind Kinder mit Risikofaktoren und chronischen Erkrankungen, die potenziell mit Störungen der Kalzium- oder Vitamin-D-Resorption einhergehen.

Quelle: Gemeinsame Stellungnahme der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ e. V.) und der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und Diabetologie (DGKED e. V.) vom 19.04.2018

Vitamin D zur Prävention?

Über die reine Bedarfsdeckung mit Vitamin D hinaus, wird immer wieder die Frage gestellt, ob man denn mit diesem Vitamin auch Krankheiten vorbeugen kann – auch wenn das nicht Aufgabe von Nahrungsergänzungsmitteln ist.

Wissenschaftler/-innen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) haben in einer umfassenden Übersichtsarbeit nach Auswertung vieler Studien festgestellt, dass ein niedriger Vitamin-D-Status mit einem höheren Risiko für Atemwegsinfektionen einhergeht. Demnach könnte insbesondere bei einer schlechten Vitamin-D-Versorgung (Serumkonzentration < 25 nmol/l bzw. 10 ng/ml) eine Supplementation akuten Atemwegsinfekten vorbeugen. In der Behandlung akuter Atemwegsinfekte gab es keinen Einfluss durch die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten.

Unklar ist bisher, ob ein guter Vitamin-D-Status einen vorbeugenden Einfluss auf Asthma, Multiple Sklerose und Diabetes mellitus Typ 1 hat. Hier ist die Studienlage bei Beobachtungsstudien sehr heterogen, kontrollierte Studien dazu gibt es bisher keine.

Bei einer mangelhaften Versorgung, z.B. aufgrund fehlender oder zu geringer körpereigener Bildung, rät die DGE zu kontinuierlichen täglichen Dosen von 10-20 µg Vitamin D (400-800 I.E.). Höhere Mengen bringen keine Vorteile hinsichtlich der Prävention, können ganz im Gegenteil unter Umständen gefährlich sein.

Vitamin D in der Therapie?

Zur Behandlung von Erkrankungen sind Nahrungsergänzungsmittel nicht die richtige Wahl, hierfür gibt es Arzneimittel mit hoch dosiertem Vitamin D (Einnahme unter ärztlicher Kontrolle). Aber auch diese dienen vor allem dazu, einen Mangel schnell zu beheben, wodurch sich dann gewisse therapeutische Effekte ergeben können, so die DGE.

Nach neuester wissenschaftlicher Datenlage kann eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung bei Kindern das Risiko für die Verschlechterung eines bestehenden Asthmas verringern. Für Erwachsene kann das mangels Studiendaten bisher nicht bestätigt werden. Auch bei Menschen, die an COPD leiden, zeigten sich günstige therapeutische Effekte von Vitamin D nur, wenn vorher ein Vitamin-D-Mangel bestanden hat. Für eine therapeutische Wirkung bei schweren Depressionen und Diabetes mellitus Typ 1 gibt es noch nicht genügend Untersuchungen. Keinen Einfluss scheint Vitamin D in der Behandlung von Atemwegsinfektionen oder Multipler Sklerose zu haben.

Kann ich meinen Tagesbedarf an Vitamin D über die Nahrung decken?

Es gibt zwei Wege, über die der Körper mit Vitamin D versorgt wird: Zum einen durch die Aufnahme von Vitamin D-haltigen Lebensmitteln, zum anderen über die körpereigene Bildung in der Haut bei Sonnenbestrahlung. Letzteres macht den deutlich größeren Teil aus: Etwa 80-90 % der Vitamin D-Versorgung erfolgt durch regelmäßige Aufenthalte im Freien. Die Bildung von Vitamin D in der Haut hängt dabei von sehr verschiedenen Faktoren ab. Der Breitengrad, die Jahres- und Tageszeit (UVB-Intensität), Bewölkung, Kleidung, Freizeitverhalten sowie der jeweilige Hauttyp sind nur einige Aspekte.

Für eine ausreichende Versorgung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), zwischen März und Oktober zwei- bis dreimal pro Woche Gesicht, Hände und Arme unbedeckt und ohne Sonnenschutz der Sonne auszusetzen (10-25 Minuten). Sonnenbrand sollten Sie dabei jedoch unbedingt vermeiden. In den Wintermonaten greift der Körper auf im Fett- und Muskelgewebe gespeichertes Vitamin D zurück. Zusätzlich sind in dieser Zeit Spaziergänge zur Mittagszeit empfehlenswert, wenn die Sonne am höchsten steht.

Hautcremes und Makeup mit Lichtschutzfaktor können verhindern, dass sich Vitamin D bildet bzw. die Bildungsrate herabsetzen. Dennoch sind Sonnenschutzmittel bei längerem Aufenthalt in der Sonne unerlässlich, um einem Sonnenbrand und Hautkrebs vorzubeugen.

Laut der DGE beträgt der Schätzwert für eine angemessene Vitamin D-Zufuhr 20 µg/ Tag. Dies gilt aber nur bei fehlender endogener Synthese, das heißt, wenn der Organismus überhaupt kein Vitamin D selbst bilden könnte z.B. bei Bettlägerigkeit. Neben der körpereigenen Produktion kann Vitamin D in geringen Mengen - etwa 10-20 % des Schätzwertes - durch die Nahrung aufgenommen werden. Da es zu den fettlöslichen Vitaminen gehört, ist es überwiegend in fettreichen Lebensmitteln tierischer Herkunft zu finden. Dazu zählen vor allem fetthaltige Seefische wie Hering, Lachs oder Makrele sowie Eigelb, Leber und einige Speisepilze.

Lebensmittel mit Vitamin D anzureichern ist in Deutschland seit vielen Jahren aufgrund der Gefahr einer Überdosierung verboten. Für eine Reihe von Produkten (z. B. Margarine, Kinderquark, Orangensaft) gibt es jedoch Ausnahmegenehmigungen.

Außerdem wurden in den letzten Jahren von der Europäischen Kommission mehrere neuartige Lebensmittel zugelassen, die aufgrund einer Bestrahlung mit UV-Licht einen höheren Gehalt an Vitamin D2 aufweisen, z.B. Champignons, Milch oder Brot. Mit UV-Strahlung behandelte Lebensmittel müssen mit einem vorgeschriebenen Hinweis gekennzeichnet werden. Sollten Sie UV-behandelte Lebensmittel konsumieren, seien Sie vorsichtig mit der zusätzlichen Einnahme Vitamin D-haltiger Nahrungsergänzungsmittel, um eine mögliche Vitamin D-Überdosierung durch Aufsummierung zu vermeiden!

Quellen:


Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin D. Aktualisierte Gemeinsame FAQ des BfR, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) und des Max-Rubner-Instituts (MRI), Stand: 03.12.2014 (abgerufen am 25.11.2020)

Rabenberg M et al. (2015): Vitamin D status among adults in Germany – results from the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1). BMC Public Health 15: 641ff

Manson JE et al. (2016): Vitamin D Deficiency — Is There Really a Pandemic? N Engl J Med 375 (19): 1817-20

DGE: Guter Vitamin-D-Status kann vor akuten Atemwegsinfektionen schützen. Neue Daten zu Vitamin D im 14. DGE-Ernährungsbericht, DGE-Pressemitteilung vom 24.11.2020

Bundesinstitut für Risikobewertung: Vitamin D – aus Sicht der Risikobewertung, Stand 26.01.2017 (abgerufen am 25.11.2020)

Stellungnahme der Gemeinsamen Expertenkommission BVL / BfArM zur Bewertung von Vitamin-D-haltigen Produkten (Revision 1.1), Stand 16.02.2017 (abgerufen am 25.11.2020)

Kassenärztliche Vereinigung Bayern: Vitamin-D-Präparate zwischen Verordnungsfähigkeit und Patientenwunsch. Stand: 27.09.2018 (abgerufen am 25.11.2020)

Weißenborn A et al. (2018): Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. Journal of Consumer Protection and Food Safety 13, S. 25–39

Deutsches Krebsforschungszentrum: Senkt Vitamin D das Krebsrisiko? Studie zu Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D in der Krebsprävention veröffentlicht. Stand 30.11.2018 (abgerufen am 25.11.2020)

Antworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zu Vitamin D, Stand 25.01.2019 (abgerufen am 25.11.2020)

Stiftung Warentest: FAQ Vitamin D: Schützt Sonne genug vor Vitamin-D-Mangel? Stand: 14.01.2019 (abgerufen am 25.11.2020)

Trotz Kontaktverbot können Sie jetzt etwas für Ihren Vitamin D-Haushalt tun. DGE aktuell 05/2020 vom 26.03.2020 (abgerufen am 25.11.2020)

Kann das neuartige Coronavirus über Lebensmittel und Gegenstände übertragen werden? Aktualisierte Fragen und Antworten des BfR vom 17.11.2020

Vitamin D: Einnahme hochdosierter Nahrungsergänzungsmittel unnötig. Stellungnahme Nr. 035/2020 des BfR vom 31.07.2020 (abgerufen am 25.11.2020)