Diskussion der Bedeutung: Meinungen dazu
Über die Sinnhaftigkeit des CO2-Fußabdrucks gibt es unterschiedliche Meinungen. Dabei geht es im Kern darum, ob die Verbraucher:innen für die Klimakrise verantwortlich sind und ob sie durch Verhaltensänderungen einen Einfluss auf den Klimawandel haben.
So war in einem Interview in der „Zeit“ („Achim Wambach über Klimaschutz“, Der Klima-Deckel, 42/22) zu lesen, dass die Klimaziele in der EU letztendlich durch das sogenannten „CO2-Emissionshandel“ erreicht werden, und es insofern für Verbraucher:innen wenig Sinn macht, Ökostrom zu nutzen oder eine Photovoltaik-Anlage zu bauen, oder etwa weniger zu fliegen. Doch auch hier wird darauf verwiesen, dass Verbraucher:innen durchaus etwas für das Klima tun können, wie etwa weniger Auto fahren oder interkontinentale Flüge vermeiden. Das der CO2-Emissionshandel die einzige Lösung ist, kann angesichts der aktuellen Bestrebungen, dieses Instrument aufzuweichen, bezweifelt werden.
Insgesamt zeigt sich aber, dass wir alle etwas tun können. Global betrachtet, entsteht eher der Eindruck, machtlos zu sein. Deswegen ist es guter Weg, darauf zu schauen, was wir Menschen lokal ändern können, im eigenen Alltag, und auch gemeinsam mit anderen. „Global denken, lokal handeln“ war auch einer der Leitsprüche der berühmten Schimpansenforscherin und Umweltaktivistin Jane Goodall.
Übrigens hatten deutsche Bürger:innen zum Zeitpunkt der Recherche einen CO2-Ausstoß von 0,84 t/Jahr als „Basis-CO2-Ausstoss“. Dieser „Sockel“ entsteht durch öffentliche Emissionen, wie etwa durch den Straßenbau und er wird hier gleichmäßig auf alle Einwohner:innen verteilt. Im UBA-Rechner wird auch deutlich: diese Emissionen werden durch politische Veränderungen sinken. Bisher ist es so, dass der Fußabdruck heute in Deutschland selbst bei maximalen Verhaltensänderungen nur auf etwa 2 t/Jahr gesenkt werden könnte, was nicht der notwendigen Reduktion auf etwa 1 t/Jahr entspricht.
Marketingtrick oder Verantwortung?
In der Diskussion über den CO2-Fußabdruck wird einerseits darauf verwiesen, dass Einzelne keinen Einfluss auf die Klimakrise haben. Vielmehr sei es Aufgabe der Politik, den Klimaschutz voran zu treiben, teilweise sogar verbunden mit dem Hinweis, dass dies schon passiert. Der CO2-Emissionshandel, die EU-Beschlüsse, die Weltklimakonferenz werden u.a. als Beispiele genannt. Es geht um eine Art „Henne oder Ei“-Frage: was kommt zuerst? Oder auch die Frage, ob der Markt, die Politik oder die Verbraucher:innen durch ihre Nachfrage entscheiden, was passiert. Leider wird auch angeführt, dass Deutschland zu den eher kleinen Ländern gehört, deren Anteile an den Emissionen vergleichsweise gering ist, im Vergleich zu China und den USA.
Deutschland hat jedoch relativ gesehen einen sehr hohen Pro-Kopf-Ausstoß von CO2 und rangiert damit unter den „TOP10“ der Verursacher des Klimawandels ganz weit oben auf der Liste. Das heißt, dass wir mit unserem Lebensstil weitaus mehr Treibhausgase erzeugen, als z.B. ein Chinese oder Inder, die aufgrund der Größe ihrer Länder hohe CO2-Emissionen verursachen. Weiterhin besteht eine historische Verantwortung, da Deutschland bei dem Ranking, wieviel CO2 bereits in der Vergangenheit ausgestoßen wurde, auf Platz 6 liegt. Zum Ausgleich der daraus entstandenen Schäden in anderen Ländern wurde auf der Weltklimakonferenz 2022 erstmals beschlossen, dass die verursachenden Länder einen finanziellen Ausgleich für die ärmeren Länder schaffen wollen, die massiv unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden. Ein neuer Ausgleichsfonds soll unabwendbare Folgen der Erderwärmung abfedern.
Aufgrund unseres Lebensstils werden wir auch häufig als die Nation angesehen, deren Wohlstand auch andere erreichen wollen. Zu beachten ist auch, dass wir die notwendigen Technologien besitzen und auch weiter entwickeln können, um notwendige Veränderungen, auch global, herbeizuführen, wie etwa bei der Nutzung von grünem Wasserstoff. Leider kann durch diese Argumentation der Eindruck entstehen, dass bereits ausreichend gehandelt wird. Nun haben aber alle Instrumente, die geschaffen wurden, bisher versagt oder nur teilweise funktioniert, wie wir in diesem Artikel erläutert haben.
- Die Weltklimakonferenz hat bisher keinen verpflichtenden Ausstieg aus der Nutzung von Erdöl und Gas beschlossen.
- Der europäische Emissionshandel erfasst die Bereiche, die einen großen Bestandteil des CO2-Ausstosses verursachen, wie etwa die internationalen Langstreckenflüge, den Energieverbrauch der Gebäude, die Landwirtschaft oder die PKW-Nutzung, bisher gar nicht.
- Für den Verkehr als bedeutender Verursacher von Klimaschäden konnte bisher kein ausreichendes Konzept vorgelegt werden, wie Deutschland seine Klimaziele erreichen könnte. Und das, obwohl die Regierung gesetzlich dazu verpflichtet ist, das Klimaschutzgesetz und seine Ziele umzusetzen.
- Viele Subventionen (wie etwa die fehlende Besteuerung von Kerosin, das Dienstwagen-Privileg u.v.m.) verhindern eine korrekte Marktsteuerung, da die Preise, die für diese Leistungen/Waren am Markt gebildet werden, zu niedrig sind und ein verändertes Verhalten von Verbraucher:innen verhindern.
- Es entsteht die Illusion, dass wir weiter leben können wie bisher, und den Klimawandel trotzdem aufhalten werden.
- Der Lebensstil beeinflusst unseren CO2-Ausstoß jedoch sehr stark. Die Menschen mit den höchsten Haushaltseinkommen, die große Häuser bewohnen, viel fliegen, viel konsumieren, oder aber mehrere Fahrzeuge viel und gerne nutzen, haben daher einen besonders hohen Einfluss. Ein Verzicht auf den PKW und auf internationale Flüge kann den eigenen CO2-Ausstoß daher sehr stark vermindern, wie auch die eigene Recherche „Zeigt her eure CO2-Füsse“ gezeigt hat.
Bei veränderter Nachfrage gibt es immer auch ein Umsteuern und der Druck auf die politischen Mandatsträger und auf die Wirtschaft, Änderungen herbei zu führen, wird größer. Das Prinzip des „Förderns und Forderns“, wie es auch der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert, zeigt jedoch auch, dass es nicht um ein „Entweder/Oder“ geht, sondern um das „Sowohl als auch“.
Verbraucher:innen sollen dazu befähigt werden, Veränderungen herbeizuführen und das wird durch Förderung erreicht. Gleichzeitig braucht es Gesetze, die dazu führen, dass sich unsere Mobilität ändert, der Ausbau der erneuerbaren Energien massiv vorangetrieben wird. Insofern erübrigt sich vielleicht die Frage, wer den „Fußabdruck“ erfunden hat, und wir können uns wieder darauf konzentrieren, wie wir unsere Ziele, den Klimawandel zu verlangsamen oder aufzuhalten, gemeinsam erreichen können.
Die Recherche
Was ist der CO2-Fußabdruck?
Jeder Mensch produziert durch sein Verhalten direkt und indirekt Treibhausgase. Im Durchschnitt fielen so in Deutschland zum Zeitpunkt der Recherche 10,78 t „CO2-Äquivalente“ pro Person und Jahr an.
Enthalten sind CO2 und andere Treibhausgase, deren Klimawirkung in eine vergleichbare CO2-Menge umgerechnet wird. Der Wert wird als persönlicher CO2-Fußabdruck bezeichnet.
Der Fußabdruck ist abhängig davon, wie wir wohnen, uns fortbewegen, ernähren und konsumieren. Der Fußabdruck müsste idealerweise weltweit bei 1 t/Jahr pro Person liegen, um das Pariser Klimaschutzziel zu erreichen.
Das heißt: wenn unser durchschnittlicher CO2-Fußabdruck auf 1t/Jahr sinkt, lässt sich die Erwärmung des Klimas auf ein Grad begrenzen, vorausgesetzt, alle anderen Länder halten ihre Klimaschutzziele auch ein.
Innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten hat Deutschland den weitaus höchsten Ausstoß an CO2e, also an Treibhausgasen, wie die folgende Abbildung zeigt.

CO2e
Mit CO2e werden die CO2-Äquivalente bezeichnet, also CO2 plus die anderen Treibhausgase umgerechnet in vergleichbare CO2-Mengen.
Recherche „Was kostet uns (k)ein Klimaschutz?
Durch die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz wurde eine Recherche zur Verminderung der CO2-Fußabdrücke von Verbraucher:innen und den damit verbundenen „Kosten“ durchgeführt. Ziel war es, festzustellen, ob und wie sich durch verändertes Verhalten neben den CO2-Fußabdrücken auch die Kosten verändern. Konkret gesagt: es wurde untersucht, mit welchem Einsatz am meisten CO2 gespart werden kann. In der Recherche stellte sich heraus, dass sich vielen Verhaltensänderungen sogar Kosten sparen lassen. Untersucht wurden die Bereiche Wohnen, Ernährung und Mobilität. Die größten Sparpotentiale finden sich dabei im Bereich Mobilität.
Einige Ergebnisse werden unter der Überschrift „Zeigt her eure CO2-Füße“ auf einem Plakat visualisiert.