Gefahren für die Umwelt durch Plastik
Plastikmüll in der Umwelt kann sich auf Meerestiere und -vögel auswirken. In den Mägen vieler Seevögel werden große Mengen Kunststoffe gefunden. Die Tiere können verhungern, obwohl ihr Magen gefüllt ist. Über Muscheln oder bestimmte Fische kann Plastik auch auf unserem Teller landen.

Das Wichtigste in Kürze:
- Plastikmüll gelangt über verschiedene Wege in die Meere und Ozeane.
- Dort zerfällt er in kleinere Teilchen, wird aber nicht komplett abgebaut. Stattdessen fressen Meerestiere und -vögel die kleinen Teilchen.
- Seit Oktober 2023 gilt in der EU eine Beschränkung für absichtlich zugesetztes Mikroplastik. Für manche Anwendungen gelten jedoch noch Übergangsfristen.
- Ob beim Picknick oder am Strand: Nehmen Sie Plastikabfall mit und entsorgen Sie ihn richtig – nie in der Natur.
Woher kommt der Plastikmüll im Meer?
Plastikmüll in den Meeren hat mehrere Ursachen. In vielen Ländern der Erde werden Abfälle einfach ins Meer oder in den Flüssen entsorgt. Diverse Untersuchungen zu Müll-Funden im Meer und im Wasser zeigen, dass Kunststoffe den größten Teil des Meeresmülls ausmachen.
- Zum einen handelt es sich um Abfälle, die durch Schiffe illegal ins Meer entsorgt werden oder um verlorene Ladungen von Frachtschiffen.
- Ein weiterer Teil besteht aus Plastikprodukten, die über Flüsse ins Meer kommen, zum Beispiel Abfälle, die am Ufer liegen gelassen wurden oder bei Hochwasser mitgerissene Objekte.
- Auch durch den Wind gelangen Plastikabfälle, insbesondere dünne Kunststoff-Tüten, in Gewässer und Meere.
- Der Abrieb von Autoreifen sorgt ebenso für viel Mikroplastik. Das Fraunhofer Umsicht Institut schätzt, dass pro Reifen während der gesamten Nutzungsphase etwa 1 - 1,5 Kilogramm Mikroplastik abgerieben werden. Im Autoland Deutschland kommt da viel zusammen. Eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung und der Universität Wien schätzt, dass es etwa 133.000 Tonnen pro Jahr sind.
- Eine weitere Quelle sind die Abwässer unserer Waschmaschinen. Textilien aus Synthetikmaterialien geben beim Waschen winzige Fasern ab, die ins Abwasser gelangen. Kläranlagen können diese nicht vollständig zurückhalten. Sie gelangen daher über Flüsse auch ins Meer. Auf Synthetikkleidung zu verzichten ist aber auch keine Lösung, denn der Anbau von Baumwolle ist durch die eingesetzten Pestizide und chemische Behandlung ebenfalls schädlich für die Umwelt.
- Eine weitere Quelle sind kleinste Kunststoffpartikel, die absichtlich Kosmetikprodukten zugefügt werden. Seit dem 2023 dürfen abrasive Mikroplastik-Perlen und loser Kunststoff-Glitter in der EU nicht mehr neu vermarktet werden. Für weitere Anwendungen gelten Übergangsfristen
Weltweit betrachtet gelangen schätzungsweise rund 80 Prozent des Kunststoffmülls von Landseite aus ins Meer, das restliche Fünftel entfällt auf Schiffe und den Fischfang. Große Mengen Plastikmüll werden in Asien ins Meer entsorgt – in touristisch attraktiven Gebieten tragen Urlauber mit ihrem westlichen Lebensstil wesentlich zur Vermüllung der Umwelt bei.
Wie wirkt sich Plastikmüll auf die Umwelt aus?
Plastik in den Meeren schadet vielen Meerestieren und Seevögeln.In den Mägen vieler Seevögel kann man viele Kunststoffstückchen finden, die fälschlicherweise für Nahrung gehalten wurden. Die Tiere können dadurch verhungern, obwohl ihr Magen gefüllt ist. Auch in kleinsten Krebsen hat man Kunststoffpartikel entdeckt. Über die Nahrungskette besteht die Gefahr, dass die Kunststoffpartikel wieder z.B. in Muscheln oder in Fischen, die vollständig verzehrt werden, auf unserem Teller landen.
In größeren Plastikteilen – wie Netzen oder Ringen, aber auch Tüten – können sich Meerestiere verfangen. Sie bleiben verletzt zurück oder sterben qualvoll.
Bedingt durch die Meeresströmungen reichert sich in bestimmten Gebieten der Weltmeere Plastikmüll an. Er bildet nicht nur Plastikinseln an der Wasseroberfläche, sondern gelangt auch in tieferen Schichten und den Meeresboden. Der Begriff „Plastiksuppe“ beschreibt die Situation daher besser als Plastikinsel. Das wohl bekannteste Ansammelgebiet ist der Great Pacific Garbage Patch, übersetzt "Großer Pazifikmüllfleck", im Nordpazifik.
Da Plastik sehr stabil ist, reichert sich immer mehr Kunststoff in den Weltmeeren an. Kunststoffe zerfallen zu immer kleineren Teilen, aber es findet kein wirklicher Abbau, also keine Zersetzung des Kunststoffs, statt. Dadurch entstehen sogenannte Mikroplastik-Teilchen, also Plastikteilchen, die kleiner als 5 Millimeter sind. Welche langfristigen Folgen das für die Natur und die Menschen hat, kann noch gar nicht richtig abgeschätzt werden. Hier ist vor allem die internationale Staatengemeinschaft gefragt, um die Vermüllung der Flüsse und Meere durch Plastikabfälle zu stoppen.
Mikroplastik in Kosmetika: Was gilt seit 2023?
Mikroplastik wurde früher häufig als Scheuermittel in Peelings und Zahnpasten verwendet. Seit Oktober 2023 dürfen abrasive Mikroplastikperlen in solchen Produkten in der EU nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Zu anderen Zwecken, zum Beispiel als Trübungsmittel, können Mikroplastik und weitere Kunststoffe aber noch immer enthalten sein. Wie Sie Mikroplastik in Kosmetik erkennen und vermeiden können, erfahren Sie in diesem Internetartikel.
Wie schnell baut sich Plastik in der Umwelt ab?
Kunststoffe sind chemisch sehr stabil. Sie zersetzen sich nicht oder nur sehr langsam bzw. werden schlecht abgebaut. Produkte aus Plastik zerfallen nur in immer kleinere Teilchen. Gelangen Plastikartikel als wilder Müll in die Umwelt bzw. in Gewässer, dann kann der Zerfall viele Jahrzehnte dauern. Bei einer Plastikflasche kann man davon ausgehen, dass sie mehrere Jahrhunderte braucht um abgebaut zu werden. Lediglich Verbrennen sorgt dafür, dass sich die Produkte schneller zersetzen.
Deshalb sind manche Aufdrucke auf Plastiktüten aus Sicht der Verbraucherzentrale irreführend, da die Kunststoffe, vor allem wenn sie zu immer kleineren Teilchen zerfallen, noch unabsehbare Umweltfolgen haben.
Dazu zwei Beispiele:
Aufdruck: "100% recyclebar" = Sofern diese Tüte richtig entsorgt wird, nämlich über die Gelbe- oder Wertstoff-Tonne, kann der Kunststoff eingeschmolzen und zu neuen Produkten verwandelt werden.Wird die Tüte aber in die Umwelt geworfen, so zersetzt sie sich allenfalls zu Mikroplastikteilchen. Wirft man sie in die Tonne für den Restmüll, wird sie verbrannt. Auch Kunststoffe, die in der Gelben Tonne landen, werden häufig verbrannt, weil sie durch anderen Müll stark verschmutzt sind und das Recycling von Kunststoffen oft teurer ist als neue Produkte aus Erdöl herzustellen.
Aufdruck: "grundwasserneutral" = Die Tüte gibt keine schädlichen Chemikalien ab, wenn sie in der Umwelt liegt. Sie baut sich aber auch so gut wie nicht ab. Dies ist kein Argument dafür, dass eine Tüte umweltfreundlich ist.
Aufdruck: "abbaubar" = Die Kontrolle erfolgt nur optisch, das heißt wenn nichts mehr von dem Kunststoff zu sehen ist, gilt er als abgebaut. Trotzdem kann er noch als kleine Plastikteilchen vorliegen, die mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen sind.
Was passiert mit Plastikmüll, der in die Tonne für den Restmüll geworfen wird?
Kunststoffabfälle im Restmüll werden in Müllverbrennungsanlagen verbrannt. In diesen Anlagen verbrennt Plastik fast vollständig zu Kohlendioxid und Wasserdampf. In einigen Anlagen wird die dabei entstehende Wärme zur Energiegewinnung genutzt.
Was passiert mit Plastikmüll, der in die gelbe Tonn oder Wertstofftonne geworfen wird?
Plastikabfälle, die in die Gelbe Tonne oder Wertstofftonne geworfen werden, werden zunächst sortiert und exakt nach den verschiedenen Kunststoffarten getrennt. Da einige Kunststoffarten wie PET sich leichter wiederverwerten lassen, werden diese bevorzugt an Recyclingfirmen weiterverkauft. Dort werden sie aufbereitet und zur Herstellung neuer Produkte verwendet.
Kunststoffe, für die es noch keine ausgereiften Techniken fürs Recycling gibt, werden zu sogenannten "Ersatzbrennstoffen" verarbeitet. Das bedeutet, sie werden zu Briketts gepresst und dann zum Beispiel in Zementwerken als Ersatz für Kohle und Gas verfeuert. Dies wird beschönigend als "thermisches Recycling" bezeichnet, ist aber kein stoffliches Recycling.
Insgesamt wird in Deutschland mehr als die Hälfte des anfallenden Plastikverpackungsmülls recycelt. Die Technik dafür wird immer besser, so dass die Quoten weiter ansteigen. Da der nicht recycelbare Rest aber noch immer verbrannt wird, bleibt es dabei, dass man Plastikabfälle möglichst vermeiden sollte.
Wie gut kann Plastik recycelt werden?
Wie gut Plastik recycelt werden kann, kommt sehr auf die Art des Kunststoffs an. Wie viel wirklich recycelt wird, ist außerdem noch abhängig vom Ölpreis. Ist er niedrig, ist es oft preiswerter alte Kunststoffe zu verbrennen und neue aus Erdöl herzustellen. Bei Plastikmüll aus Verpackungen kann man davon ausgehen, dass circa 60 Prozent recycelt werden. Das ist noch nicht optimal, wird aber dank strengerer Gesetze noch besser werden.
Fast zwei Drittel der Kunststoffabfälle sind Verpackungen - und sie werden am häufigsten wieder zu Kunststoffprodukten recycelt, weil sie über die Gelbe Tonne und die Einwegflaschen über die Pfandautomaten vergleichsweise gut erfasst werden. Viele Verpackungen für Non-Food-Produkte werden schon aus Recyclingkunststoff hergestellt. Auch viele Getränkeflaschen enthalten recyceltes Flaschenmaterial.
In den Sortierbetrieben, in die die Abfälle aus der Gelben Tonne oder dem Gelben Sack gelangen, werden die Abfälle maschinell nach Kunststoffarten getrennt und anschließend gespült. Trotzdem enthalten die sortenreinen Kunststoffe immer noch verschiedene Beimischungen wie Farben, Weichmacher, UV-Schutz. Wegen dieser vielen Zusätze ist es schwierig, einen einheitlich hochwertigen Recyclingkunststoff zu gewinnen.
PET und PE (Polyethylen) lassen sich relativ leicht aufbereiten und zu neuen Kunststoffprodukten umwandeln. Bei anderen Sorten wie zum Beispiel Weich-PVC ist das Recycling jedoch so aufwändig, dass es sich lohnt, neue Kunststoffe aus Erdöl herzustellen und die alten als Ersatzbrennstoff zu verfeuern. Es besteht also noch Forschungsbedarf.
Auch wenn das Recycling von Verpackungen - besonders der vielen sortenrein gesammelten Einweg-PET-Flaschen - immer besser funktioniert, sollte die Vermeidung von Kunststoff-Verpackungen an erster Stelle stehen. Es ist ökologisch sinnvoller, Mehrweg-Flaschen 15 bis 25-mal wieder zu befüllen und erst danach den Kunststoff zu recyceln.
Werden Getränke über längere Strecken transportiert, dann sind Mehrweg-Flaschen aus PET aufgrund ihres geringen Gewichtes ökologisch oft vorteilhafter als Mehrweg-Flaschen aus Glas. Glas ist vor allem vorteilhaft, wenn Getränke regional abgefüllt und nur über kurze Strecken transportiert werden. Als grobe Orientierung werden häufig weniger als 50 Kilometer genannt, die tatsächliche Ökobilanz hängt jedoch von vielen Faktoren ab.














