Persönliche Beratung nach Terminvereinbarung wieder möglich. Weitere Informationen gibt es hier.

Sanierungsmaßnahmen bei Hochwasser - Tipps für die Handwerkersuche

Stand:

Schnelle Hilfe und gute Orientierung sind wichtig, wenn Sie von Hochwasser betroffen sind - auch um vor voreiligen und nachteiligen Verfahren zu bewahren. Gerade im Heimwerkerbereich, aber teilweise auch bei Handwerkern, wird oft ohne fachliche Beratung oder ohne ausreichende Sachkenntnis gearbeitet.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nach den katastrophalen Überflutungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind etliche Häuser teilweise oder ganz zerstört.
  • Professionelle Hilfe und gute Orientierung sind zur Sanierung/Wiederherstellung wichtig. Wer voreilig handelt, kann sonst auch langfristig mit den Folgen zu kämpfen haben.
  • Grundsätzlich: Die Sanierung von Hochwasserschäden an Gebäuden sowie den dabei entstandenen Feuchte- und Schimmelschäden ist nichts für Heimwerker:innen!
  • Teilweise wird auch bei Handwerkern ohne fachliche Beratung oder ohne ausreichende Sachkenntnis gearbeitet. Darum gilt Vorsicht.
Kernsanierung eines Raums - Böden, Wände und Decken müssen bearbeitet werden.
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Schadensfeststellung und erste Schritte

Hochwasser hinterlässt feinsten, oft

  • übel riechenden, giftigen Schlamm,
  • eine Menge Unrat,
  • nasse Wände und
  • zahlreiche Gebäudeschäden.

Die Aufräumarbeiten haben unmittelbar nach dem Abklingen des Hochwassers begonnen. Trocknen angeschwemmte Schmutz- und Schadstoffe an oder dringen sie in Putz, Holz oder Böden ein, entstehen schwer behebbare Schäden, zumindest aber wesentliche Mehrarbeit bei der Reinigung.

Die wichtigsten Schritte sind nun:

  1. Bevor mit Sanierungsarbeiten begonnen wird, sollte das Bauwerk zunächst auf seine Standfestigkeit geprüft werden.
  2. Die erforderlichen Maßnahmen zur Trockenlegung und Sanierung des Baukörpers müssen fachlich korrekt geplant und ausgeführt werden.
  3. Insbesondere bei größeren Schäden sind Sachverständige zur Beurteilung des Schadensausmaßes heranzuziehen, die auch ein Konzept zur weiteren Vorgehensweise erarbeiten. Nur sie können durch Kontrollmessungen auch den Erfolg der Sanierungsmaßnahmen beurteilen.

Ablauf der Sanierung

Nach dem Rückgang des Hochwassers muss zunächst das Wasser aus dem Gebäude gepumpt werden. Anfangs werden dafür häufig aggregatbetriebene Pumpen zum Einsatz kommen müssen.

Ein in konventioneller (also gemauerter) Bauweise errichteter Keller darf allerdings nicht zu früh ausgepumpt werden. Das Eindringen des Wassers in den Keller kann bedeuten, dass das Kellergeschoss außen von Wasser umgeben ist. Wenn das Wasser um den Keller herum steht und der Keller leer gepumpt wird, dann drückt das Wasser von unten und von den Seiten auf Fundamente und Kellerwände. Risse können sich bilden, schlimmstenfalls brechen Bodenplatte oder Kellerwände auf. Daher sollten hier Fachleute ans Werk, die die Standsicherheit des Gebäudes im Blick haben.

Das anströmende Wasser schwemmt auch Sand und Kies aus dem Untergrund heraus. Ein Absacken der Fundamente und Setzrisse in den Wänden können die Folgen sein.

Eine wesentliche Hilfe ist es, alles verbleibende Wasser samt Schlamm und Schmutz mit speziellen Industriesaugern oder Nasssaugern soweit wie möglich abzusaugen.

Neben Unrat und nassem Mobiliar sollten durchfeuchtete Tapeten und Gips- und Kalkgipsputze bis ca. 1 Meter oberhalb der sichtbaren Schadenshöhe entfernt werden, sie verhindern sonst das Austrocknen der Wände. Auch Innentüren und Zargen aus Holzwerkstoffen müssen entfernt werden. Sie sind durch Feuchtigkeit aufgequollen und unbrauchbar. Vorsicht gilt außerdem beim Umgang mit belasteten Materialien.

Möglichst unmittelbar, sobald alle Räume wieder zur Begutachtung begehbar sind, sollte das Gebäude auf mögliche Schäden untersucht werden. Zunächst betrifft dies Schäden am Bauwerk selbst, zum Beispiel Risse, undichte Stellen oder Putzschäden. Da bereits nach wenigen Tagen auch mit Schimmelbefall zu rechnen ist, müssen sowohl der mikrobielle Befall als auch die Belastungen durch eingedrungene Schadstoffe wie Öl, Chemikalien oder Fäkalien hinsichtlich der entstandenen Gesundheitsgefährdung untersucht und fachgerecht beseitigt werden. Danach müssen Heizungs-, Sanitär- und Elektro-Installationen überprüft werden.

Eine Entscheidungshilfe zu Schimmel gibt es vom Netzwerk Schimmelberatung Deutschland kostenlos zum Herunterladen.

Besonders überflutungsgefährdet sind Häuser in Geländetiefpunkten, in Hanglagen oder in der Nähe von Bächen, Flüssen und Seen. Durch die Klimaveränderung und lokal heftigen Starkregen besteht eigentlich überall ein Risiko.

Daher müssen die Eintrittswege des Wassers des jeweiligen Objekts eingehend inspiziert und ggf. nachträglich abgedichtet werden.

Mauerwerk und Putz

Innenputz

Meist trifft man in den Wohnräumen Gipsputz auf den Wänden an. Durch Feuchteeinwirkung wird die Festigkeit im Gipsputz so zerstört, dass auch der Trockenvorgang nichts mehr verbessern kann. Hier ist ein Austausch durch einen mineralischen Putz auf Basis von Zement bzw. hydraulischen Kalken geboten, der gegen eventuelle Feuchteeinwirkung unempfindlicher ist.

Der alte Gipsputz sollte mit Schabern abgekratzt und Reste mit dem Stahlbesen oder im Sandstrahlverfahren entfernt werden. Achtung: Das ist nichts für Heimwerker:innen! Der Gipsputz ist nach wenigen Tagen bereits mikrobiell belastet. Ein Abkratzen und Entfernen sollte daher nur unter Anwendung entsprechender Schutzmaßnahmen erfolgen. Betroffene sollten einen solchen Bau-/Arbeitsbereich vom Rest der Wohnung/des Hauses abschotten, damit Belastungen durch nicht in alle Bereiche verteilt werden.

Kalk- oder Kalkzementputz auf einem gipshaltigen Untergrund führt unter Umständen zu neuen Putzschäden, da Gips mit Zementputz zerstörendes Schadsalz bilden kann. Ein nachträglicher Anstrich mit Mineralfarbe direkt auf den abgetrockneten mineralischen Putz ist sinnvoller als ein Verkleben von Tapeten mit nachfolgendem Anstrich.

Außenfassade

Sofern eine Salzbelastung ausgeschlossen ist und das Mauerwerk nach Entfernung des geschädigten Putzes ausgetrocknet ist, kann mit mineralischen Putzen auf Basis von Zement bzw. hydraulischen Kalken saniert werden. Die Trocknungszeit für Außenwände kann deutlich über einem Monat liegen. Im Zweifelsfall bringt eine Feuchteuntersuchung Gewissheit.

Für Gebäude, bei denen Wandbereiche wie zum Beispiel Spritzwassersockel sehr oft durchfeuchtet werden, kann ein Putzaustausch durch einen so genannten Feuchte-Regulierputz hilfreich sein. Dieser Sanierputz kann auch bei 100 Prozent Wandfeuchte aufgebracht werden. Er bewirkt die stete Verdunstung der Feuchtigkeit und fördert vorhandene Salze zur Putzoberfläche, die dann abgekehrt werden können. Als Anstrich sind hierbei nur Silikatfarben zulässig.

Für ölverseuchten Außenputz gilt dasselbe wie bei einer Innenraumbelastung: Gesundheitliche Gefährdungen durch Ölausdünstungen oder andere Schadstoffe müssen ausgeschlossen bzw. beseitigt werden. Unter Umständen empfiehlt es sich, einen Putzträger beispielsweise aus Streckmetall oder Edelstahl zu verwenden, um Haftungsprobleme auszuschließen.

Rissbildung

Die Außenfassade ist auf eventuell entstandene Risse, Farb- und Putzschäden zu prüfen.

Treten stark erkennbare Risse auf, die bereits unter dem Dach beginnen und über die Giebelwand nach unten über die Außenwände der Folgegeschosse hinunterführen, kann es sich um Setzrisse handeln. Diese sind meist auch an gleicher Stelle auf der Rauminnenseite der Außenwand erkennbar, bis hinunter zum Kellerboden. Hier sind Statiker:innen (Tragwerksplaner:innen) oder Sachverständige mit der Beurteilung der Risse zu beauftragen. Sie müssen insbesondere feststellen, ob sich eine Beeinträchtigung hinsichtlich der Stabilität des Mauerwerks ergeben hat. In gravierenden Fällen könnte sogar Einsturzgefahr bestehen.

Bei reinen Putzschäden, die infolge von mechanischen Einwirkungen wie zum Beispiel vom Hochwasser mitgeführtem Treibgut hervorgerufen wurden, sind bei mineralischen Putzen oft nur Putzausbesserungen und Farberneuerung erforderlich.

Möglichkeiten der Gebäudetrocknung

Erste Maßnahme zur Trocknung ist die gründliche Gebäudelüftung nach dem Leerpumpen und Leerräumen. Bei Überschwemmungen dringt die Feuchtigkeit aber bis in den Kern von Wänden vor und durchfeuchtet Bodenaufbauten, Dämmschichten und Holzbalkenkonstruktionen. Durch die eingebauten Dampf- und Feuchtigkeitssperren ist das Wasser regelrecht in Dämmschichten oder Wänden eingeschlossen. Dampfdichte Bodenbeläge und verwendete Kleber sorgen dafür, dass die einmal eingedrungene Feuchtigkeit nicht von selbst wieder ablüften kann. Dauerschäden, und vor allem Schimmelbefall schon nach wenigen Tagen sowie Modergeruch sind die Folgen.

Um dies zu verhindern, sollte nach einem Wasserschaden bald mit technischen Austrocknungsmaßnahmen begonnen werden. Fachlicher Rat ist dabei unerlässlich, vor allem, um die geeignete Trocknungsart zu wählen und den Erfolg der Maßnahmen durch Feuchtigkeitsmessungen zu kontrollieren.

Umfangreiche Bautrocknungen sollten ohnehin nur von Fachfirmen ausgeführt werden, welche die erforderlichen Maßnahmen und Abschottungsbereiche planen, den Ablauf protokollieren und ein dauerhaftes Ergebnis gewährleisten.

Wände trocknen

Gemauerte oder betonierte, massive Wände können nach Überprüfung der Statik des Gebäudes relativ gut getrocknet werden.

Gipsbauplatten auf Leichtbauwänden müssen nach Überflutung beidseitig entfernt und samt dem innenliegenden Dämmmaterial entsorgt werden. Die eigentliche Unterkonstruktion muss auf Standfestigkeit, gerade im Bereich der Anschlüsse zu Boden und Decken, geprüft werden.

Bei großflächigen Durchfeuchtungen im Wand- und Bodenbereich werden zur technischen Trocknung Kondensationstrockner installiert. Diese Geräte werden in den zu trocknenden Räumen aufgestellt und kondensieren die in der Raumluft enthaltene Feuchtigkeit, welche dann aufgefangen oder direkt abgeleitet wird.

Bei schimmelfreien Bauteilen können zur Oberflächen- und Wandtrocknung zusätzlich Turbogebläse aufgestellt werden. Diese erzeugen eine starke Luftzirkulation, wodurch eine wesentlich kürzere Trocknungszeit erreicht wird. Bei Trocknung einer Etage müssen mindestens zwei bis drei Geräte aufgestellt werden, um zeitgleich die Trocknung vornehmen zu können. Die Geräte können bei Maschinenverleihfirmen ausgeliehen werden.

Bei stellenweiser Durchfeuchtung im Wandbereich wird eine Kunststoff-Folie vor die betroffene Wandfläche gespannt und extrem vorgetrocknete Luft hinter diese Folie geblasen. Mit diesem "Luftkissen" kann die Trocknung gezielt auf die durchfeuchteten Wandbereiche begrenzt werden.

Zwischen neueren Doppel- und Reihenhäusern befindet sich zwischen den Haustrennwänden (zweischaliges Mauerwerk) meistens eine Dämmschicht, die bei Wasserschäden auf natürliche Weise nicht austrocknen kann. Um Folgeschäden auszuschließen, wird über Kernbohrungen vorgetrocknete Luft, meist in der Gebäudemitte, in die Dämmschicht eingeblasen und über ebenfalls gesetzte Entlastungsbohrungen ein Austritt der feuchten Luft aus der Dämmschicht sichergestellt.

Schachttrocknung

Viele Rohrleitungsbrüche sind alterungsbedingt oder auf frühere, nicht fachgerecht sanierte Wasserschäden zurückzuführen. Es empfiehlt sich daher, nach eingetretenen Wasserschäden auch Boden- oder Wandschächte entfeuchten zu lassen, so dass eine Korrosion der Leitungen verhindert wird.

Wie bei allen Hohlraumtrocknungen wird durch ein Trocknungsgerät Luft über ein Schlauchsystem in die Schächte eingeblasen. Diese durchströmt die Schächte und sorgt für eine stetige Verminderung des Feuchtigkeitsgehaltes.

Fußboden

Im Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes gibt es ab Seite 161 (Anhang VI) Handlungsempfehlungen zur Beurteilung von Feuchte und Schimmelschäden in Fußböden mit einem Schema, wann ein Rückbau erforderlich ist.

Estrichtrocknung

Handelt es sich um einen durchnässten Zement-Verbundestrich, das heißt Estrich ohne Dämmplatten darunter, dann ist mit den erwähnten Kondens-Trocknungsgeräten das Trocknen möglich. Voraussetzung ist allerdings, dass es der Bodenbelag auf dem Estrich zulässt. Üblicherweise müssen die Oberbeläge außer Keramikfliesen samt den Kleberresten entfernt werden, damit eine Kondenstrocknung durchgeführt werden kann. (Siehe Oberbeläge auf Estrich)

Ein Calciumsulfatestrich (früher Anhydritestrich) oder ein Trockenestrich kann nicht getrocknet werden, da die Festigkeit des Materials unter Wassereinfluss verloren geht. Der feuchte Estrich einschließlich Dämmung muss entfernt und entsorgt werden. Anschließend sollte ein Zementestrich auf einer Dämmschicht eingebaut werden. Ist jedoch eine schnelle Nutzung der Räume dringend notwendig, kann ein Gussasphalt-Estrich eingebracht werden, auf den schon am nächsten Tag der Bodenbelag aufgebracht werden kann. Zementestrich ist erst nach einer Abbindezeit von 21 Tagen bei mindestens +5 °Celsius Raumtemperatur für Beläge verlegereif.

Bei schwimmendem Zementestrich hängt die Sanierung stark vom Dämmmaterial und der Dämmstärke unter dem Estrich ab. Zur Dämmung werden üblicherweise Polystyrolprodukte oder Mineralstoffplatten verwendet. Erstere, speziell Hartschaumplatten, nehmen wenig Feuchtigkeit auf und sind relativ formstabil, können aber auch mikrobiell belastet sein. Sie sind zudem sehr leicht und können bei Hochwasser mit dem Bodenbelag (sogar mitsamt einer Fußbodenheizung) aufschwimmen und führen damit zur Zerstörung des Fußbodenaufbaus.

Bei schwimmendem Estrich sind die rechtlichen Fragestellung zum Verbleib belasteter Materialien in Fußböden zu beachten.

Mineralstoffplatten nehmen mehr Feuchtigkeit auf, drücken sich bei längerer Wassereinwirkung und Gewichtsbelastung allerdings zusammen und können damit samt Estrich ebenfalls unrettbar beschädigt werden.

Gleiches gilt für Estriche, die über einen längeren Zeitraum mit stark belastetem Hochwasser durchtränkt waren. Gerade die Ahr wurde während der Flut durch Heizöl, Fäkalien, Chemikalien und diverse Keime verseucht. Hier empfiehlt sich die Entsorgung des gesamten Fußbodenaufbaus.

Dämmschichttrocknung bei schwimmendem Estrich

Ist ein Zementestrich auf Dämmplatten nur kurzfristig durchnässt, müssen üblicherweise die Oberbeläge außer Fliesen samt den Kleberresten entfernt werden, so dass die Feuchtigkeit über eine Raumluft- oder Oberflächentrocknung abgegeben werden kann.

Um auch die Dämmplatten trocknen zu können, werden in den Estrich bis zur Dämmschicht eine entsprechende Anzahl Löcher gebohrt. Dabei sollte zuvor geprüft werden, ob sich bereits mikrobieller Befall gebildet hat. Ist das nicht der Fall, kann durch diese über flexible Schläuche erwärmte, trockene Luft in die Dämmplatten geblasen werden. Durch Entfernen der Sockelleisten kann die eingeblasene Luft aus der offenen Fuge zwischen Wand und Estrich austreten und so die Feuchtigkeit den Trocknungsgeräten zugeführt werden.

Sollte sich im Estrich eine Fußbodenheizung befinden, muss diese vor Beginn der Bohrarbeiten mittels einer Thermografiekamera oder eines Infrarotmessgerätes sichtbar gemacht werden. Ist es aufgrund von baulichen Gegebenheiten nicht möglich, die Kernbohrungen von oben durch den Estrich zu setzen, können die erforderlichen Lufteintrittskanäle zum Beispiel von unten durch die Betondecke gebohrt werden. Dies hat sich insbesondere in Erdgeschossbereichen bewährt.

Ein weiteres verbreitetes Verfahren zur Dämmschichttrocknung ist das Randleistensystem. Zur Austrocknung werden hierbei die Randstreifen im Bereich der Estrichrandfuge entfernt. Über ein Schlauchsystem wird die vorgetrocknete Luft mit hohem Druck in die Dämmschicht eingeblasen. Sie durchstreift die Dämmschicht und entweicht an der gegenüberliegenden Wand als Feuchtluft, die vom Trocknungsgerät wieder entfeuchtet wird.

Soll bei der technischen Austrocknung sichergestellt werden, dass keine feuchte oder eventuell mit Keimen, Schimmelsporen oder Fasern belastete Luft in die Raumluft entweicht, empfiehlt sich das Vakuumsystem. Bei diesem Trocknungsverfahren wird die feuchte Luft aus den Hohlräumen abgesaugt. Durch einen vorgeschalteten Mikrofilter ist eine Belastung der Raumluft ausgeschlossen.

Oberbeläge auf Estrich

PVC-Bodenbeläge mit Filzauflage oder Teppichbodenbeläge sind zu entfernen und zu entsorgen, da sie infolge Feuchteeinwirkung nicht mehr verwendbar sind. Bei fest verklebten Belägen muss der Estrich von Kleberesten durch Abschleifen gereinigt und nach Erfordernis gespachtelt werden.

Bei Belag aus keramischen Fliesen auf schwimmendem Zementestrich werden durch die Fugen Löcher in den Estrich bis auf die Dämmschicht gebohrt und ebenfalls Warmluft in die Dämmschicht eingeblasen. Hier kann es zum Ablösen vereinzelter Fliesen kommen. Die Sockelfliesen sind ebenfalls zu lösen und eine freie Fuge zur Wand herzustellen, die nach Trocknung dauerelastisch verfüllt werden muss.

Ein Laminatbelag verliert bei starker Feuchteeinwirkung die Form. Er wölbt sich an den Stößen auf und verformt sich in der Fläche. Diese Verformung wird schüsseln genannt, weil er sich seitlich aufwölbt und die Form einer Schüssel bildet. Der Belag muss entfernt und entsorgt werden. Die Estrich- und Dämmschichttrocknung muss wie zuvor beschrieben erfolgen. Der Estrich muss von Kleberesten durch Abschleifen gereinigt und nach Erfordernis gespachtelt werden.

Holzparkett vergrößert durch Feuchte das Volumen. Es wölbt sich in der Raummitte hoch und muss ersetzt werden. Die Estrich- und Dämmschichttrocknung muss wie zuvor beschrieben erfolgen. Bei fest verklebtem Parkett muss der Estrich von Kleberesten durch Abschleifen gereinigt und nach Erfordernis gespachtelt werden.

Wahl der Ersatzbeläge

Falls eine Überflutung der betroffenen Räume nicht auszuschließen ist, wird ein feuchteunempfindlicher Belag wie zum Beispiel aus keramischen Fliesen oder ein homogener Kunststoffbelag als Ersatzbelag empfohlen. Vorsicht gilt bei Epoxidharz, da in der Regel eine Komponente aus BPA oder anderen Bisphenolen besteht, die das Hormonsystem schädigen können.

Decken

Verputzte Massivdecken

Ist auf die Deckenunterschicht Gipsputz aufgebracht, dann ist eine Putzerneuerung nur dann erforderlich, wenn das eingedrungene Wasser mit dem Putz in Berührung kam und ihn völlig durchnässte. Lässt sich der Putz mit Daumendruck verformen oder ist bereits mit Schimmel belastet, muss ein Austausch stattfinden.

Als Ersatz ist ein mineralischer Putz zu empfehlen.

Holzbalkendecke

Zwischen den einzelnen Balkenlagen befinden sich Kies oder Lehmschüttungen, auch Schlacke oder Dämmstoffe. Normalerweise werden die für die Entfeuchtung notwendigen Lufteinblasbohrungen von unten durch die Decke vorgenommen, da diese ohnehin nach Erledigung der Trockenlegungsarbeiten neu verputzt oder gestrichen werden muss.

Sollte der Holzdielenboden ebenso massiv durchfeuchtet sein, empfiehlt es sich, eventuell vorhandene dampfdichte Beläge zu entfernen, so dass der Boden auch nach oben abtrocknen kann.

Sind Füllungen aus Dämmmaterial betroffen, sollten diese vor der Trocknung entfernt werden.

Bodenbelag auf Holzdecken

Handelt es sich beim Belag um Hartholzdielen, direkt auf Deckenbalken oder Holzrippen montiert, dann sind auch nach einem Trocknungsvorgang meist keine Schäden beziehungsweise Verformungen festzustellen und die Dielen können belassen werden. Eine Oberflächenbehandlung wird aber meistens erforderlich.

Ist nach Entfernen des Bodenaufbaues erkennbar, dass im Deckenzwischenraum Dämmstoffe, Schlacken- oder Bimsbeton vorhanden sind, muss vor Schließen der Decke von oben und nach Öffnen der Deckenbekleidung von unten, eine Trocknungsmaßnahme für dieses Bauteil durchgeführt werden. Achtung: Feuchter Dämmstoff schimmelt schnell, besser ist es, diesen erst auszubauen. Weiterhin ist sowohl von oben als auch von unten zu prüfen, ob die Balkenköpfe noch stabil und von keinerlei Fäulnis oder Schimmel betroffen sind.

Bei eventuell vorhandenem Holzfehlboden unter dem vorhandenen Leichtbeton des Balkenzwischenraumes, ist auch dieser gleichermaßen auf die Befallmöglichkeit wie die Balkenköpfe zu prüfen. Sind verschiedene Balkenköpfe im Auflagerbereich durch Fäulnis instabil, so müssen die Balkenköpfe nach vorherigem Abstützen der Balken abgesägt und mit zum Beispiel U-Schienen angeschuht werden.

Sind die Fehlböden ebenso schadhaft, dann muss der Leichtbeton einschließlich Fehlboden ausgebaut und eventuell ersetzt werden. Auch geringer Befall sollte erst entfernt/saniert werden. Dann sind einschlägige Holzschutzmaßnahmen zu ergreifen.

Sind Fußbodenbeläge auf Spanplatten, als so genannte Lastverteilungs- und Trägerplatten aufgelegt, dann ist oft eine Verformung der Spanplatten zu erwarten beziehungsweise wird durch Trocknung die Verwerfung der Platten sich noch verstärken.

Nach Feststellung einer Verformung ist die Demontage der Spanplatten einschließlich Belag unumgänglich. Bei der Sanierung dieses Fußbodenaufbaus ist es empfehlenswert, statt Trägerplatten freitragende Schwalbenschwanzbleche quer zu den Holzbalken zu verlegen. In die Sicken (Blechvertiefungen) wird Zementestrich eingebracht und eine Estrichhöhe von insgesamt 50-55 mm hergestellt. Zur Trittschalldämmung sind auf die Holzbalken, vor Montage der Bleche, Trittschalldämmstreifen aufzubringen.

Nach dem Abbinden des Estrichs (21 Tage bei mind. + 5 °Celsius) kann ein feuchteunempfindlicher Belag nach den werksmäßigen Verlegevorschriften aufgebracht werden.

Sind Füllungen aus Dämmmaterial betroffen, sollten diese vor der Trocknung entfernt werden.

Deckenbekleidung

Besteht die Deckenbekleidung aus Gipsbauplatten, ist auch hier zu prüfen, ob durch Einwirkung der hohen Luftfeuchtigkeit beziehungsweise durch den Wassereintritt die Platten geschädigt wurden (siehe Gipsputz).

Trifft dies zu, müssen die Platten demontiert und entsorgt werden, was je nach Material auch für die Unterkonstruktion zutreffen wird. Nach Demontage der Deckenbekleidung ist zu prüfen, ob die im Deckenzwischenraum befindliche Wärmedämmung oder Lehmstakung so stark durchnässt ist, dass ein Austausch erforderlich wird oder ob eine Trocknungsmaßnahme sinnvoll erscheint.

Sind Füllungen aus Dämmmaterial betroffen, sollten diese vor der Trocknung entfernt werden.

Geschosstreppen

Treppen, gleich welcher Bauart, sind zuerst auf Stabilität und Sicherheit zu untersuchen. Gefährdet sind zum Beispiel bei Holz- oder Stahltreppen die Auflager- und Befestigungspunkte der Treppenwangen und Treppenholme. Auch freitragende Holzstufen bei Holz- oder Stahltreppen, sind bezüglich der Auflager- und Befestigungspunkte genau zu überprüfen.

Nach Durchführung der Gebäudetrocknung ist es durchaus möglich, dass sich Massivholzstufen verformt haben beziehungsweise Risse aufzeigen. Von einem Fachbetrieb für Treppenbau sollte festgestellt werden, ob diese Stufen ausgetauscht werden müssen oder durch maßgefertigte Echtholzstufen überbaut beziehungsweise saniert werden können. Als Holzart eignen sich nur Harthölzer wie Eiche oder Buchenholz.

Haustechnische Installationen

Alle Versorgungsleitungen und die Elemente der Haustechnik, wie Elektro-, Gas-, Heizungs- und Wasserinstallationen sind auf Funktionstüchtigkeit und Dichtheit prüfen. Eine Inbetriebnahme darf nur nach fachlicher Prüfung erfolgen, da sonst Lebensgefahr besteht!

Durch eine Videoendoskopie ist die Abwasserleitung auf Schäden beziehungsweise eventuelle Verstopfung zu prüfen. Für diese Überprüfungen sind entsprechend fachkundige Handwerker:innen oder Sachverständige zu beauftragen.

Bei Kalt- und Warmwasser- sowie Heizleitungen aus Stahlrohr besteht die Gefahr der Korrosion (Rostbildung). Alte Leitungssysteme sind oft im Rohrinneren noch stärker korrodiert als von außen. Dies lässt sich anhand von Leitungsdruckmessungen leicht feststellen. Auch die Fließmenge je Minute kann bei Wasserleitungen durch inneren Rostansatz stark verringert sein. Ein Austausch eines solchen Leitungssystems durch zum Beispiel Kupferrohrleitungen oder Metallverbundleitungen ist empfehlenswert.

Nach der Sanierung der Schäden renovieren

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