Fit durch die kalte Jahreszeit: Milchdrinks mit Bakterienkulturen und Vitaminen im Check

Stand: 26. Oktober 2026

Spezielle Bakterienkulturen, Ballaststoffe, Vitamine und Aussagen rund um das Immunsystem, Darmgesundheit und Wohlbefinden: Im Kühlregal finden sich zahlreiche Milcherzeugnisse, die einen besonders gesunden Eindruck vermitteln. Doch was steckt tatsächlich hinter den versprochenen Wirkungen?

  • Eine Stichprobe von 16 Milcherzeugnissen mit Zusätzen zeigt, dass vielfach Nährstoffe und Ballaststoffe für ein positives Gesundheitsimage genutzt werden
  • Zehn von 16 Produkten werben mit gesundheitsbezogenen Angaben in Bezug auf das Immunsystem, die Verdauung, die Knochen oder den Energiestoffwechsel
  • Neun der 16 Produkte enthalten zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe, um die gesundheitsbezogenen Aussagen rechtsgültig tragen zu dürfen
  • Im Durchschnitt enthalten die speziellen Milcherzeugnisse drei Zuckerwürfel pro 100 Milliliter
  • Bei sieben von 16 Produkte gehört Zucker zu den Hauptzutaten

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat 16 Milcherzeugnisse mit speziellen Bakterienkulturen und zugesetzten Ballaststoffen unter die Lupe genommen. Dabei wurden unter anderem der Zuckergehalt, zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe sowie gesundheitsbezogene Angaben auf den Produkten betrachtet.

Was steckt hinter speziellen Bakterienkulturen und Präbiotika?

Spezielle Bakterienkulturen werden Lebensmitteln wie Joghurt oder anderen Milcherzeugnissen zugesetzt. Früher wurden solche Produkte häufig als „probiotisch“ bezeichnet. Der Begriff darf heute von den Herstellern nicht mehr verwendet werden, denn entsprechende gesundheitsbezogene Aussagen konnten wissenschaftlich nicht ausreichend belegt werden. Deshalb wurden die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geprüften gesundheitsbezogenen Aussagen zu solchen Bakterienkulturen nicht zugelassen. Trotzdem finden sich auf den Produkten weiterhin Hinweise auf die enthaltenen Bakterienkulturen wie „+ LCASEI 431“, „mit natürlichen Joghurtkulturen“, „lebende und aktive Kulturen“, „Multibiotics Joghurtkulturen“ und weitere. Wenn kein Gesundheitsbezug hergestellt wird, ist das so zulässig.

Auch präbiotische Ballaststoffe werden häufig mit einer positiven Wirkung auf das Darmmikrobiom in Verbindung gebracht. Zwei der 16 Milchdrinks enthalten eine ballaststoffreiche Zutat wie Polydextrose oder Oligofruktose. Eine positive Wirkung dieser Stoffe in isolierter Form auf die Darmflora konnte jedoch nicht ausreichend belegt werden. Unabhängig davon sind Ballaststoffe aus Gemüse, Obst und Vollkornprodukten trotzdem wichtig für die Ernährung und tragen unter anderem zu einer normalen Darmtätigkeit bei.

Mehr Informationen zu speziellen Bakterienkulturen und präbiotischen Ballaststoffen finden Sie auf unserer Internetseite:

Lebensmittel mit speziellen Bakterienkulturen (früher: „Probiotika“)

Lebensmittel mit „präbiotischen Ballaststoffen“: Wirkung nicht belegt

Gesundheitsversprechen durch die Hintertür?

Obwohl spezielle Bakterienkulturen selbst nicht mit entsprechenden gesundheitlichen Wirkungen beworben werden dürfen, finden sich auf vielen Produkten der Stichprobe andere gesundheitsbezogene Aussagen.

Zehn der 16 Produkte werben mit gesundheitsbezogenen Angaben, sogenannten Health Claims. Davon beziehen sich sieben auf das Immunsystem, eine auf die Verdauung, eine auf die Knochen und eine auf den Energiestoffwechsel. Um mit den gesundheitsbezogenen Aussagen werben zu dürfen, wurden den Produkten bestimmte Vitamine und Mineralstoffe in erforderlichen Mindestmengen zugesetzt. So darf beispielsweise durch den Zusatz von Vitamin B6 oder Vitamin D mit der Aussage „trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“ geworben werden. Neun Produkte enthalten zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe. Besonders häufig wurden Vitamin B6 und Vitamin D zugesetzt sowie Vitamin C. 

Zwei der 16 Produkte beziehen ihre gesundheitsbezogene Aussage auf Calcium, wie zum Beispiel „unterstützt die normale Funktion von Verdauungsenzymen“. Calcium muss bei Milchprodukten nicht zugesetzt werden, da diese von Natur aus Calcium in großen Mengen enthalten. Für Calcium ist beispielsweise wissenschaftlich belegt, dass die ausreichende Versorgung damit, die normale Funktion der Verdauungsenzyme unterstützt. Daher darf diese Aussage auf den Milchdrinks gemacht werden. Nur bei einem der Produkte wurde zusätzlich Calcium hinzugefügt. 

Durch den Zusatz von Vitaminen, Mineralstoffe oder Ballaststoffen kann allerdings leicht ein gesundes Image für das gesamte Produkt entstehen. Ein Health Claim bezieht sich allerdings rechtlich auf den jeweiligen Nährstoff– nicht darauf, dass das gesamte Milcherzeugnis besonders gesund oder notwendig ist. Kurz gesagt: Vitamin D auf dem Etikett bedeutet nicht automatisch „gesundes Produkt“. Entscheidend sind die Zutaten insgesamt. 

Gesundheitsbezogene Angaben müssen in der EU zugelassen sein; auch allgemeine Aussagen über gesundheitliches Wohlbefinden sind nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Yakult verwendet auf zwei Produkten die aus unserer Sicht unzulässige Werbung „erhöht die guten Bakterien im Darm“ zusammen mit „enthält 20 Milliarden L. casei Shirota Bakterien“. Wir werten das als unzulässige gesundheitsbezogene Aussage, die eine durch den Verzehr eintretende positive Veränderung im menschlichen Darm beschreibt. Für eine solche gesundheitsbezogene Werbeaussage liegt nach unserer Prüfung keine entsprechende Zulassung vor. Deshalb haben wir das Unternehmen aufgefordert, solche Aussagen künftig zu unterlassen. Yakult teilt unsere rechtliche Einschätzung nicht. Eine Einigung wurde bislang nicht erzielt.

 

Wie viel Zucker steckt drin?

Besonders interessant ist deshalb der Blick auf die Nährwerttabelle. Die untersuchten Produkte enthalten durchschnittlich 8,4 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Die Werte reichen von 3,0 bis 13,6 Gramm. Das entspricht etwa drei Würfelzucker pro 100 Milliliter. 

Der in der Nährwerttabelle angegebene Wert „Zucker“ umfasst bei Milcherzeugnissen den gesamten Zucker, also auch den natürlich vorkommenden Milchzucker Laktose. Ob dem Produkt Zucker zugesetzt wurde, zeigt auch die Zutatenliste. Die Zutaten werden nach ihrem Gewichtsanteil geordnet. Wenn Zucker weit vorne in der Zutatenliste steht, ist viel davon im Produkt enthalten. Da Milch natürlicherweise Milchzucker in einer Menge von circa vier Gramm pro 100 Milliliter enthält, wurde den Drinks durchschnittlich etwa vier Gramm zusätzlich zugesetzt. 

Bei zehn Produkten steht Zucker weit oben auf der Zutatenliste

Bei sieben der 16 Produkte stand Zucker an zweiter oder dritter Stelle des Zutatenverzeichnisses. Bei weiteren drei Produkten stand Zucker an vierter Stelle. Bei sechs Produkten wurde dagegen kein Zucker zugesetzt.

Das zeigt: Bei knapp der Hälfte der Produkte gehört Zucker zu den hauptsächlichen Zutaten.  

Dies verdeutlichen einige Produktfotos mit den darin enthaltenen Zuckerwürfeln im gesamten Produkt.

Wie viel Zucker ist am Tag empfehlenswert?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), die Deutsche Adipositas-Gesellschaft und die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfehlen, weniger als zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr aus freien Zuckern aufzunehmen. 

Bei einem Erwachsenen mit einem Energiebedarf von etwa 2.000 Kilokalorien entspricht das als grobe Orientierung maximal etwa 50 Gramm freie Zucker am Tag.

Für Kinder gibt es dagegen keinen empfohlenen Maximalwert für alle Altersgruppen, weil der Energiebedarf vom Alter und weiteren Faktoren abhängt. Auch für Kinder gilt die Empfehlung von weniger als zehn Prozent der Energiezufuhr aus freien Zuckern. 

Für Kinder im Alter von vier bis unter sieben Jahren entspricht das – abhängig von Geschlecht und körperlicher Aktivität – bei einem Energiebedarf von 1.300 bis 1.400 Kilokalorien etwa 32 bis 35 Gramm freie Zucker pro Tag.

Eines der in der Stichprobe untersuchten Produkte richtet sich in seiner Aufmachung an Kinder. Ein Blick in die Zutatenliste zeigt, dass sowohl Zucker als auch Traubenzucker dem Trinkjoghurt zugesetzt wurden. Mit knapp zehn Gramm Zucker pro Portion hat ein Kind mit einem Fläschchen schon knapp ein Drittel der maximal empfohlenen Tagesmenge an Zucker aufgenommen.

Gesundes Image schützt nicht vor viel Zucker

Die Stichprobe zeigt damit ein Spannungsfeld: Auf der einen Seite stehen spezielle Bakterienkulturen, Ballaststoffe, Vitamine und gesundheitsbezogene Aussagen – auf der anderen Seite teilweise erhebliche Zuckermengen. Darüber hinaus enthalten die Produkte teilweise auch Zusatzstoffe, Aromen und Süßstoffe. 

Ein Produkt mit speziellen Kulturen oder Vitaminzusatz ist deshalb nicht automatisch die bessere Wahl. 

Gerade bei Produkten, die sich durch ihre Aufmachung an gesundheitsbewusste Verbraucher:innen und Kinder richten, lohnt sich der zweite Blick auf die Nährwerttabelle und Zutatenliste.

Zudem verwenden zwei Produkte die aus unserer Sicht unzulässige Werbung „erhöht die guten Bakterien im Darm“ zusammen mit „enthält 20 Milliarden L. casei Shirota Bakterien“. Wir werten das als unzulässige gesundheitsbezogene Aussage, die eine durch den Verzehr eintretende positive Veränderung im menschlichen Darm beschreibt. Für eine solche gesundheitsbezogene Werbeaussage liegt nach unserer Prüfung keine entsprechende Zulassung vor.

Was ist die bessere Alternative?

Sauermilchprodukte wie Joghurt und Kefir liefern natürlicherweise viele wertvolle Vitamine und Mineralstoffe wie Vitamin B2, Vitamin B12, Jod und Calcium. Sie sind Teil einer ausgewogenen Ernährung, die eine gute Grundlage für ein gesundes Immunsystem und eine gute Verdauungsfunktion darstellt. Wer es etwas süßer mag, kann Joghurt mit frischem Obst oder ein paar Trockenfrüchten kombinieren. Zusammen mit Nüssen und Samen lässt sich so auch die Ballaststoffzufuhr erhöhen. Die DGE empfiehlt Erwachsenen, mindestens 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag aufzunehmen. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen liefert dafür viele natürliche Quellen. Damit ist der Körper auch in der kalten Jahreszeit gut mit Nährstoffen versorgt.

Unser Fazit

Spezielle Bakterienkulturen, Ballaststoffe und zugesetzte Vitamine machen ein Milcherzeugnis nicht automatisch zu einer gesünderen Wahl. 

Die Stichprobe zeigt, dass viele Produkte mit gesundheitsbezogenen Aspekten werben, während gleichzeitig teilweise viel Zucker enthalten ist. Des Öfteren sind auch Zusatzstoffe, Aromen und Süßstoffe in den Produkten enthalten. 

Deshalb gilt: Nicht vom gesunden Image täuschen lassen, sondern Zutatenliste und Nährwerttabelle anschauen.

VZ-RLP

Inhalte mit der Unterstützung von KI bearbeitet

gefördert vom Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau, Umwelt und Forsten (MLWUF) Rheinland-Pfalz im Rahmen des Landesprogramms

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